Das weltgrößte Riff, wanderbarer Regenwald, faszinierende First-Nations-Kultur und eine baldige Olympiastadt voller Höhepunkte: Queensland, Australiens zweitgrößter Bundesstaat, liegt zwar weit weg, hat aber alles, was es für unvergessliche Urlaubserinnerungen braucht.
Australien ist etwa 21-mal größer als Deutschland, wow! Wer da alle Ecken und
Highlights in einer einzigen Reise abklappern will, braucht von allem unermesslich viel: Zeit, Geld, Sitzfleisch. Um Längen besser ist es da, sich auf eine Region, einen Bundesstaat, zu fokussieren. Und keiner eignet sich da besser als Queensland. Warum? Hier kommen sieben gute Gründe.
Relaxtes Reisen
Schon der Empfang ist herzlich. Am Flughafen von Brisbane grüßen Zollbeamte mit einem „G’day“, während ihr Hund am Koffer schnüffelt. Pass und (kostenlose) ETA, also die Einreiseerlaubnis, checkt ein Automat. Grimmige Immigrationsbeamte? Gewusel wie in Sydney? Fehlanzeige. Nach Brisbane reist nur ein Bruchteil der internationalen Touristen. Die werden ohnehin allerorts mit offenen Armen empfangen. Egal, ob Hotelrezeption, Bar oder Autovermietung: Überall ist der relaxte Lebensstil der Queenslander spürbar, erst recht im ländlichen Raum. Und davon gibt es reichlich, wobei es lange nicht so „leer“ ist wie etwa in Westaustralien oder im Northern Territory. Gerade an der Küste kommen immer wieder nette Klein(st)städte. Auch nett: Hektik und Grant hat der Autor auf mehreren intensiven Reisen so gut wie nie erlebt. Dafür zigmal den Ausspruch „No worries!“, dicht gefolgt von „Give it a go“ – probier’s aus! Liegen Optimismus und Lebensfreude an der (wenn auch riesigen) Insellage? An der geringen Kriminalitätsrate? An der geringen Einwohnerdichte? Fakt ist: Eigenständiges Herumreisen geht in kaum einer Region so einfach wie hier, auch dank Englisch und einer ähnlichen (Lebens-)Kultur.
Ein Wermutstropfen bleibt: Die Anreise ist lang, sehr lang. Zwölf Stunden sind es nach Singapur, der attraktivsten Verbindung, und von dort nochmal acht. Macht 16.000 Kilometer und acht Zeitzonen. Mit Premium Eco und/oder einem längeren Stopover wird die Anreise smarter.
Traumstrände, soweit das Auge reicht
Allein Queensland misst knapp 7.000 Kilometer Küste, das entspricht etwa den Küstenlängen Italiens oder der Türkei. Da findet jeder seinen persönlichen Pazifiktraumstrand, sei es der weiße Sand von Whitehaven Beach oder die erstklassigen Surfwellen an der urbanen Gold Coast. Oder wie wäre es mit einer Strandautofahrt? Möglich ist diese in Noosa North Shore. Wie auf dem unweit entfernten K’gari (bis 2023 als Fraser Island bekannt) dienen die ungemein langen Sandstrände gar als offizielle Straße. Und am 40 Kilometer langen Wegesrand findet jeder einen Spot zum Übernachten, Fischen, Baden, Müßiggang. Stark sind auch die Strände des Eurimbula-Nationalparks bei Town of 1770. Das Besondere: Diese lassen sich ausschließlich per „LARC“, einem Large Amphibious Resupply Cargo, erreichen. Bitte was? Ein Boot auf Rädern, das mal schwimmt, mal fährt – lustig. Und noch ein Tipp: Wer auf der autofreien Great Keppel Island in dem Hideaway mit Hippietouch unterkommt, kann jeden Wochentag zwei andere Strände besuchen. Das Beste: Am nahen Riff mit Schnorchel oder Tauchgerät den Meeresschildkröten und Nemos bunten Fischfreunden „G’Day“ sagen. Gut zu wissen: An manchen Stränden im Norden von Queensland sind mitunter Salzwasserkrokodile und Quallen unterwegs. Sicherheitshinweise beachten!
Staunen am weltgrößten Riff
Am Great Barrier Reef wiederum, das sich auf 2.300 Kilometer (!) Länge in einigem Abstand vom Queensland-Festland entlangzieht, muss man sich wenig Sorgen machen wegen unangenehmer Begegnungen. Im Gegenteil: Hier darf man sich auf eine großartige Unterwasserwelt (mit allein rund 1.500 Fischarten) freuen, wobei uns Tauchguide Lea erklärt hat: „Je nördlicher, desto wärmer das Wasser und desto bunter die Korallen, wo hingegen im Süden die Korallen von Natur aus dunkler sind und dafür mehr Großtiere wie Wale und Mantas unterwegs sind.“ Klasse ist der Trip nach Lady Musgrave, etwa zwei Katamaranstunden von Bargara entfernt, ein noch weitgehend „unentdecktes“ Tagesziel. Da die Insel am Südende des Great Barrier Reefs streng geschützt ist, macht das Boot an einem verankerten Ponton in der Bucht fest. Von dort geht es mit einem Glasbodenboot zu dem baumbewachsenen Naturwunder auf Korallenresten. Vom Ponton aus, der auch für Umwelt- und Schulprogramme genutzt wird, wird dann geschnorchelt und getaucht. Toll: Auch absolute Anfänger dürfen mit Flasche und Intensivbetreuung ein paar Meter in die Tiefe.
