Mit einem 3:2 im Wildpark hat die SV Elversberg den Druck der vergangenen Wochen abgeschüttelt und sich im oberen Drittel der Tabelle zurückgemeldet. Die Mannschaft von Vincent Wagner dominierte über weite Strecken, vergab zahlreiche klare Chancen – und siegte doch noch.
Es war ein Nachmittag, der schon früh die Tendenz erkennen ließ. Zwar begann die Partie offen, mit je einer Gelegenheit durch Franke und Ebnoutalib, doch nach rund einer Viertelstunde verschob sich das Kräfteverhältnis spürbar. Elversberg fand in seinen Rhythmus, kippte die Achter ab, löste Drucksituationen sauber und schob den KSC immer wieder tief in den eigenen Block. Karlsruhe wirkte überrascht von der Konsequenz, mit der die SVE zwischen die Linien kam. Auffällig war vor allem Bambasé Conté, der permanent Räume öffnete, gegnerische Bewegungen band und Spieltempo vorgab. Es war daher nur folgerichtig, dass der Führungstreffer nach einem Fehlpass von Franke über eben jenen Conté lief: Der heranstürmende Offensivspieler setzte nach, legte frei vor Bernat quer und Ebnoutalib vollendete mühelos – ein Tor, das Equalizer und Symbol gleichermaßen war.
Die Phase danach war ein Spiegelbild der Elversberger Dominanz. Conté drehte sich mehrfach aus engen Räumen, schuf Überzahlmomente, zwang den KSC zu Fouls. Ebnoutalib verpasste das 2:0 freistehend. Der Gastgeber fand kaum Ordnung, Eichners Mannschaft wirkte in vielen Situationen einen Schritt zu spät. Franke fasste es später so zusammen: „Ich glaube, jedes Mal, wenn Elversberg aufs Tor gekommen ist, hat es da nur gebrannt. Von daher war es heute auf jeden Fall ein Klassenunterschied.“ Ein Satz, der sich weder übertrieben noch impulsiv anhörte, sondern den Verlauf treffend verdichtete.
Nach dem Seitenwechsel versuchte Karlsruhe, mehr Initiative zu übernehmen. Die Gastgeber gewannen ein paar zweite Bälle, liefen höher an – ohne lange zwingend zu werden. Erst Simic, der zunächst geblockt wurde und kurz darauf aus spitzem Winkel zum 1:1 traf, brachte den Wildpark spürbar in Bewegung. „Ich habe mich heute gut gefühlt, ich habe gefühlt, dass ich heute treffen würde“, sagte der Kroate. Dass er am Ende trotz Doppelpacks unzufrieden bleiben sollte, lag weniger an seiner Leistung als an der Statik des Spiels. Denn Elversberg reagierte sofort, sammelte sich, erhöhte die Pressinghöhe und zwang Karlsruhe erneut in den Rückwärtsgang.
Der nächste Moment gehörte Lukas Petkov. Nach einem Ballgewinn landete die Kugel über mehrere Stationen am rechten Strafraumeck. Der Rest war Individualqualität: ein Linksschuss, der sich in den Winkel drehte und die alte Führung herstellte. Ein Treffer, der nicht nur technisch beeindruckte, sondern in seiner Selbstverständlichkeit zeigte, wie klar Elversberg in dieser Phase spielte.
Dass die Begegnung dennoch wieder offen wurde, lag an Elversbergs fehlender Konsequenz in den folgenden Angriffen. Zimmerschied verpasste zweimal, Bernat parierte mehrfach stark, und die SVE ließ die Partie unnötig offen. Es war diese Nachlässigkeit, die den KSC zurückholte – und Simic zum zweiten Mal in Szene setzte. Eine präzise Flanke von Herold, ein robuster Kopfball, das 2:2. Die Kulisse brach aus, plötzlich wirkte das Spiel wieder unruhig, aber nicht lange. Denn Elversberg blieb strukturiert, suchte wieder die Halbräume, und erzeugte weiter Chancen: ein Flachschuss von Petkov, eine Dreifachchance nach einer Ecke, Schmahls Lattentreffer in der Nachspielzeit.
Lob vom Gästetrainer
Über all dem stand die Figur des Karlsruher Torhüters. Hans Christian Bernat hielt seine Mannschaft im Spiel, parierte aus kurzer Distanz, fischte Schüsse aus den Ecken – und doch sollte er am Ende ohne Zugriff bleiben. Die vierte Minute der Nachspielzeit brachte die Entscheidung. Der Angriff lief über links, der Ball kam flach in den Strafraum, und Felix Keidel schob ihn aus spitzem Winkel ins lange Eck. Ein Abschluss, der in seiner Ruhe nahezu kühl wirkte. Bernat regte sich nicht mehr, der Ball lag im Netz, und die SVE beendete den Nachmittag so, wie sie ihn begonnen hatte: mit Überlegenheit.
Karlsruhes Trainer fand anschließend klare Worte. „Wir dürfen uns heute glücklich schätzen, dass wir nur mit einem Tor Abstand verloren haben“, sagte Christian Eichner. „Wir haben über 95 Minuten mit und ohne Ball nicht stattgefunden.“ In der Erweiterung zog er ein Fazit, das dem gesamten Spiel gerecht wurde: „Die hoch überlegene, deutlich bessere Mannschaft, die wacher und klarer war und die was wollte – die hat das Spiel gewonnen. Das 3:2 schmeichelt uns.“ Selten legt ein Trainer Worte so offen aus wie in diesen Sätzen, selten fassen sie das Bild so exakt.
Die Statistiken untermauerten diesen Eindruck. Ein xG-Wert um die fünf, unzählige klare Chancen, ein strukturell dominanter Auftritt – Elversberg zeigte all jene Elemente, die die Mannschaft in dieser Saison stark machen: Tempowechsel, Pressingdisziplin, Ruhe in engen Räumen, direkte Wege ins letzte Drittel. Vor allem aber zeigte sich erneut, wie stabil die SVE auf Rückschläge reagiert. Zwei Ausgleichstore des Gegners, mehrere verpasste Möglichkeiten, ein Torhüter im Ausnahmezustand –
und doch blieb die Mannschaft geduldig, mutig, klar in ihrer Linie.
Der Sieg bringt Elversberg zurück auf Rang drei. Das Tabellenbild bekommt damit eine neue Kontur, auch weil Paderborn und Schalke zuvor Punkte liegengelassen hatten. Da beide am kommenden Wochenende aufeinandertreffen, eröffnet sich der SVE die Chance, mit einem Erfolg gegen Darmstadt weiter in Richtung direkte Aufstiegsplätze vorzurücken. Ein Szenario, das nicht mehr übermütig wirkt, sondern folgerichtig: Der „zweite Angriff“ auf die Bundesliga ist kein Projekt der Hoffnung, sondern ein Projekt der Substanz.
Karlsruhe hingegen bleibt im Mittelfeld stecken. „Sechs, sieben hätten wir auch kriegen können, wenn wir ehrlich sind“, sagte Franke – ein Satz, der die Haltung der Gastgeber an diesem Nachmittag spiegelte. Ein Nachmittag, an dem Elversberg nicht nur gewann, sondern zeigte, wie klar dieses Team mittlerweile in seinen Abläufen ist. Ein Auswärtsspiel, das mehr war als ein Ergebnis: ein Signal, dass die SVE wieder bei sich ist – und wieder oben angekommen.