Vor 50 Jahren gelang dem 1. FC Saarbrücken der Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. Nach zwölfjähriger Zweitklassigkeit wurde 1976 die Meisterschaft gefeiert – und ein Jahr später auch der Klassenverbleib.
Der 1. FC Saarbrücken war 1963 Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga, konnte aber nach der ersten Saison 1963/64 den Abstieg aus dem Oberhaus nicht verhindern. Während der 1. FC Köln als erster Meister der neu gegründeten Bundesliga gefeiert wurde, mussten die Blau-Schwarzen abgeschlagen als Tabellenletzter den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Ein Schicksal, das der FCS mit Preußen Münster teilte. In der kommenden Saison 2026/2027 werden sich beide Vereine wieder begegnen, mittlerweile allerdings in der 3. Liga.
Damals dauerte es zwölf Jahre, bis Verein und Fans am 13. Juni 1976 die Meisterschaft in der 2. Liga und damit den Wiederaufstieg in die höchste deutsche Spielklasse feiern durften. Dieses in der Vereinshistorie wichtige Ereignis jährt sich in diesem Jahr zum 50. Mal. Aus Anlass dieses Jubiläums hatte der 1. FC Saarbrücken kürzlich alle Spieler dieser Meisterschaftsmannschaft zum vorletzten Saison-Heimspiel der 3. Liga am 2. Mai 2026 gegen Waldhof Mannheim in den Ludwigspark eingeladen. In der Halbzeitpause wurden sie vom Verein mit einem Rückblick auf ihren Erfolg vor 50 Jahren offiziell geehrt.
Zwei Spieler beim Waldlauf „verloren“
Vor Beginn der Zweitligasaison 1975/76 hat die Saarbrücker Clubführung die zuvor bewährten Zweitliga-Kräfte Norbert Sauer (Tor), Egon Schmitt, Ernst und Heinz Traser, Niko Semlitsch, Dieter Finkler, Frank Holzer, Metodija Spasovski, Luggi Denz, Felix Magath, Husnija Fazlic, Horst Bender und Wolfgang Scherer mit den Neuzugängen Dieter Ferner (Tor, RW Oberhausen), Manfred Cremer (Abwehr, Wuppertaler SV), Peter Schmidt (Sturm, Borussia Neunkirchen) und Werner Greth (Linksaußen, RW Oberhausen) verstärkt. Der vom VfL Bochum ausgeliehene Harry Fechner verließ den FCS aber kurz nach Saisonbeginn wieder, sodass der bundesligaerfahrene Vorstopper Reinhold Zech vom VfB Stuttgart nachverpflichtet wurde.
Mit ihrer Kaderplanung hatte die Vereinsführung damals ein glückliches Händchen: Alle Neuzugänge erwiesen sich als die erhofften Verstärkungen und wurden schnell zu Stammspielern. So kam das Team mit einem relativ kleinen Kader von gerade einmal 18 Spielern durch die Saison, obwohl Heinz Traser lange verletzt ausfiel und Wolfgang Scherer wegen seines Wehrdienstes nur selten zur Verfügung stand. Am Schluss stand nach 23 Siegen, elf Unentschieden und nur vier Niederlagen mit insgesamt 57:19 Punkten (es gab damals nur zwei Punkte für einen Sieg) und 66:28 Toren die Meisterschaft fest. Erfolgreichste Torschützen, die – neben Werner Greth – auch bei allen 38 Partien der Saison auf dem Platz standen, waren Felix Magath (17), Luggi Denz (12), Peter Schmidt (10) sowie Ernst Traser (5).
Das FCS-Unternehmen „Bundesliga“ startete im Juli 1975 mit einem einwöchigen Trainingslager in der schleswig-holsteinischen Sportschule Malente. Trainer Slobodan Cendic hatte dort ein strammes Konditionsprogramm zusammengestellt, so dass nach dem ersten strapaziösen Waldlauf unterwegs zwei Spieler verloren gingen und erst verspätet mit einem Taxi zur Sportschule zurückfanden. Nach drei Wochen Vorbereitung waren die Spieler aber alle topfit und fieberten dem Saisonstart entgegen.
Die Auftaktpartie endete allerdings mit einem Flop: Beim Bundesliga-Absteiger und Mit-Favoriten VfB Stuttgart (mit Ottmar Hitzfeld im Sturm) gab es ein unglückliches 0:1, wofür sich der FCS in der Rückrunde aber nach Toren von Magath, Semlitsch und Peter Schmidt (2) mit einem klaren 4:0 eindrucksvoll revanchierte. Die Auftaktniederlage in Stuttgart machten die Saarbrücker schnell mit 14 aufeinanderfolgenden Spielen ohne Niederlage wieder wett. Nur noch drei weitere Male in der Saison gingen die Blau-Schwarzen leer aus: am 16. (Schweinfurt), am 30. (Stuttgarter Kickers) und am 34. Spieltag (SV Darmstadt). Zum Abschlussspiel am 13. Juni 1976 beim direkten Verfolger Nürnberg reiste das Team mit Frauen, Kaffee und Kuchen und einem uneinholbaren Drei-Punkte-Vorsprung an und holte bei diesem „Familienausflug“ trotzdem ein 0:0-Unentschieden.
