Die Versorgung der Kinder, Pflege der Eltern, Zeit fürs Ehrenamt – Martina Koch setzt sich bei der Saarland Heilstätten GmbH seit vielen Jahren für die Mitarbeiter in Sachen Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf ein. Und hat dafür einen bundesweiten Preis erhalten.
Hohe Auszeichnung für Martina Koch: Für ihren langjährigen Einsatz für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde der Mitarbeiterin der Saarland-Heilstätten GmbH (SHG) im September der Vereinbarkeits-Award 2025 verliehen – in der Kategorie „Ambassador“. Als „Botschafterin“ – so die Übersetzung – hat sie viele Menschen in Deutschland für das Thema sensibilisiert. Wer sich mit Fragen der Vereinbarkeit beschäftigt, kennt die engagierte 61-Jährige aus dem Saarland. Dazu gehören auch die Juroren der Organisationen, die den Preis zum ersten Mal vergeben haben: der Bundesverband Vereinbarkeit, das Väternetzwerk Conpadres und das Mütternetzwerk Conmadres. Aus gesundheitlichen Gründen konnte Martina Koch den Preis in Frankfurt am Main nicht persönlich in Empfang nehmen, sie verfolgte die Verleihung aber live am Handy. Fünf Kandidaten waren nominiert. Als Koch hörte, dass sie gewonnen hatte, war sie überglücklich. „Ich bin vor Stolz fast geplatzt“, verrät die Saarbrückerin. Kollegin Dorothe von Waldow, die den Preis stellvertretend entgegennahm, konnte ihr die Urkunde nun persönlich überreichen. Nach einer Chemo- und Bestrahlungstherapie befindet sich Koch noch in der Genesungsphase.
Hilft auch bei der Wohnungssuche
Laudator Frank Rusko, Diversity Manager beim ZDF, verglich sie bei der Ehrung in Frankfurt mit einer guten Schreinerin: Sie habe immer den richtigen Bohrer zur Hand, um auch dicke Bretter zu bearbeiten. Außerdem würdigte er ihren langen Atem. Seit fast 20 Jahren beschäftigt sich die gelernte Versicherungskauffrau mit dem Thema Vereinbarkeit, davon 15 Jahre bei ihrem jetzigen Arbeitgeber Saarland Heilstätten GmbH (SHG). Als sie bei dem Klinikträger anfing, beschränkte sich die Problematik noch auf die Betreuungsverantwortung für Kinder. Koch erkannte schnell, dass die Mitarbeitenden auch die private Pflege von Familienmitgliedern belastet. Was mache ich während meiner Schicht mit dem Vater, der im Rollstuhl sitzt? Wer hilft ihm im Haushalt, wenn ich nicht da bin? Im Laufe der Zeit entdeckte Koch immer mehr Hürden, die Klinik-Angestellte Zeit kosten und die verhindern, dass sie während ihrer Arbeit den Kopf freihaben. Auch deshalb wurde die von ihr geleitete „Servicestelle Familie und Beruf“ in diesem Jahr in „Servicestelle für Mitarbeitende“ umbenannt.
