Aufsteiger BFC Preussen hat den Klassenerhalt sicher. Trotz zuletzt schwankender Leistungen und einer deutlichen Niederlage gegen Babelsberg blickt der Regionalligist nach einem intensiven Programm optimistisch nach vorn und richtet den Fokus bereits auf die kommende Saison.
Vielleicht war es eine Mischung aus verschiedenen Ursachen, die Ende April zum „Systemabsturz“ beim BFC Preussen in der zweiten Halbzeit gegen Babelsberg 03 führte. Zur Pause hatte man jedenfalls noch 2:1 geführt – und musste sich letztlich noch 3:6 geschlagen geben. Für den Neuling in der Regionalliga Nordost war es die letzte Partie im zwischenzeitlichen Mammutprogramm mit 14 Begegnungen binnen acht Wochen – fünf davon wegen Nachholspielen aufgrund des harten Berliner Winters im englischen Modus. Dadurch war möglicherweise „das Fleisch“ doch etwas schwach, dazu hatte man die allerletzten Zweifel am Klassenerhalt bereits unmittelbar zuvor ausgeräumt, und der Geist war so eventuell auch nicht mehr zu 100 Prozent willig. „Wir hatten das Spiel mit dem 2:1 eigentlich gut im Griff, haben uns in der Pause auch gut gefühlt“, beschrieb Philip Fontein den Spielverlauf nach Abpfiff, „dann fangen wir uns einen Freistoß und haben so ein bisschen das Momentum verloren.“ Mit Konsequenzen: „Dann geht es auf einmal in die andere Richtung, du kriegst einen Doppelschlag innerhalb von zwei Minuten und dann steht man dann da.“ Von schweren Beinen oder einem müden Kopf also keine Rede beim Mittelfeldspieler nach der vom Resultat her eindeutigen Pleite.
Dabei hatte Trainer Daniel Volbert bereits 14 Tage zuvor nach der 0:2-Heimniederlage gegen Carl Zeiss Jena – dem fünften Spiel binnen 15 Tagen – festgehalten: „Wir pfeifen aus dem letzten Loch.“ Der Punkteschnitt der Preussen war 2026 dabei bis Ende April zumindest auf 1,29 pro Partie abgesunken – im ersten Halbjahr hatte dieser Wert noch bei 1,53 gelegen. Doch der Coach wollte das nicht nur am Kräfteverschleiß festmachen: „Wir müssen uns immer noch weiterentwickeln, sind jetzt in der Liga bekannt, uns unterschätzt niemand mehr“, führte Volbert etwa nach dem 0:1 in Zwickau fünf Tage nach dem Jena-Spiel aus. „Dann muss man hier etwas mitnehmen, ein bisschen ruhiger bleiben – aber kein Vorwurf: Wir haben gut gekämpft. Zwickau war heute einfach besser, das muss man auch mal akzeptieren.“
Insgesamt haben es die Lankwitzer 2025/26 als Aufsteiger aber zweifellos sehr ordentlich gemacht und ihr Ziel Klassenerhalt sicher und vorzeitig erreicht. Im Grunde schon seit dem 2:1-Sieg im Nachholspiel gegen den Chemnitzer FC am 8. April, als Volbert jedoch noch nicht feiern wollte: „Da muss ich jetzt wahrscheinlich ins Phrasenschwein zahlen, aber rechnerisch ist es noch möglich.“ Angesichts von 41 Punkten räumte er aber auch ein, sich nicht erinnern zu können, dass ein Club einmal mit dieser Ausbeute abgestiegen sei.
So wurde der Klassenerhalt rein vom Ablauf eine eher schmucklose Angelegenheit: einerseits wegen der Unübersichtlichkeit durch die unterschiedliche Zahl bestrittener Spiele aufgrund der erwähnten witterungsbedingten Ausfälle, andererseits in Bezug auf die Unwägbarkeit bezüglich der Anzahl der Absteiger in dieser Saison, die sich bereits durch den feststehenden Abschied von Erzgebirge Aue aus der 3. Liga auf zwei ausgeweitet hatte und im Fall des Scheiterns des Nordost-Meisters in der Aufstiegsqualifikation zur 3. Liga um einen weiteren Kandidaten erhöhen könnte.
