Marc Burwig geht mit großer Leidenschaft auf Gold-suche. Im Verein Deutsche Goldsuchervereinigung e. V. engagiert er sich für die Einhaltung der geltenden Goldsuch-Richtlinien sowie für den Schutz der Umwelt und nimmt weltweit an Goldwasch-Wettbewerben teil.
Herr Burwig, kann man durch Goldsuchen reich werden?
Um mit der Goldsuche Geld zu verdienen, muss man sehr, sehr viel Material bewegen. Hobbysucher in Deutschland schaffen es nicht, damit Geld zu verdienen. Mit dem Gold, das ich selbst gefunden habe, habe ich gerade mal meine Ausrüstung gegenfinanziert: eine Schaufel, alle meine Siebe und fünf Eimer. Für ein Gramm Gold brauchen wir vier bis fünf Wochenenden mit je zwei vollen Arbeitstagen. Zieht man die Fahrtkosten ab, ist das Goldsuchen in Deutschland ein Zuschussgeschäft.
Trotzdem betreiben Sie Ihr Hobby mit Begeisterung seit fast zehn Jahren. Warum?
Das Finden von Gold kann man kaum beschreiben. Das ist ein wirklich tolles Gefühl, und die Jagd nach diesem Gefühl ist meine Motivation. Auch wenn mir von meiner letzten Suche immer noch der Rücken wehtut. Ich würde nie auch nur einen einzigen Krümel des Goldes, das ich gefunden habe, zu Geld machen.
Was war Ihr wertvollster Fund?
Das war für mich mein allererstes in Deutschland gefundenes Nugget. Dieses war 0,26 Gramm schwer, also etwa ein Drittel Gramm. Gefunden habe ich es 2018 in Thüringen. Heutiger Goldwert: 20 Euro. Aber für mich ist es unbezahlbar. Es ist jetzt verarbeitet in einem Schmuckstück für meine Frau. Der ideelle Wert ist nicht zu beziffern. In unserer Goldwäscherkarriere haben meine Frau und ich seit 2018 ungefähr zehn Gramm Gold gefunden.
Sie sind im erweiterten Vorstand der Deutschen Goldsuchervereinigung. Was ist der Zweck dieses Vereins?
Als Pressewart kümmere ich mich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Vereinigung gibt es seit den 1990er-Jahren und sie hat aktuell etwa 270 Mitglieder, Tendenz steigend. Es geht um zwei Aspekte: das „Prospektieren“, also das Goldsuchen draußen in der Natur. Dort Goldvorkommen und Lagerstätten aufspüren. Und es geht ums „Beproben“, so nennen wir das Sammeln von Proben. Aber das Aufspüren ist das wirklich Spannende.
Darf jeder Gold suchen? Wie sind die gesetzlichen Voraussetzungen?
Sofern es sich aufs Goldwaschen, wie wir es betreiben, in Flüssen und Bächen bezieht. Goldsuche ist eigentlich nicht verboten. Es ist vergleichbar mit dem Sammeln von Steinen und Mineralien. Bei beiden Aktivitäten gibt es Einschränkungen: nicht in Naturschutzgebieten, nicht auf Privatgelände. In einigen Gewässern gibt es konkrete Goldwaschverbote. Zudem gilt es, mögliche Interessenkonflikte zu beachten, mit anderen Nutzern der Natur wie Anglern oder Jägern.
Wie geht man beim Goldsuchen vor? Braucht man ein goldenes Näschen?
Es bedarf viel Recherche, bevor man loszieht. Wir benutzen unter anderem geologische Karten. Bei manchen geologischen Formationen, sprich Gebirgen, kommt aufgrund geologischer Bedingungen Gold vor. Und es gibt Gewässerverläufe, in denen Gold vorkommt. Die suchen wir in der entsprechenden Literatur, die dazu relativ exakte Beschreibungen liefert: Das kann auch ein ausgetrocknetes Bächlein an einem Hang im Nirgendwo sein, das seit 200 Jahren niemand beachtet hat. Und das gilt es zu finden.
Und wenn Sie Gold gefunden haben, müssen Sie dann einen Claim abstecken, wie wir das alle aus Wildwestfilmen kennen?
Nein, das Bächlein ist dann Allgemeingut. Und wenn jemand direkt neben Ihnen anfängt zu suchen, hat er das Recht, genau wie Sie, dort zu waschen. Was man unter Goldsuchern nicht tut, ist, sich vorzudrängeln und andere zur Seite zu schieben. Da haben wir Anstandsregeln.
In anderen Ländern kann man Rechte erwerben. Oder?
In Finnisch-Lappland, wo meine Frau Sandra und ich letztes Jahr lange unterwegs waren, können Sie Claims eintragen und Abbaugenehmigungen erteilen lassen, dann haben Sie die offizielle Erlaubnis, exklusiv in diesem Gebiet zu suchen. Und so läuft es auch in den USA oder Australien. Bei uns gibt es das aber nicht.
Wie steht es mit Abgaben und Steuern?
