Im Eppelborner Ortsteil Dirmingen befindet sich auf 60.000 Quadratmetern das ganzjährig geöffnete Freizeitzentrum Finkenrech – eine vielseitige Gartenanlage, die vor allem in den vergangenen Jahren durch Social-Media-Posts von Besuchern einem größeren Publikum bekannt wurde.
Auf Finkenrech lässt sich wunderbar die Pflanzenwelt erkunden und allerlei Inspiration für die Gestaltung des eigenen Gartens aufsaugen. Oder einfach nur entspannen – sei es durch die einzelnen Bereiche schlendernd oder indem man es sich nach einem stressigen Arbeitstag zwischen bunten Blüten und außergewöhnlichen Bäumen auf einer Bank in seiner Lieblingsecke gemütlich macht. Vielleicht mit einem guten Buch oder auch einfach nur, um im Moment zu verweilen. Auch für Kinder gibt es vieles zu entdecken, etwa zwei Spielplätze inklusive barrierefreier Elemente. Wanderer finden einige schöne Touren. Kulinarik-Liebhaber können sich nach einem Spaziergang durch die Gärten im Restaurant „Botanico“ niederlassen.
Wenn man ganz genau hinschaut, entdeckt man auf den Blüten, in den Ästen, auf dem Boden und in der Luft unterschiedliche Tierarten. Etwa diverse Schmetterlingsarten, Bienen, Käfer, Libellen, Eidechsen, Ringelnattern oder Eichhörnchen. In den heißen Sommermonaten kann man die possierlichen, an Kolibris erinnernden Taubenschwänzchen auf dem hier üppig wachsenden Eisenkraut beobachten. Wie der Name vermuten lässt, war der Finkenrech traditionell ein Paradies für Finken und Hasen. In Gehegen leben vom Aussterben bedrohte Haustierrassen – darunter Poitou-Esel, Ouessantschafe, Zackelschafe und Walliser Schwarzhalsziegen. Wenn man seinen Blick auf Details richtet, entdeckt man fast bei jedem Besuch im Finkenrech wieder etwas Neues. Sei es, dass stets andere Blumen und Sträucher blühen oder dass man eine kleine, bislang noch unbekannte Nische oder ein dekoratives Element findet, das einem zuvor noch nicht aufgefallen ist.
Die Anlage besteht aus mehreren Themengärten. Im oberen Teil liegt das sogenannte Gartenzimmer als einladendes Entree, es folgen die Staudenstraße mit ihren jahreszeitlich wechselnden Farben, die Kletterrosenstraße mit englischen Ramblerrosen und die Picknickwiese. Auf ihr finden sich einige besonders seltene und imposante Bäume – etwa ein Mammutbaum, ein Taschentuchbaum, ein Blauglockenbaum, ein Lebkuchenbaum, ein Tulpenbaum und ein Amberbaum. „Der Amberbaum wird auch Kaugummibaum genannt, da sein Saft in den USA früher zur Kaugummiherstellung genutzt wurde“, erklärt mir Agnes Schmal, Gästeführerin auf Finkenrech. Man merkt ihr ihre Begeisterung und ihr großes Wissen gleich an, wenn sie von den unterschiedlichen Pflanzen und Bäumen erzählt. Die gelernte Industriekauffrau nutzte ihre Elternzeit für Ausbildungen zur Gartenführerin und hat längst ihr Hobby zum Beruf gemacht. Seit 2011 ist sie als Gästeführerin oder Gartenführerin bei der Tourismus- und Kulturzentrale des Landkreises Neunkirchen (TKN) angestellt und für unterschiedliche Führungen und Workshops auf Finkenrech zuständig.
Asiatischer Garten mit vermischten Elementen
Neben den im Sommer prächtig blühenden Waldhortensien gelangt man zum Asiatischen Garten. „Im Gegensatz zu europäischen Ländern hat man in Asien keine durchgehend blühenden Rabatten. Es muss nicht das ganze Jahr über bunt sein“, erläutert Agnes Schmal. „In japanischen Gärten sind Landschaften im Miniaturformat angelegt. Chinesische Gärten setzen meist deutlich mehr dekorative Elemente ein und repräsentieren Macht und Reichtum. Unser Asiatischer Garten vermischt japanische sowie chinesische Elemente.“ Das Konzept des Asiatischen Gartens auf Finkenrech besteht aus vier kleinen Themengärten: dem Zen- beziehungsweise dem Kiesgarten, dem Teichgarten, dem Landschaftsgarten und dem Bambushain. Die Bepflanzung des Gartens symbolisiert den Wechsel der Jahreszeiten: Die japanischen Kirschbäume und die Azaleen stehen für das Frühjahr; die Rhododendren und Lilien für den Sommer; die bunte Färbung der verschiedenen Ahorne für den Herbst und die schneebedeckten Kiefern für den Winter. Hier herrscht eine Atmosphäre der Klarheit und Beständigkeit. Durch das Plätschern des Wasserfalls im Teichgarten und das sanfte Rascheln der Blätter bei Wind entsteht eine geradezu meditative Ruhe.
