Im September veranstalten von Fotografie begeisterte Saarländer das „Photon Fotografie Festival Saar“ im Kulturforum Illipse. Festivalgründer Daniel Spohn erklärt, was die Veranstaltung besonders macht.
p
Auf Mikroebene entsteht aus Kleinem etwas Großes. So zumindest verhält es sich mit Photonen, jenen Lichtpartikeln, die unsere visuelle Welt ausmachen. Ohne Licht und die Netzhaut des Auges gäbe es keine Bilder. Was die Netzhaut für das menschliche Auge ist, sind in einer Kamera die Sensoren, die Lichtteilchen einfangen, um daraus Bilder entstehen zu lassen. So abstrakt das Thema erscheint, so konsequent gewählt ist der Titel „Photon Fotografie Festival Saar“.
„Mit Bildern Geschichten erzählen“
„Wenn wir diese Bilder später präsentieren – etwa bei unseren Live-Reportagen im großen Saal – projiziert der Beamer mithilfe von Photonen das Bild wieder auf die Leinwand. Im Grunde dreht sich also alles darum, wie wir mit Photonen Bilder erzeugen und wie wir mit Bildern Geschichten erzählen können“, erklärt der Festivalgründer Daniel Spohn. Ein befreundeter Grafikdesigner entwarf seinerzeit das „Photon“-Logo, das Schärfe und Unschärfe als Kontrast nebeneinanderstellt. Dem Grafikdesigner Steffen Zender, der in einer Agentur in Frankfurt arbeitet, sei aufgefallen, dass in „Photon“ auch „Ton“ steckt. „Über den Ton vermitteln wir in unseren Seminaren Wissen und in den Live-Reportagen erleben die Besucherinnen und Besucher die Originalstimmen der Referenten“, sagt Daniel Spohn. Insofern reiche keine Doku aus einer Mediathek an das Live-Erlebnis auf der Bühne heran. Dazu kommt ein weiteres Wortspiel: Streicht man das „n“ in „Photon“, steht da „Photo“.
Zum vierten Mal veranstaltet Daniel Spohn zusammen mit dem Fotografen Christian Mütterthies und Ulrike Sutter, der ehemaligen Kulturamtsleiterin der Gemeinde Merchweiler, das Fotografie-Festival. Letztere pflegte in ihrer Zeit als Kulturbeauftragte enge Kontakte zur Gemeinde Illingen und rief vor fast 30 Jahren die Vortragsreihe „Photomission“ in Wemmetsweiler ins Leben. „Über diese Vortragsreihe sind Christian und ich überhaupt erst in die Vortragsszene hineingerutscht“, sagt Daniel Spohn. Vor vier Jahren – am Ende der abklingenden Corona-Pandemie – traten Daniel Spohn und Christian Mütterthies gemeinsam mit dem damaligen Illinger Bürgermeister Armin König die Flucht nach vorn an: „Durch Corona ist unsere Kulturreihe stark eingebrochen. Wir wollten sie aber nicht aufgeben. Stattdessen beschlossen wir, etwas Größeres daraus zu machen“, sagt Daniel Spohn. Die Premiere von „Photon“ war 2023 im Kulturforum Illipse, seither findet dort das Festival statt.
Die Festivalmacher verstehen „Photon“ aber nicht als reines „Foto-Festival“. Um ein breites Publikum anzusprechen, „feiern wir Fotografie als Kunst, Unterhaltung und Hobby“, sagt der selbstständige Fotograf und Fototrainer. Aber: Wer selbst fotografiert, kann in sieben Seminaren, elf Workshops und zwei Fotowalks mit einer professionellen Fotografin „die eigene Fotografie auf das nächste Level heben und wertvolle Tipps direkt von den Profis erhalten“, heißt es in der Pressemitteilung. Daneben besuchen die Teilnehmer der Workshops im praktischen Teil unter anderem die Saarschleife, die Völklinger Hütte, die Schlossberghöhlen, die Bruch-Brauerei Neunkirchen und den Skatepark St. Wendel. „Wir haben dieses Jahr Gäste aus der Schweiz, aus Österreich, Luxemburg, Berlin und aus dem Ruhrgebiet. Viele sagen, dass sie zum ersten Mal im Saarland sind. Deshalb möchten wir zeigen, was das Saarland alles zu bieten hat“, sagt Daniel Spohn. Hier suchen die Festivalmacher den Schulterschluss zum Tourismus: Denn handwerklich gute Fotografie könne dazu beitragen, eine Region touristisch attraktiv zu machen und nach vorne zu bringen.
Die Live-Reportagen bilden das Herzstück des saarländischen Festivals. Unter den renommierten Referenten ist Martin Engelmann, ein österreichischer Fotograf des Magazins „National Geographic“. Engelmann wird in der Illipse von der „Weisheit der Maya“ erzählen. „Seit vielen Jahren schon ist er in Mexiko, Guatemala und Belize unterwegs und berichtet von der Kultur der Maya, ihrer Lebensweise und ihrem Verhältnis zur Natur. Sein Vortrag ist eine Liebeserklärung an diese Region und ihre Menschen“, sagt Daniel Spohn. Martin Engelmann bietet zudem ein Seminar mit dem Schwerpunkt „Reisefotografie“ an. Und er leitet einen Workshop zur Landschaftsfotografie. In diesem Jahr ist Daniel Spohn mit seiner ersten Live-Reportage dabei, in der er über sein Langzeitprojekt Tasmanien spricht. Zudem bietet er einen Workshop im Neunkircher Zoo an – zum Thema Tierfotografie, versteht sich. „Als Biologe und Fotograf geht es mir vor allem darum, dass man Fotografie und Tierverhalten immer gemeinsam betrachten muss. Eine Bildidee lässt sich nur umsetzen, wenn man das Verhalten des Tieres versteht“, erklärt er. Darüber hinaus leitet er ein Seminar zum Thema Licht.
Neues Zubehör für Freunde der Fotografie
Der Hobbycharakter von „Photon“ spiegelt sich vor allem in den Seminaren, Workshops und auf der Fotomesse wider. „Gerade Hobbyfotografen interessieren sich dafür, welche neuen Kameras oder Objektive es gibt und welches Zubehör sinnvoll ist“, sagt Daniel Spohn. Angenommen, jemand, der in seiner Freizeit fotografiert, interessiert sich für Actionfotografie mit Hunden: Womöglich stelle diese Person fest, dass ihr das „dafür passende Objektiv fehlt“. „Auf der Messe können Fotografen Objektive ausprobieren, sie direkt im gebuchten Workshop einsetzen und anschließend wieder zurückgeben. So lassen sich Kameras, Objektive oder Filtersysteme unter Realbedingungen testen“, sagt Daniel Spohn.
Auch dem Nachwuchs bietet „Photon“ eine Bühne. Die überzeugendsten Motive von Menschen zwischen acht und 17 Jahren, die beim „Photon Kinder-Jugendfotowettbewerb“ teilgenommen haben, werden prämiert und in einer Ausstellung unter freiem Himmel gezeigt.
Zudem werden die Gewinner-Bilder der Landesfotomeisterschaft des Deutschen Verbands für Fotografie zu sehen sein. „Wir stellen lediglich die Plattform zur Verfügung. Mit der Ausschreibung oder der Jury haben wir in diesem Fall nichts zu tun“, stellt Daniel Spohn klar.