Dr. Alexander Indermark ist Facharzt für HNO-Heilkunde in Illingen – und in seiner Freizeit einer der wichtigsten Architekten der Special Olympics Nationalen Spiele im Saarland. Als Präsident von Special Olympics Saarland steckt er bis zu 30 Stunden pro Woche in die Vorbereitung.
Herr Dr. Indermark, die Special Olympics Nationale Spiele kommen im Juni ins Saarland. Wie begann das alles?
Vor gut drei Jahren trat ich mit der Idee an Sportminister Reinhold Jost heran. Wir waren der Auffassung: Das kann man mal machen. Bis dahin war es aber noch nie der Fall, dass es zwei Bewerber für die Ausrichtung der Nationalen Spiele gab. Als diese Situation aufkam, war uns klar, dass wir einen guten Job machen müssen, damit es auch klappt. Wir hätten das Konzept natürlich auch so vernünftig aufgestellt, doch wir wussten: Wir müssen eine Schippe drauflegen. Also haben wir uns – das Orga-Team inklusive Minister Jost – anderthalb Jahre lang einmal pro Woche zum Jour fixe getroffen. Das war eine Menge Arbeit, aber wie man sieht, hat sie sich gelohnt.
Was hat die Bewerbung letztlich besser gemacht als die der Konkurrenz?
Die Bewerbung war nicht ohne. (lacht) In unsere Bewerbung waren mehrere Gemeinden und Landkreise einbezogen, womit man eine größere Erreichbarkeit für die Bevölkerung erreicht – das entspricht dem Strategieplan von Special Olympics Deutschland. Sicherlich hat es geholfen, dass ein Ministerbeschluss vorlag und sich die komplette Landesregierung ressortübergreifend positiv bekannt hat. Möglicherweise hat aber auch das geschlossene Auftreten von Sportministerium, LSVS und Special Olympics Saarland gezeigt, dass das Saarland ein verlässlicher Partner sein wird. Ein Sonderlob hat Sportminister Jost bei mir verdient: Die Bewerbung wurde von ihm nicht nur unterschrieben, sondern wesentlich mitgeschrieben. Das finde ich persönlich sehr beeindruckend.
Erstmals finden die Spiele grenzüberschreitend statt – die Schwimmwettbewerbe werden in Forbach ausgetragen. Wie kam das zustande?
Grundsätzlich ist länderübergreifende Zusammenarbeit ja an sich schon eine tolle Idee. Aber es hat auch damit zu tun, dass es im Saarland kein Schwimmbad gibt, das alle Voraussetzungen für die Wettbewerbe erfüllt – ein Fassungsvermögen für 1.500 Personen, ein 25-Meter-Becken mit Wänden an beiden Längsseiten für eine vernünftige Zeitmessung. So kamen wir auf den Pool Olympique in Forbach. Unsere ursprüngliche Idee war es ohnehin, das ganze Saarland als Gastgeberland auszurufen. Der Bundesverband hat uns aber klar gemacht, dass die Sportstätten in der Regel nicht mehr als 45 Kilometer weit auseinanderliegen dürfen. Das hat manche Wunschvorstellungen eingeschränkt – aber letztlich zu einem fokussierteren und besseren Konzept geführt.
Was erwartet jemanden, der noch nie bei Special Olympics war?
Wenn man das Ganze als Zuschauer oder Helfer beobachtet, bekommt man die Emotionen viel deutlicher und auch anders mit als bei anderen Sportveranstaltungen. Bei uns geht es nicht um die absolute Spitzenleistung. Es herrscht auch ein viel fairerer und schönerer Umgang unter den Athletinnen und Athleten. Für unsere Athleten sind die Spiele mehr als Sport – sie bedeuten Selbstvertrauen und Wertschätzung, gepaart mit ganz viel Dankbarkeit, Stolz und Zufriedenheit. Ich kann jeden nur einladen, sich darauf einzulassen und sich ein Stück dieser Mentalität mit nach Hause zu nehmen. Das kann die Sichtweise auf vieles im Leben deutlich verändern.
Und welches Ziel steht dahinter – über den Sport hinaus?
Unser Utopia wäre, dass alle Sportfachverbände Inklusion ganz selbstverständlich leben und es unsere Organisationen eigentlich gar nicht mehr bräuchte. Davon sind wir noch weit entfernt, aber es werden immer mehr Vereine und Verbände, die sich dem Thema annehmen und hier etwas bewegen wollen. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit der Ausrichtung der Spiele in unserem Bundesland Großes im Bereich Inklusion – im Sport, aber auch im Sinne einer inklusiveren Gesellschaft – erreichen werden. Den Zusammenhalt, den wir im Saarland leben, werden wir in die Spiele integrieren und an allen Ecken und Enden für Vielfalt und Toleranz werben. Unsere Veranstaltungen bewegen Menschen – sie zeigen Mut, fördern Vielfalt und schaffen Räume für Akzeptanz.
Zeigt sich schon jetzt, dass das Ziel erreicht werden kann?
Ich bin ehrlich gesagt überwältigt und sehr positiv überrascht, wie groß die Resonanz hier im Saarland ist. Die Volunteer-Anmeldungen haben das Ganze noch getoppt: Wir hatten doppelt so viele Anmeldungen, wie wir brauchen. Wahnsinnig große Unterstützung kam von den Kommunen, von der Bevölkerung, von den Schulen. Und auch die lokale Wirtschaft hat sich so eingebracht, wie wir das bei Spielen noch nie zuvor erlebt haben. Die Landesspiele 2025 waren zudem eine wichtige Testphase – eine Gelegenheit, Abläufe zu optimieren und das Team auf die Herausforderungen des großen Events vorzubereiten.
Was wird von den Spielen im Saarland bleiben?
Ich hoffe, dass ein sehr positiver Eindruck bleibt – einer, der sich auch ganz konkret auf den Alltag der Menschen auswirkt. Im LSVS wird eine Trainerausbildung mit dem Thema Inklusion verknüpft. Und Sportstätten werden nachhaltig aufgewertet – diese Veränderungen bleiben, auch wenn die Spiele längst vorbei sind. Ein gutes Beispiel ist das Stadion am Kieselhumes, das für die Special Olympics für rund 4,8 Millionen Euro umfassend saniert wurde: neue Tartanbahn, ein Multifunktionsgebäude, modernisierte Anlagen. Der Verein, der dort beheimatet ist – SV GO! Saar 05 Leichtathletik –, hat mit uns schon in der Kooperation zusammengearbeitet. Das war neu für beide Seiten, und es war gut für beide Seiten. Ich glaube, dass das gesamtgesellschaftlich wirkt: Barrieren werden abgebaut – im Sport, aber auch im Alltag. Und da habe ich angesichts aller Anzeichen, die wir sehen, wirklich große Hoffnung.
Was wünschen Sie sich von den Saarländerinnen und Saarländern?
Special-Olympics-Veranstaltungen sind vor allem sehr bewegend auf emotionaler Ebene. Für unsere Athletinnen und Athleten sind sie mehr als Sport – sie bedeuten Selbstvertrauen und Wertschätzung, gepaart mit ganz viel Dankbarkeit, Stolz und Zufriedenheit. Der Eintritt zu den Wettbewerben ist kostenlos, die Spielorte sind im ganzen Land verteilt. Alle Saarländerinnen und Saarländer sind herzlich eingeladen, vorbeizukommen und Teil davon zu sein. Ich verspreche: Wer einmal dabei war, nimmt etwas mit – und schaut danach anders auf die Welt.