Üppige Rosenpracht erstrahlt im Sommer
Auch im Herbst zeigt sich der Finkenrech von seiner blühenden Seite: Zwischen den Beeten leuchten Astern, Fetthenne, Eisenkraut und Lampionblumen neben den farbigen Fruchtständen des Aronstabes. Während einige Rosenarten noch bis zum ersten Frost blühen und mit ihren Hagebutten nicht nur zieren, sondern auch den Vögeln Nahrung bieten, verzaubern Spätblüher wie der Losbaum oder der Sieben-Söhne-des-Himmels-Strauch das Auge und dienen Insekten als wertvolle Nektarquelle. Ergänzt wird dieses herbstliche Bild von der Dreiblättrigen Zitrone, auch Bitterorange genannt, deren gelbe Früchte zwar ungenießbar, dafür aber umso dekorativer sind und herrlich duften. Wenn im Spätherbst langsam die bunten Blüten verschwinden, zieht es viele Besucher vor allem in den Asiatischen Garten. Einige Bäume hier weisen eine außergewöhnlich schöne Rinde auf, etwa der Zimtahorn oder der Schlangenhaut-Ahorn, die auch ohne Belaubung im Winter punkten. Bei günstigem Wetter blühen schon ab Dezember die Christrosen und der Winterschneeball, Ende Januar läuten die Schneeglöckchen den Vorfrühling ein.
Im unteren Bereich des Finkenrechs erstreckt sich der stimmungsvolle Rosengarten in Form einer langstieligen Rose. In ihm sind verschiedenen Rosenarten thematisch geordnet. Ein Feld enthält nur englische Rosen, eins nur französische, in anderen erblühen zur Sommerzeit Damaszener-Rosen oder alte Rosenarten. Hier ist die Mischung aus Beet- und Edelrosen, Kletterrosen, Wildrosen und historischen Arten ganz besonders. In der Pflege ist die üppige Rosenpracht während des Sommers tatsächlich recht unkompliziert. Da Gartenrosen Tiefwurzler sind, muss man sie nicht gießen. Der Landkreis Neunkirchen ist übrigens Deutschlands erster und bisher einziger Rosenkreis und verfügt daher auch über eine eigene Rosenzüchtung: Die Rose „Rosenkreis Neunkirchen“ ist zur Zeit der Rosenblüte natürlich auch vor Ort zu sehen. Auch die Begleitstauden in den unterschiedlichsten Farben mit all ihren betörenden Düften lassen den Rosengarten im Sommer zu einem bunten Paradies der Sinne werden. Bänke und der romantisch anmutende Pavillon laden zum Verweilen ein.
An den Rosengarten schließen sich ein Arzneipflanzengarten und ein Bauerngarten an. Im Arzneipflanzengarten mit rund 140 Arten kann man überwiegend Pflanzen entdecken, deren Teile oder Wirkstoffe über eine nachgewiesene lindernde oder heilende Wirkung verfügen und die auch in Apotheken erhältlich sind. Darunter etwa Kamille, Schafgarbe, Baldrian, Beinwell, Herzgespannkraut, Mädesüß, Mönchspfeffer oder Aloe Vera. Auch giftige Pflanzen wie die Eibe, der Stechapfel oder das Bilsenkraut tummeln sich in den Beeten. Die Eigenschaften der Pflanzen werden auf Tafeln beschrieben.
Der Bauerngarten gliedert sich in ein Beet mit Küchenkräutern und Teepflanzen, dominiert von einem großen Szechuanpfeffer-Strauch, hat verschiedene Hochbeete und einen klassischen Gemüsegarten. Seine vier Felder werden jährlich mit wechselnden Gemüsen und Salaten bepflanzt. Umfasst sind sie mit einem Staketenzaun und Stauden, wie man sie von der Großmutter kannte, die Wege mit alten Pflastersteinen befestigt.
Die Gartenanlage auf Finkenrech startete in den 1970er-Jahren als Schaugarten, wobei nur der obere Teil, das heutige Gartenzimmer, genutzt wurde. Gartenfreunde legten die ersten Pflanzen an und pflegten das Gelände ehrenamtlich. Nach und nach entstanden die verschiedenen Themengärten sowie Bestände an Pflanzen und Bäumen. Heute ist die Tourismus- und Kulturzentrale des Landkreises Neunkirchen der Träger, für die Gestaltung und Pflege ist das Kreisumweltamt Neunkirchen zuständig. Unter Abteilungsleiter und Chef-Gärtner Oliver Martin kümmern sich seit zwölf Jahren drei Vollzeit-Gärtner um die Gartenanlage. Das Freizeitzentrum Finkenrech ist Mitglied in „Gärten ohne Grenzen“.
„Bienenreise“ eignet sich für die ganze Familie
Für alle, die die Themengärten etwas besser kennenlernen möchten, bieten sich Führungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Interessen an. Daneben stehen auch Workshops zu Themen wie Naturkosmetik, Essig und Öl oder Räucherwerk zur Auswahl. Auch für Kinder gibt es viele Programme. Die Kleinen können etwa unter Anleitung ein eigenes Schmetterlingshaus oder mit einem Imker zusammen ein eigenes Bienenhotel bauen, den Wald entdecken und aus den gesammelten Baumaterialien kreative Kunstwerke entstehen lassen oder auch sich auf eine Fledermaus-Wanderung begeben, bei der man viel über diese Tierart lernt. Auch der Wanderweg „Bienenreise“, auf dem man an mehreren Stationen mehr über die Bedeutung der Bienen erfährt, eignet sich für Familien mit Kindern.
Beliebt bei den Besuchern sind der Frühlingsmarkt zum Start in die Gartensaison, die Picknick-Konzerte im Sommer und der Herbstmarkt als Abschluss der Erntezeit. Am 19. und 20. September (11 bis 18 Uhr) ist wieder Zeit für den großen Herbstmarkt „Herbst auf Finkenrech“ mit rund 60 Ausstellern, die Kunsthandwerk, zur Jahreszeit passende Dekorationsartikel, Pflanzen sowie regionale kulinarische Spezialitäten anbieten.