An den SHG-Kliniken Sonnenberg in Saarbrücken hält Koch den Kolleginnen und Kollegen nicht nur bei Pflegefragen den Rücken frei, sie unterstützt sie auch bei der Wohnungssuche. Neuen Mitarbeitern, die ins Saarland gezogen sind, steht sie ebenfalls mit Rat und Tat zur Seite. Etwa wenn sich der Lebenspartner am neuen Wohnort noch nicht wohlfühlt. Vielleicht findet sich ja ein Verein, in dem er seinem Hobby nachgehen kann. Die Vereinbarkeit von Beruf und Ehrenamt gewinnt ebenfalls an Bedeutung. Etwa für den Jugendtrainer, der vor seiner Jobzusage sicher sein möchte, dass er jeden Donnerstag um 17 Uhr auf dem Fußballplatz stehen kann. Hier gilt es, zu sensibilisieren. Martina Koch beschäftigt sich auch mit der Frage, wie der technische Fortschritt und Künstliche Intelligenz zukünftig die Pflege erleichtern können – etwa durch Roboter, die Senioren im Haushalt unterstützen. Die „Referentin für Lebensphasen und Unternehmenskultur“ sieht sich als Lotsin, die Lösungsmöglichkeiten aufzeigt. Und die Kontakte herstellt. Zu externen Netzwerken oder einfach zu einem örtlichen Lebensmittelhändler mit Lieferdienst. Oder zu einer Hundetagesstätte, die sich um den Vierbeiner kümmert. Zufriedene Mitarbeiter seien eine Voraussetzung für zufriedene Patienten und deren Sicherheit, schreiben die SHG-Kliniken Sonnenberg auf ihrer Homepage. Gute Ärzte und Pflegekräfte werden gesucht. Wer sie für sich gewinnen möchte, muss ihnen mehr bieten als nur ein gutes Gehalt.
Martina Koch macht ihre abwechslungsreiche Arbeit viel Freude, sie ist mit Herzblut bei der Sache: „Es ist für mich Berufung.“ Dabei muss sie das Rad nicht neu erfinden. Oft gelingt es ihr, vorhandene Expertisen zu verknüpfen und so Strukturen zu schaffen: Die Klinikseelsorge zum Beispiel kann in manchen Fragen mit dem Schwerbehindertenbeauftragten zusammenarbeiten. Auf Kochs Initiative gibt es an dem Krankenhaus jetzt auch einen Väterbeauftragten. „Väter in Elternzeit finden nicht immer Verständnis im beruflichen Umfeld“, weiß die Fachfrau. Nicht nur die Benachteiligung wegen des Geschlechts, sondern auch die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung sollen bei der SHG keinen Platz haben – weder in der Belegschaft noch beim Umgang mit den Patienten. Deshalb unterstützt Martina Koch die „LGBTQIA+“-Kontaktstelle: Eine Expertin berät nun zu Themen wie „Mobbing“ oder „Coming-out am Arbeitsplatz“. Auch wenn ihre Servicestelle nur aus einer Person besteht – Martina Koch ist keine Einzelkämpferin. Ständig tauscht sie sich mit Partnern aus. Mit dem „Bundesverband Vereinbarkeit“ und den „Lokalen Bündnissen für Familie“ arbeitet sie ebenso eng zusammen wie mit dem Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“, der „Charta der Vielfalt“ und dem Netzwerk „Starke Arbeitgeber“.
Kampf gegen bürokratische Hürden
Natürlich lassen sich nicht alle ihre Ideen umsetzen oder langfristig nutzen. Bei einer Kooperation mit einer Organisation im Bereich haushaltsnaher Dienstleistungen zeigte sich nach einigen Jahren, dass die Kosten aus dem Ruder liefen. Auch wenn das Projekt deshalb gestoppt wurde, so ist sich Koch doch sicher: „Die Idee war klasse.“ Rückschläge entmutigen sie nicht. Auch weil sie weiß, dass sie von der Verwaltungsspitze unterstützt wird. „Das Vertrauen ist immer da“, versichert Koch. Wie angenehm es ist, bei einem familienfreundlichen Unternehmen zu arbeiten, merkte sie auch schon selbst: In einer Phase, in der sie sich um ihre Enkelkinder kümmerte, konnte sie ihre Arbeitszeit flexibel einteilen. Zurzeit setzt sich Koch gemeinsam mit der Verwaltungsdirektion für die Schaffung einer betrieblichen Kinderbetreuung im Krankenhaus ein. „Die Weichen sind gestellt“, sagt sie mit Blick auf das angestrebte Mehrgenerationenhaus. Bis zur Umsetzung müssen allerdings noch viele bürokratische Hürden aus dem Weg geräumt werden. Aber im Bohren dicker Bretter ist Martina Koch ja sehr erfolgreich.