Neben einer traumhaften Natur und vielen Sonnenstunden finden Besucher auf Malta das ganze Jahr ein übersprudelndes Angebot an Festivals, Paraden und Festen aller Art.
Die Insel Malta ist vielen für ihre Invasion an Sprachhungrigen bekannt, die zum lingualen Kurs, aber auch zum Feiern kommen. Wer sich näher mit der Geschichte des kleinen Inselstaats befasst, stößt auf ein vibrierendes Potpourri voller Kunst, Kultur und Traditionen. Man fragt sich, wo die Malteser eigentlich ihre Wurzeln haben. Ganzjährig mit viel Lebensfreude und hohem Anspruch die Vielfalt ihrer Geschichte zu feiern, scheint den multikulturellen Inselstaat im Inneren zusammenzuhalten. 520.000 Menschen leben auf Malta, einem der am dichtesten besiedelten Länder Europas, in dem die Sonne das ganze Jahr über scheint.
Malta liegt geografisch unter dem Dach Südeuropas, 100 Kilometer südlich von Sizilien und etwa 300 Kilometer nördlich von Libyen in Nordafrika. Das Dreiergespann auf dem Archipel im Mittelmeer besteht aus den drei Inseln Malta (246 km²), Gozo (67 km²), das von Landwirtschaft, Fischfang und Handwerk geprägt ist, und Comino (3 km²), das unbesiedelt ist. Mit 316 km² ist das maltesische Inselagglomerat etwa so groß wie München, ein Drittel so groß wie Berlin, und Saarbrücken passt zweimal hinein.
Stetiger Strom von Eroberern
Auf Malta war schon immer viel los: Aufgrund seiner Lage ist die Insel ein bunter Schmelztiegel voller Einwanderer- und Eroberer-Geschichten. Schon vor rund 7.000 Jahren, also lange bevor die Pyramiden Ägyptens gebaut wurden, siedelten sich hier Menschen an. Als logistisch günstiger Knotenpunkt für Handel, Eroberungen und kulturellen Austausch wurde Malta zum Dreh- und Angelpunkt zwischen Europa, Afrika und dem Nahen Osten. Vor dem Bau des Suezkanals im Jahr 1869 mussten die Schiffe der Seemächte Großbritannien, Frankreich und des Osmanischen Reichs auf ihrer Route von der Arabischen Halbinsel oder aus Indien nach Europa lange Umwege in Kauf nehmen. Malta war der perfekte Ort für Proviantaufnahmen und Reparaturen. Kein Wunder, dass es in den vielen kleinen Restaurants und auf Märkten wie dem an der Wasserkante der Fischerstadt Marsaxlokk viel um Essen und folkloristische Mitbringsel geht.
Der stetige Strom von Eroberern, Herrschern und Durchreisenden hat sich bis heute in Kultur und Sprache niedergeschlagen. Ab dem 16. Jahrhundert richtete der bekannte Johanniterorden mit dem heraldischen Kreuz seinen Sitz auf Malta ein und zog Ritter aus ganz Europa an. In dieser Zeit entstand ein kultureller Schmelztiegel, in dem italienische, französische und spanische Einflüsse miteinander verschmolzen. Später kamen die Briten und brachten der Insel nicht nur Tee und Linksverkehr, sondern auch die englische Sprache, die neben Maltesisch, einer semitischen Sprache, die offizielle Amtssprache ist. Der Einfluss der Römer, Araber und Briten ist bis heute deutlich hörbar – in jedem Gespräch meint man, mehrere Sprachen gleichzeitig zu hören.
Keine Festa ist wie die andere
Auf Malta wird das ganze Jahr über gefeiert – im kleinen wie im großen Stil. Von Mai bis September gibt es kaum ein Wochenende ohne „Festa”. Der feierlustige Inselstaat hat sogar eine nationale Regierungsorganisation, die sich seit fast zehn Jahren der Förderung und Weiterentwicklung von Festivals und kulturellen Veranstaltungen auf Malta und Gozo widmet. Unter dem Namen „Festivals Malta” ist sie aktuell für mehr als 160 Kulturprojekte verantwortlich, die sich auf über zehn Festivals und fünf nationale Veranstaltungen verteilen. Das Ziel besteht darin, „Traditionen zu bewahren, Talente zu fördern und ein Umfeld für lokale und internationale Künstler zu schaffen“. Der Kalender ist prall gefüllt: Mit lauschigen Dorffesten rund um die Inselheiligen über queere Paraden bis hin zu Opern und Mega-Events präsentiert sich Malta immer stärker als internationale Festival-Destination. Keine Festa gleicht der anderen. Das Programm und die Daten aller Kulturhighlights stehen meist schon ein Jahr im Voraus im gut gepflegten Online-Veranstaltungskalender. Tickets können online gekauft und ausgedruckt werden. Die Preise sind relativ niedrig und oft ist der Eintritt sogar frei.