Das Gold, das man findet, darf man behalten. Denn es handelt sich nicht um kommerziellen Abbau. Der Handel mit Gold ist von der Umsatzsteuer befreit.
Was benötigen Sie an Ausrüstung und was kostet die?
Die Minimalausrüstung sind eine Schaufel, ein Sieb und eine Goldwaschpfanne.
Goldsuchen ist auch ein Sport, in dem sogar Europameisterschaften und Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Wie läuft das ab?
Anders als die Fußballer ist das Nationalteam der deutschen Goldwäscher im Sommer in Spanien Weltmeister geworden. Bei den Wettkämpfen bekommt man einen Eimer Material mit Sand, Steinen und einer vorher abgezählten Anzahl von Goldflittern, so nennen wir ein etwa 3×2 Millimeter großes Goldteilchen. Wer mit seiner speziellen Waschpfanne am schnellsten die meisten Goldflitter findet, hat gewonnen.
Ihre Frau ist Vorsitzende in der Deutschen Goldsuchervereinigung. Suchen Frauen anders Gold als Männer?
Ja, das würde ich schon sagen. Wir haben zwar mehr Männer im Verein, die aktiv in der Natur suchen wollen und dort körperliche Vorteile haben. Aber im Wettkampfsport haben wir ausgeglichene Geschlechteranteile. Und hier gibt es praktisch keine Leistungsunterschiede. Es geht um die beste Technik.
Was ist die beste Technik? Wie genau wäscht man Gold?
Die Methode ist seit Tausenden Jahren unverändert: Sie nehmen das Sediment aus der Erde oder aus dem Bach und geben es in das Sieb. Kontrollieren dann zur Sicherheit kurz, ob Ihnen schon ein Nugget entgegenleuchtet. Das passiert selten und nur den Glückspilzen. Nachdem die größeren Steine mit dem Sieb aussortiert sind, wäscht man in der Pfanne aus, das heißt, man schüttelt kräftig und durchmischt das Material dabei mit Wasser. Das Gold bewegt sich ob seiner physikalischen Dichte an den Pfannenboden. Das leichtere Material bleibt oben oder am Pfannenrand. Die Pfanne halten Sie leicht schräg und waschen das obere Material weg.
Das machen Sie mehrmals, bis noch etwa ein Esslöffel Material am Pfannenboden bleibt. Und das spült man ganz vorsichtig durch, und mit etwas Glück zeigt sich dann Gold.
Beschreiben Sie diesen Glücksmoment.
Es ist ein kleines Wunder, wenn sich Gold unten am Pfannenboden sammelt. Gold ist etwa zweieinhalbmal schwerer als Eisen. Deswegen muss man gar nicht verbissen auf die Pfanne starren. Das konzentrierte Waschen bewegt das Gold nach unten und es bleibt am Pfannenboden liegen. Goldwaschanfänger können es kaum glauben. Das muss man erleben.
Es gibt Goldsucher, die wenig Respekt haben vor der Natur. Was haben Sie da erlebt?
Manche Youtuber machen Videos, die dir vormachen, dass man mit Goldsuchen reich werden kann. Das löst dann wie 2004 in Thüringen eine Art Goldrausch aus, mit verheerenden Folgen für die Umwelt und die Anrainer. Ganze Bäche werden umgegraben, Bäume entwurzelt, Straßen untergraben, motorbetriebene Maschinen und Pumpen eingesetzt. Obwohl das alles verboten ist. Im Hunsrück, ein paar Jahre später, war es so heftig, dass die örtlichen Behörden ein Goldwaschverbot für bestimmte Gewässer aussprechen mussten.
Wie kann die Goldsuchervereinigung hier gegensteuern?
Wir machen Öffentlichkeitsarbeit und wollen das verantwortungsbewusste Goldsuchen auch neuen Mitgliedern und einem Nachwuchs nahebringen. Mit einem Hintergedanken: Wenn man die Natur selbst erlebt, dann schützt man sie eher. Und: Wir sind vorsichtig und relativ verschwiegen mit Fundorten – vergleichbar mit Pilzsammlern. Zieht die Information weitere Kreise, wird es oft problematisch, weil es dann häufig Umweltprobleme zur Folge hat. Wir vom Verein haben ein sehr ausgeprägtes Umweltbewusstsein und versuchen, die Suchstellen so zu verlassen, wie wir sie vorgefunden haben.
Man spricht oft vom Goldfieber – ist Goldsuchen eine Sucht?
Wenn man das Gold zu Hause im Röhrchen betrachtet, es schüttelt, es glänzt, und man hört es tatsächlich klimpern. Ja, wirklich. Gold macht ein eigenes Geräusch. Das hat etwas extrem Motivierendes, etwas Therapeutisches. Dass die Menschen seit Jahrtausenden nach Gold suchen, liegt, glaube ich, nicht an seinem Geldwert. Denn holt man das Gold aus der Pfanne, ist es, als ob man eine kleine Sonne in der Hand hält.