Mit „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“ hat Steven Spielberg sein Alterswerk vorgelegt und greift eines seines Lieblingsthemen auf: Aliens. Diesmal ist die Begegnung der dritten Art allerdings weniger unheimlich, sondern eher märchenhaft.
Wenn die Aliens kommen – ich bin da“, sagte Steven Spielberg vor Kurzem in der letzten Sendung des amerikanischen Late-Night-Hosts Steven Colbert. Und wenn man sich Spielbergs umfangreiches Film-Œuvre anschaut, hat man tatsächlich den Eindruck, dass die Alien-Thematik wohl unangefochten eines seiner Lieblingssujets ist.
Mit „Die unheimliche Begegnung der dritten Art“ fing es schon vor Jahrzehnten, 1977, an, dann folgten „E.T. – Der Außerirdische“ (1982) und „Krieg der Welten“ (2005) – und in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ (2008) können Indy und seine Freunde am Schluss sehen, wie aus dem einstürzenden peruanischen Tempel ein Raumschiff aufsteigt.
Emapthie und Nächstenliebe
„Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“ – aktuell im Kino – beginnt damit, dass der Cyber-Spezialist Daniel Keller (Josh O’Connor) auf der Flucht ist. Er hat bei seinem Arbeitgeber, der US-Geheimorganisation Wardex, hochbrisante Alien-Aufnahmen geklaut, die – so scheint es zumindest – beweisen, dass Aliens existieren, sogar schon mehrmals die Erde besucht haben. Daniel will die-se Dokumente nun – ganz in der Manier des Whistleblowers Edward Snowden – der Öffentlichkeit zugänglich machen. Ihm auf der Spur ist der Wardex-Chef Noah Scanion (Colin Firth), der das natürlich unbedingt verhindern will. Daniel gelingt es immer wieder, den Wardex-Schergen zu entkommen. Mit seiner Freundin Jane Blankenship (Eve Hewson), einer ehemaligen Nonne, findet er vorübergehend Unterschlupf in einem Kloster. Spielberg inszeniert diese Paranoia-Hatz routiniert, mit allen bekannten Versatzstücken des Thriller-Genres: Grimmig blickende Männer in schwarzen Anzügen mit schwarzen Sonnenbrillen jagen in schwarzen Limousinen dem flüchtigen Pärchen hinterher. Zur selben Zeit steht die Fernsehmoderatorin Margaret Fairchild (Emily Blunt) bei einem Provinzsender vor der Kamera, um den Wetterbericht anzusagen. Doch aus ihrem Mund kommen nur seltsame Klick-und-Klack-Laute. Margaret, die schon früher am Tag völlig unvermittelt fließend Russisch und Koreanisch gesprochen hat – ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein – , ist überrascht, dass die Sendung plötzlich abgebrochen wird. Doch die paar Minuten, die gesendet wurden, gehen viral. Und so wird auch Scanion auf den Vorfall aufmerksam. Ihm ist klar: Margaret spricht Alien! Margaret kollabiert nach dem mysteriösen Auftritt und wird für Untersuchungen ins Krankenhaus eingeliefert. Dort warten schon die Wardex-Agenten auf sie, denen sie aber knapp entkommen kann. Scanion lässt sich inzwischen an eine Maschine anschließen, die ihm telepathische Fähigkeiten verleiht, und stellt so – mittels einer Hologramm-Projektion – eine psychische Verbindung zu Jane her. Wichtigster Bestandteil dieser Aktion ist ein mysteriöses Artefakt, das, in der Hand gehalten, wahre Mirakel vollbringen kann. In dem Motel, in dem sich Daniel und Jane versteckt halten, werden sie schließlich von Scanion und seinen Männern aufgespürt. Jane kann mit den Alien-Dokumenten fliehen, Daniel wird gefasst. Margaret hat unterdessen Visionen, die sie sich selbst nicht erklären kann, denen sie aber wie unter Hypnose folgt.
Wie Spielberg Daniel und Margaret zusammenführt und wie er sie schließlich gemeinsam die Wardex-Verschwörung aufdecken lässt, ist Action-Kino vom Feinsten. Der spektakuläre Höhepunkt ist eine atemberaubende Sequenz, in der sich Daniel und Margaret in allerletzter Sekunde aus einem Auto befreien, das sich in einen dahinrasenden Zug verkeilt hat, dem donnernd ein anderer Zug auf dem Parallelgleis entgegenkommt. Unsere Helden bleiben heil – ihr Auto wird in tausend Stücke zerfetzt.
Das große Finale findet dann – und das ist kein Scherz – in Margarets Kinderzimmer statt, das Daniels Mitstreiter in einer Lagerhalle nachgebaut haben. Und hier sind wir dann im Inner Sanctum von Spielberg: einer Kindheit voller Wunder. Um den Showdown nicht zu spoilern, wollen wir hier nicht weiter ins Detail gehen. Die Botschaft des Films – nach dem „Evangelium von Spielberg“ – ist wohl, dass die Menschheit nur durch Empathie und Nächstenliebe gerettet werden kann. Und dass ihr dabei vielleicht sogar eine friedensstiftende, extraterrestrische Intelligenz zu Hilfe kommen könnte. Der Film schlägt dabei auch immer wieder religiöse Themen an. Jane zum Beispiel hat große Zweifel, ob die Menschen eine so epochale Offenbarung überhaupt mental verkraften können. Dass wir nämlich im weiten Universum nicht alleine sind. Und würde dadurch nicht sogar Gott obsolet werden?