Valletta feiert Mitte Februar (13. bis 17.2.2026) mit grotesken Masken, bunten Umzügen und Satire-Wagen „Il Karnival ta’ Malta“. Abseits der Feierlichkeiten lohnt sich ein Streifzug durch die wunderschönen Gassen der Stadt. Zeitgleich feiert Gozo in Nadur den noch schrilleren „wilden Karnevalsbruder“, der als anarchisch, spontan, makaber und grotesk beschrieben wird. Wer es zum karnevalistischen Auftakt nicht schafft, könnte schon jetzt die Sommeredition Mitte August als feste Reisezeit einplanen. Der künstlerische Höhepunkt des Jahres wird die zweite elfwöchige „Maltabiennale.art“ (März bis Mai 2026) für zeitgenössische Kunst sein. Nach der erfolgreichen ersten Ausgabe 2024 werden sich auch bei dieser Biennale-Ausgabe internationale Künstler unter freiem Himmel, in barocken Palästen oder stillgelegten Forts mit Blick auf Identität, Geschichte und Gesellschaft präsentieren.
In dem katholisch geprägten Land mit seinen über 300 Kirchen feiert jedes Dorf nebst Pfarrgemeinde – und manchmal sogar jeder Stadtteil – sein eigenes, identitätsstiftendes Patronatsfest zu Ehren seiner Schutzheiligen. Insgesamt gibt es mehr als 60 solcher Festas im Jahr, die mit einer Mischung aus religiöser Inbrunst und ausgelassener Lebensfreude zelebriert werden. Die Kirchen werden aufwendig beleuchtet. Blumengeschmückte Statuen werden, begleitet von Blaskapellen, Konfetti und dem zimtigen Duft der „Imqaret“ – noch warme, mit Datteln gefüllte Teigtaschen – aus den Kirchen getragen. Feuerwerke erhellen die Nacht, und die böse Geister vertreibenden „Petards” (Knallfrösche) sorgen für knallvergnügte Stimmung.
Eine Kirche wird zur Bühne
In Siggiewi, einem Dorf im Südwesten Maltas, wird der auch uns gut bekannte Heilige Nikolaus von Myra jedes Jahr mit großem Tamtam als Wohltäter und Kinderfreund verehrt. Das „Festa ta’ San Nikola“ am letzten Sonntag im Juni ist ein theatralisches Jahreshighlight. Die barocke Pfarrkirche St. Nikola aus dem 17. Jahrhundert wird in Siggiewi zur Hauptbühne. Die Straßen verwandeln sich in einen Festplatz. Bunte, zumeist aufwendig handgestickte oder mit Gold- und Silberfäden durchwirkte Banner und Fahnen, die mit Applikationen verziert sind, schmücken die Häuser und Balkone. Bei der Prozession wird die hoch aufgebockte Statue von einer Schar Trommler, Trägern und laut singenden Gläubigen – oftmals sogar barfuß – durch die engen Gassen der Altstadt begleitet. Während Engelsfiguren über das Geschehen wachen, trifft man sich zum Weiterfeiern in den umliegenden Gastronomiestätten. Parallel dazu säumen Food- und Nippes-Stände die Straßen. Wer noch Zeit findet, sollte einen Abstecher zum nahegelegenen Mdina machen. Ein Besuch der ältesten Stadt Maltas und einer der früheren Hauptstädte mit gerade mal rund 250 Einwohnern ist wie eine Zeitreise ins Mittelalter.
Ähnlich ehrfürchtig und nicht minder lebenslustig geht es auch auf der Schwesterinsel Gozo zu. Gefeiert wird in Mosta, Ghaxaq oder Victoria auf Gozo. Besonders groß fällt die Feier zu Ehren einer wichtigen Dame aus: Die Menschen strömen auf die Straßen, um das Himmelfahrtsfest der St. Mary’s, das der Jungfrau Maria gewidmet ist, mit Pauken und Raketen zu begehen. Auch das ist Andacht, inszeniert als Volksfest. In Rabat und den Buskett Gardens dreht sich nicht alles um religiöse Rituale, sondern auch um landwirtschaftliche Traditionen, Folkloremusik und ein großes Erntefest mit Pferderennen. Es ist eine der ältesten Festas des Landes, deren Wurzeln bis in die Zeit des Johanniterordens zurückreichen. Für viele Malteser sind Festas mehr als nur religiöse Events: Sie sind ein gesellschaftliches Ereignis und die DNA des Dorflebens. Sie werden monatelang von engagierten Ehrenamtlichen vorbereitet. Jedes Kind Maltas wächst damit auf.
Im Herbst schließlich findet die „Malta Pride“ statt. Vom 4. bis 13. September verwandeln sich die Hauptstadt Valletta und Gozo in ein „Festival der Vielfalt“. Was mit Workshops, Kunst und Come-Together-ness beginnt, gipfelt in einer Parade: Unter einer überdimensionierten Regenbogenflagge tanzt eine Festa-Crowd, die aus allen Ecken der Welt anreist. Es lohnt sich, zu bleiben, wenn kurz danach Weltstars wie Robbie Williams die Bühne des neuen „Aftersun Festivals“ in Floriana bespielen.
Kurze Wege, milde Temperaturen und die Mischung aus Tradition und unbändigem Kulturhunger machen Malta zum ganzjährigen Kultur-Archipel. Ob besinnliche Tradition oder knallbuntes Großevent – Malta versteht es, Feste zu feiern, und präsentiert sein Veranstaltungsspektrum wie ein nicht verglimmen wollendes Feuerwerk. Sprache, Architektur, Küche und das feierlustige Lebensgefühl passieren auf wenig Raum, auf dem die ganze Welt einen Platz gefunden hat.