Girls in Hawaii ist – nun ja – kein Bandname, der so wirklich krass neugierig macht. Es ist eher einer, der über Stil und Genre die Auskunft verweigert. Und damit also vielleicht doch ganz interessant.
Immerhin aber gibt es Girls in Hawaii jetzt schon im 27. Jahr. Vier Alben sind in dieser Zeit bislang erschienen, und in ihrer Heimat Belgien gelten sie als eine der wichtigsten Indie-Rockbands. Ihnen werden „kristallklare Melodien, lichtdurchflutete Melancholie und ein großes Gespür für Atmosphäre“ attestiert. Und im Geiste von Pavement, Grandaddy und Radiohead wird der Einklang von „Zerbrechlichkeit, Schönheit und Chaos“ ausfindig gemacht.
Überprüft man das Album „Eldorado“ diesbezüglich, dürfen diese Attribute getrost unterstrichen werden. Der Entstehungsprozess dauerte ein ganzes Jahrzehnt – inklusive diverser Schicksalsschläge und einer Beinahe-Bandauflösung. Doch klingt das Ergebnis dann überhaupt nicht nach Mühe, stattdessen nach kreativer Verarbeitung und Reflexion, vor allem aber nach höchster Konzentration und Fokussierung.
Die Ursprünge dieser elf neuen Songs reichen in die Wohnzimmer der beiden Masterminds Antoine Wielemans und Lionel Vancauwenberghe zurück. Hier wurde mit zwei Stimmen und zwölf Saiten entspannt getüftelt und experimentiert. 30 Demos standen am Ende dieses Prozesses bereit. Der eigentliche Aufnahmeprozess dauerte dann lediglich einen Monat.
„Drifting In The Summer Rain“ mag sowohl textlich als auch songtechnisch exemplarisch für das Charisma von „Eldorado“ stehen. Die Idee des Erzeugens von Flow und Gegenwärtigkeit durch Loslassen strömt hier aus jeder Pore. Ein gelegentliches Sich-Treiben-Lassen kann ja tatsächlich vor zu viel Sorge und Nostalgie retten.
Neben Wielemans‘ (Gesang, Gitarre) und Vancauwenberghes (Gesang, Gitarre) sind es dessen Bruder Brice (Gitarre), Daniel Offermann (Bass) und Bryant Hayat (Schlagzeug), die den Fünfer auf der attraktiven Spur eines dichten, majestätischen, bittersüßen Indie-Rocks halten. Der (Blut-)Stein auf dem Cover steht für „Stabilität und Mut“. Der Inhalt transportiert diese Hoffnung vorzüglich.