Die SV Elversberg verpasst beim 1:1 in Münster zwar den Auswärtssieg, geht aber erneut auf einem direkten Aufstiegsplatz in die Winterpause. Nach einer Hinrunde mit großem Umbruch steht die Mannschaft mit 34 Punkten dort, wo sie vor der Saison kaum jemand erwartet hatte.
Die SV Elversberg hat im Aufstiegsrennen der 2. Fußball-Bundesliga die Patzer der Konkurrenz nur bedingt genutzt. Beim SC Preußen Münster kam die Mannschaft von Trainer Vincent Wagner am letzten Spieltag der Hinrunde nicht über ein 1:1 (1:0) hinaus. Elversberg überwintert damit mit 34 Punkten auf dem zweiten Tabellenplatz, bleibt im fünften Spiel in Serie ohne Niederlage, verpasste es aber, den Vorsprung auf die direkte Konkurrenz weiter auszubauen. Darmstadt und Paderborn hatten sich im direkten Duell bereits am Freitag 2:2 getrennt, der Abstand der SVE auf die Verfolger beträgt weiterhin einen Zähler.
Schon vor dem Anpfiff stand fest, dass Elversberg die Vize-Herbstmeisterschaft sicher hatte. Durch das Remis machte die SVE immerhin einen Punkt auf Spitzenreiter Schalke gut, der zeitgleich gegen Eintracht Braunschweig verlor. Der Spielverlauf in Münster lieferte jedoch ein klares Bild: Elversberg fehlte vorne die Effizienz, Münster aber ebenfalls.
Vor 9828 Zuschauern im LVM-Preußenstadion begann die Partie mit einer extrem turbulenten Anfangsphase. Münster kam in den ersten zweieinhalb Minuten zu drei gefährlichen Abschlüssen, zwei davon nach einstudierten Eckballvarianten. Bereits nach 64 Sekunden musste Nicolas Kristof gegen Jorrit Hendrix eingreifen, kurz darauf half ihm bei einem abgefälschten Versuch von Luca Bolay der Außenpfosten. Der Druck der Gastgeber mündete in einem Foulelfmeter nach VAR-Überprüfung, nachdem Lukas Pinckert Luca Bolay minimal am Fuß getroffen hatte. Oliver Batista Meier scheiterte vom Punkt jedoch an Kristof, der auch beim anschließenden Eckball gleich drei Abschlüsse entschärfte.
„Die Handschuhe haben ein bisschen geglüht“, sagte Kristof später über die ersten Minuten. „Es ist normal, dass dann ein bisschen was aufs Tor kommt, dass dann so viel kam, plus Elfmeter, war nicht zu erwarten. Aber man hat gesehen, dass Münster einfach sehr gut Fußball spielen kann.“ Der Torhüter hatte bereits nach einer Viertelstunde fünf Paraden auf dem Konto – darunter den gehaltenen Strafstoß.
Elversberg überstand diese Phase und fand im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit besser in die Partie. Die Führung fiel dennoch gegen den bisherigen Spielverlauf. Younes Ebnoutalib war von Jannis Heuer leicht am Fuß getroffen worden, Schiedsrichter Felix Wagner zeigte ohne VAR-Unterstützung auf den Punkt. Ebnoutalib übernahm selbst und verwandelte sicher. Es war sein zwölftes Saisontor, mit dem er zugleich die Führung in der Torschützenliste übernahm.