Die Mannschaft war über die Saison zu einer echten Einheit gewachsen, die auch außerhalb des Platzes harmonierte – auch dank der Hilfe der Spielerfrauen, die einen leer stehenden Raum unter der Ludwigsparktribüne in Eigenleistung zu einer Art provisorischem VIP-Raum als geselliges Zentrum umgestaltet hatten. Dort hatten die Spieler, ihre Familien und zahlreiche „Edel“-Fans nach den Spielen viel Spaß beim Feiern der Siege. Auch in den beiden folgenden Bundesliga-Spielzeiten war dieser improvisierte VIP-Raum überaus gut besucht und platzte oft aus allen Nähten.
Der Jubel über den Bundesliga-Aufstieg war im Juni 1976 in ganz Saarbrücken riesengroß. Bei einem Autokorso durch die Bahnhofstraße präsentierten sich die Meister ihren jubelnden Fans, und auch beim anschließenden Empfang durch Oberbürgermeister Oskar Lafontaine wurden die Spieler auf dem Rathausvorplatz von Tausenden Saarbrückern lautstark gefeiert. Anschließend ließen die frisch gekürten Zweitligameister die Saison zusammen eine Woche lang auf Mallorca ausklingen. Felix Magath und Frank Holzer mussten sich dort allerdings wegen ihrer Wechsel zum Hamburger SV beziehungsweise Eintracht Braunschweig von ihren Teamkameraden verabschieden. Die beiden bewährten Stammkräfte wurden in der darauffolgenden Erstligasaison allerdings stark vermisst und waren nur schwer adäquat zu ersetzen. „Trotz zufriedenstellender Ablösesummen waren diese Verkäufe aus sportlicher Sicht nicht nachvollziehbar und schon gar nicht zu verstehen!“, heißt es dazu kritisch in der FCS-Chronik „Die Molschder 1903–2003“.
Legendäres 6:1 gegen die Bayern
Nach einigen Urlaubstagen begannen die Vorbereitungen auf die Bundesligasaison im Juli mit einem Trainingslager in der Sportschule Karlsruhe-Schöneck. Der FCS startete dann im August mit einem etwas veränderten Kader in das Abenteuer Bundesliga. Die Bayern-Nachwuchsspieler Ludwig Schuster, Bernd Förster, Jürgen Marek und Fritz Kress kamen nach Saarbrücken, dazu stießen die beiden Stürmer Peter Hayduck (von Hannover 96) und der französische Nationalspieler Marc Berdoll (Angers) zur Mannschaft. Schon das Auftaktspiel im Ludwigspark gegen den VfL Bochum ging mit 0:1 verloren. Nach weiteren wenig zufriedenstellenden Auftaktpartien mit geringer Punktausbeute musste personell nachgelegt werden, zumal im Herbst Ernst Traser für mehrere Wochen mit einer Meniskusoperation und Peter Schmidt, einziger gebürtiger Saarbrücker im Team, sogar längerfristig ausfielen.
Der FCS verstärkte deshalb kurzfristig seine Offensive mit dem jugoslawischen Mittelfeld-Star und Weltauswahl-Spieler Jovan Acimovic (Roter Stern Belgrad), dem Linksaußen Roland Stegmayer (Hannover 96) und dem Mittelstürmer Harry Ellbracht (VfL Bochum). Zudem brachte im Oktober der Trainerwechsel von Slobodan Cendic zum jungen Manni Krafft die entscheidende Wende. Mit harter Hand, Beharrlichkeit und trotzdem menschlicher Nähe leitete der neue Coach eine erfolgreiche Zeit mit oft begeisternden Spielen ein, deren Höhepunkt sicherlich am 16. April 1977 das sensationelle 6:1 im Heimspiel gegen den FC Bayern München war.
Dank seiner großen Leistungssteigerung in der zweiten Saisonhälfte konnten die anfangs oft als sichere Absteiger gehandelten Malstatter schon einen Spieltag vor Bundesliga-Saisonende den Klassenverbleib feiern. Nach der folgenden Spielzeit mussten die Saarbrücker dann im Sommer 1978 aber doch wieder in Liga zwei zurück. Erst 1985 und 1992 gelang dann jeweils wieder der Aufstieg in die Bundesliga – allerdings in beiden Fällen für nur eine Saison.