Abenteuer satt
Ein besonderes Erlebnis ist die Übernachtung auf der unbewohnten Miniinsel Lady Musgrave. Möglich macht das ein Zeltplatz mit Kompostklo. Oder wie wäre es mit einer Nacht im „Ponton-Untergeschoss“ mit Blick auf die Rifffische? Mehr Komfort verspricht das Bett an Deck – unterm Sternenzelt. Eine andere Open-Air-Action bietet das „Vertigo“ in Brisbane, eines von weltweit nur ganz wenigen „senkrechten Restaurants“. Hier werden Gäste in 17 Meter Höhe an exponierte Tische gesetzt und mit Gurten gesichert. Die Devise lautet: Seele und Beine baumeln lassen, während Kellner vom Hausdach aus mehrere Gänge servieren. Der nächste Leckerbissen für Schwindelfreie wartet flussabwärts mit dem Bridge Climb. Moment, war das nicht in Sydney? Doch, aber eben auch hier. Und mal davon abgesehen, dass sich die Brücken ähneln (was darin liegt, dass sie vom selben Architekten stammen), warten auf der Story Bridge 80 Meter über dem Fluss ebenso spektakuläre Ausblicke. Am eindrucksvollsten sind die frühmorgens, wenn die aufgehende Sonne auf die Glasfassaden der nahen Wolkenkratzer strahlt.
Unterschätzt, aber cool: Brisbane
„Brissy“ bietet noch weitere Orte, an denen Hochgefühle aufkommen. Befeuert durch die Entscheidung, dass hier 2032 die Olympischen Sommerspiele stattfinden, tut sich ohnehin enorm viel in Queenslands Haupt- und mit Abstand größter Stadt. So hat erst 2024 „The Star Brisbane“ eröffnet – ein Hochhauskomplex samt Outdoor-Bars und Promenade im 23. Stock plus einem Glasboden, durch den Mutige hinunter auf den (Verkehrs-)Fluss und das üppig-grüne Ex-Expo-Gelände gegenüber gucken können. Wer mit Justin, Chef des preisgekrönten Anbieters „Local Sauce Tours“ unterwegs ist, lernt noch viele weitere (und lustige) Facetten von Queenslands einziger Millionenstadt kennen: coole Untergrundbars wie das „Brew Café“, die Art-déco-Halle des einst vibrierenden Theaters und Straßenkunst ohne Ende: blaue Tiersilhouetten, große Murals und an Hauswände aufgeklebte Minitüren.
Outback trifft Regenwald
Australien wird gern als „roter Kontinent“ bezeichnet. Und ja, auch in Queensland gibt es viel Outback inklusive Halbwüsten, abgelegenen Farmen und Käffern mit verrückten Events wie den Boulia Camel Races mitten im Nirgendwo. Doch es ist auch überraschend grün. Das „RTL Dschungelcamp“, das jährlich im Lamington Nationalpark gedreht wird, suggeriert gar eine grüne Hölle. Selbst wenn dort neben Koalas und Sittichen aller Art – natürlich – auch Spinnen und Schlangen leben, sind wir doch überrascht, wie wenig wir davon bei Wanderungen treffen. Glück? Generell hört man wenig von Unfällen, kaum Warnungen. „No worries“, so die typische Aussie-Aussage, „einfach auf den Wegen bleiben!“ Und die sind spektakulär genug, etwa der zum Ausguck auf die aus dem steilen Grün stürzenden Wasserfälle Coomera Falls. Im tropischen Norden Queensland wartet mit dem Daintree Rainforest schließlich der weltälteste Regenwald, der mit seiner üppigen Flora und Fauna sogar als Kulisse für den Film „Avatar“ diente.
Spannende First-Nations-Kultur
Wer hat gewusst, dass die Aboriginal- und Torres-Strait-Islander-Kulturen die ältesten lebenden Kulturen der Welt darstellen? In Queensland, wo die First Nations seit über 60.000 Jahren existieren, sind sie stärker als in anderen Teilen Australiens vertreten – zunehmend auch im Tourismus. Beliebt sind kulinarische Bush-Tucker-Touren, bei denen Teilnehmer die indigene Küche, die Zutaten mit jahrtausendealter Tradition wie Wattleseed, Kängurufleisch oder Finger Limes kombiniert, kennenlernen. In Bundaberg, überregional für Rum und Macadamianüsse bekannt, kann man mit Bec und ihren Mitstreitern der Taribelang Bunda People unterwegs sein. Dabei erfährt man nicht nur etwas über Bumerang-Techniken, essbare Pflanzen, Initiationsriten und das Unrecht, das den First Nations über viele Generationen angetan wurde, sondern auch, dass sich vieles zum Besseren wendet, insbesondere der respektvolle Umgang. „Und Anerkennung ist alles, was wir wollen“, findet Bec.