In dieser Saison voll im Soll
So einigte man sich quasi nach dem Heimsieg gegen den FC Hertha 03 darauf, dass der Klassenerhalt endgültig sicher sei. Der 3:2-Erfolg gegen das Schlusslicht hatte dem Trainer dabei zumindest im ersten Durchgang wenig Freude bereitet: „Bis zum 1:0 spielen wir ordentlich, aber dann machen wir kapitale Fehler: alle rennen nach vorne und wollen das zweite Tor machen.“ So lag man zur Halbzeit plötzlich mit 1:2 zurück: „Das hat mich richtig wütend gemacht, das haben wir dann in der Pause auch angesprochen.“
Wer Daniel Volbert kennt, weiß, dass es dabei – anders als bei seinen stets ruhig geführten Interviews – auch mal richtig laut geworden sein dürfte. Letztlich ist man als Aufsteiger aber eben immer noch Lehrling und spielt bisweilen „wie eine Schülermannschaft“ (Volbert) – wobei er sich auf die immer noch phasenweise fehlende Abgeklärtheit, aber hin und wieder auch die mangelnde Chancenverwertung bezieht.
Besonders gefallen haben dürfte ihm so die Phase im September/Oktober, als man nach Auf und Ab zum Saisonstart vier Partien ungeschlagen blieb und bei insgesamt 3:1 Toren acht Punkte holte. Mit dieser Mini-Serie meldete sich Preussen erstmals in der neuen Liga richtig an – besonders bei den Zu-Null-Siegen gegen Ligagrößen wie den Halleschen FC (1:0), Lok Leipzig (2:0) oder Rot-Weiß Erfurt (1:0) haben die „Adler“ obendrein bewiesen, was möglich ist. Konstanz aber ist im ersten Jahr in einer neuen Spielklasse wie der Regionalliga Nordost, das weiß auch der erfahrene Trainer, natürlich nicht vorauszusetzen.
Insofern ist man an der Malteserstraße in dieser Saison voll im Soll – allerdings ist Preussen auch kein Neuling gewesen wie etwa 2024/25 der FC Hertha 03, der als Abstiegskandidat Nummer eins doch die Klasse hielt. Dafür kann man einfach mit einem ganz anderen finanziellen Background operieren, verpflichtet eine Reihe Spieler mit Regionalligaerfahrung und arbeitet größtenteils unter Vollprofibedingungen.
Noch im Winter wurden aus dem großen Kader einige wieder abgegeben und dafür vielversprechende Ergänzungen hinzugeholt, die bereits gute Ansätze zeigen konnten. So bringt es etwa Philipp Kühn inzwischen schon auf drei Tore (dabei jeweils eins in den letzten zwei Partien), kam Luca Butkovic (2 Tore) in jedem Pflichtspiel 2026 zum Einsatz und feierte der eher als Ergänzungsspieler gedachte Kanto Voahariniaina gegen seinen Ex-Klub FC Hertha 03 das erste Joker-Tor.
Denn der Aufstieg des BFC Preussen in die Viertklassigkeit soll nicht das Ende sein: Schon kommende Spielzeit, wenn der Nordost-Meister nach drei Jahren wieder turnusgemäß direkt aufsteigen darf, will man vorne ein Wörtchen mitreden. Gut, dass man da durch den zeitig gesicherten Klassenerhalt in Ruhe planen kann – mit Schlüsselspieler Lenny Stein wurde dabei bereits verlängert, weitere Spieler und auch das Trainerteam sollen folgen. Daniel Volbert freut sich jedenfalls schon: „Durch die Ligawechsel ging es ja im Sommer immer ein bisschen hektisch zu, jetzt können wir endlich auch mal eine lange Pause machen – das wird uns allen guttun.“