Nach dem Seitenwechsel stabilisierte sich Elversberg. Münster investierte weiter viel, kam aber seltener in aussichtsreiche Abschlusspositionen. Die besseren Chancen lagen nun bei den Saarländern. Bambasé Conté hatte mehrfach die Möglichkeit, auf 2:0 zu stellen, scheiterte jedoch an Torhüter Johannes Schenk. Auch Ebnoutalib blieb gefährlich. „Gerade in der zweiten Halbzeit hatten wir dann die Chance, eigentlich den Sack zuzumachen“, sagte Kristof. „Das 2:0 haben wir aber einfach nicht gemacht.“
Trainer Vincent Wagner differenzierte den Spielverlauf. Er verwies auf die ersten zehn Minuten, die „suboptimal“ gewesen seien, danach habe sein Team zunehmend Kontrolle gewonnen. In der zweiten Halbzeit sei Elversberg die bessere Mannschaft gewesen und habe aus dem Spiel heraus die klareren Möglichkeiten gehabt. Dass diese ungenutzt blieben, habe das Spiel offengehalten.
Kurz vor Schluss bot sich Elversberg sogar noch eine große Gelegenheit: In der 87. Minute spielte Schenk einen missglückten Pass im eigenen Strafraum direkt in die Füße von Ebnoutalib, dem jedoch die Ballmitnahme misslang. „Ein, zweimal ist uns der Ball leider versprungen“, sagte Wagner. Es blieb beim knappen Vorsprung – bis zur Nachspielzeit.
Dann belohnte sich Münster für den hohen Aufwand. Nach einem langen Einwurf verlängerte Paul Jaeckel den Ball an den zweiten Pfosten, wo der eingewechselte Etienne Amenyido in der 90.+4 Minute einköpfte. Kristof fühlte sich in der Szene behindert. „Ich habe so das Gefühl gehabt, dass der Stürmer halt nur in mich reinblockt und mir dadurch die Chance nimmt, zum Ball zu gehen“, sagte er. „Wenn es nur das Ziel ist, den Torwart zu blocken, muss man da vielleicht mal was überdenken.“
Wagner gab zu, dass das späte Gegentor die Stimmung dämpfte: „Ja, schon ordentlich“. Ein Sieg wäre angesichts der ersten Halbzeit „vielleicht ein bisschen glücklich gewesen“, am Ende sei das 1:1 aber „schon auch irgendwie ein gerechtes Unentschieden“. Lob gab es vom Trainer für seinen Torhüter: „Er kann gut halten und ist mit Ball kalt wie eine Hundeschnauze. Ich glaube, er hatte nach einer Viertelstunde fünf Paraden, unter anderem einen Elfmeter. Das ist eine gute Leistung – fast eine Eins mit Sternchen.“
Auch Kristof zog trotz des Ärgers ein positives Fazit. „Aufgrund der ersten Hälfte, wenn man den Spielverlauf sieht, können wir uns nicht beschweren, dass wir hier heute ein 1:1 mitnehmen.“ Mit Blick auf die Hinrunde nach dem großen Umbruch im Sommer sprach er von einem „sehr guten“ Verlauf und betonte das klare Ziel: „Unser Ziel ist natürlich erst mal der Klassenerhalt. Alles, was darüber hinausgeht, ist Bonus.“
So endet das Fußballjahr für die SV Elversberg mit einem Remis, das sportlich einzuordnen ist – und tabellarisch umso mehr Gewicht bekommt. Mit 34 Punkten überwintert die SVE erneut auf einem direkten Aufstiegsplatz, als Tabellenzweiter einer Liga, in der ihr diese Position vor wenigen Monaten kaum jemand zugetraut hätte. Der späte Ausgleich in Münster verhinderte zwar einen Auswärtssieg, änderte aber nichts an der grundsätzlichen Einordnung dieser Hinrunde. Vincent Wagner zog entsprechend eine positive Bilanz und verwies auf den Weg seiner Mannschaft: Insgesamt sei man „sehr, sehr zufrieden“, sagte der Trainer, und ergänzte, dass ihn vor allem freue, „wie die Jungs auftreten, wie wir Fußball spielen“. Es bedeute ihm viel, „diese Jungs trainieren zu dürfen“. Nach einem Sommer des Umbruchs steht Elversberg damit zur Winterpause dort, wo viele andere Vereine gerne wären – in der Spitzengruppe der Liga, auf einem Aufstiegsplatz.