Der 1. FC Kaiserslautern geht mit gewachsenen Ansprüchen in seine fünfte Saison nach der Rückkehr in die 2. Bundesliga. Platz sechs war ein weiterer Schritt nach vorn, doch die vergangene Spielzeit hat klare Defizite offengelegt. Der Kader ist noch nicht komplett.
Die Stimmung beim Trainingsauftakt passte zur Ausgangslage. Spieler, Trainer und Verantwortliche ließen erkennen, dass die Vorfreude auf die neue Saison groß ist. Von einer abgeschlossenen Kaderplanung kann am Betzenberg dennoch keine Rede sein. Geschäftsführer Thomas Hengen und Sportdirektor Marcel Klos arbeiten an einer Mannschaft, die in der Spitze besser werden soll. Nach den Plätzen neun, 13, sieben und zuletzt sechs soll es weiter nach oben gehen.
Hengen bewertet die vergangene Saison positiv. „Wir haben uns definitiv stabilisiert. Wir haben ein gutes Fundament“, sagt der Geschäftsführer Sport. Der Altersdurchschnitt wurde gesenkt, junge Spieler erhielten mehr Einsatzzeit, und die Mannschaft bestätigte, dass sie sich in der oberen Tabellenhälfte festsetzen kann. Der sechste Platz war Fortschritt, aber kein Endpunkt.
Kritik an der Defensivarbeit
Die interne Aufarbeitung fiel gründlich aus. Der FCK war vor allem dann gefährlich, wenn er nach Ballgewinnen schnell umschalten konnte. Auch das hohe Pressing funktionierte in vielen Phasen. Schwieriger wurde es, wenn Gegner den Lauterern bewusst den Ball überließen und die Räume verdichteten. Gerade auf dem Betzenberg fehlten dann mitunter Tempo, Präzision und Lösungen im Positionsangriff. Künftig soll der FCK häufiger selbst Kontrolle übernehmen und aus längeren Ballbesitzphasen konsequenter Chancen entwickeln.
Noch deutlicher fiel die Kritik an den Standards und an der Defensivarbeit aus. Die offensive Ausbeute nach ruhenden Bällen sei „viel zu dünn“ gewesen, erklärte Hengen. Gleichzeitig kassierte die Mannschaft zu viele Gegentore. „Eine Saison mit so vielen Gegentoren, die möchte ich nicht noch mal haben.“ Besseres Verteidigen der eigenen Box, weniger zugelassene Flanken und insgesamt größere Stabilität gehören deshalb zu den wichtigsten Aufgaben der Vorbereitung.
Die Kaderplanung folgt derselben Logik. „Ich glaube, unsere Baustellen sind vorne und hinten“, beschreibt Hengen die Prioritäten. In der Innenverteidigung hat der FCK mit Luca Sirch einen Stammspieler verloren. Dort soll noch ein Profi kommen, der möglichst sofort Verantwortung übernehmen kann. Als möglicher Kandidat wird Matej Maglica gehandelt. Der 1,98 Meter große Kroate kennt Trainer Torsten Lieberknecht aus der gemeinsamen Zeit bei Darmstadt 98 und würde mit seiner Robustheit und Zweikampfstärke gut zum Betzenberg passen. Eine Verpflichtung wäre ein Transfer für die erste Reihe.
Bereits hinzugekommen ist Kelven Frees von der TSG Hoffenheim. Der 2,02 Meter große Innenverteidiger wechselt auf Leihbasis in die Pfalz. Er wurde mit Hoffenheims U19 Deutscher Meister und gehörte anschließend zur U23, die in die 3. Liga aufstieg. Frees bringt Perspektive mit, muss sich auf Zweitliganiveau aber erst beweisen.
Daneben sind bekannte Gesichter zurück. Jan Elvedis Leihe zu Greuther Fürth ist beendet, seine Zukunft bleibt jedoch offen. Auch Jannis Heuer kehrte aus Münster zurück, wurde aber umgehend nach Fürth transferiert. Eine Rückkehr von Dominique Heintz hatte sich ebenfalls zerschlagen.
Mit Yannick Onohiol, Thierry Tazemeta und Ibrahim Kanaté standen beim Auftakt bereits drei weitere Neuzugänge auf dem Platz. Zudem wurde Paul Joly nach seiner Leihe fest verpflichtet. Sie stoßen zu einem Kern, der nach Einschätzung von Klos über Monate gewachsen ist. „Wir sind gut unterwegs, aber noch nicht fertig“, sagt der Sportdirektor. Die Basis steht, doch die entscheidenden Puzzleteile fehlen noch.
Besonders dringlich ist die Suche im Sturm. Ivan Prtajin, mit elf Treffern bester Lauterer Torschütze der vergangenen Saison, arbeitet nach seinem Achillessehnenriss weiter am Comeback. Beim Trainingsauftakt drehte er erste Runden, ein Zeitpunkt für die Rückkehr ins Mannschaftstraining ist aber nicht absehbar. Die Verantwortlichen wollen keinerlei Risiko eingehen. Hengen plant vorsichtshalber zunächst mit Prtajin für die Rückrunde.
Leihspieler ohne Perspektive
Damit benötigt der FCK einen Angreifer, der sofort helfen kann und später neben oder hinter Prtajin eine Rolle besetzt. Gesucht wird Qualität, zugleich muss der Spielertyp zum vorhandenen Kader passen. Ob Zielspieler, Tiefengänger oder Allrounder: Am liebsten würde der Verein mehrere Eigenschaften verbinden, ohne das Budget zu sprengen. Norman Bassette wird nach seiner Leihe nicht zurückkehren. Seine Kaufoption war für den FCK nicht finanzierbar.
Auch Dickson Abiama besitzt trotz seiner Leihe zu Rot-Weiss Essen offenbar kaum Perspektive in Kaiserslautern. „Demzufolge sind die Aussichten nicht ganz so rosig“, sagt Hengen. Essen zeigt Interesse an einer festen Verpflichtung. Ähnlich ist die Tendenz bei Frank Ronstadt, Faride Alidou und Jannik Mause. Für Spieler ohne realistische Aussicht auf Einsatzzeit sollen Lösungen gefunden werden.
Im zentralen Mittelfeld ist der Druck geringer. Mit Marlon Ritter und Naatan Skyttä sehen die Verantwortlichen die Mannschaft grundsätzlich gut besetzt. Dennoch könnte ein offensiv ausgerichteter Spieler hinzukommen, der selbst Torgefahr entwickelt und Mitspieler in Szene setzt. In der vergangenen Saison erreichten nur Prtajin und Skyttä zweistellige Scorerwerte. Die offensive Verantwortung soll auf mehr Schultern verteilt werden.
Bis alle Stellen besetzt sind, wird Geduld nötig sein. Viele Transfers in den oberen Ligen kommen erst spät zustande, die Weltmeisterschaft verzögert zusätzliche Entscheidungen. Erst dann öffnet sich häufig auch der Markt für Zweitligisten. Klos versichert, dass der FCK vorbereitet sei, warnt aber davor, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen.
Der Anspruch ist trotzdem unübersehbar. Ein Aufstiegsversprechen gibt es nicht, wohl aber das Ziel, besser zu werden als in der vergangenen Saison. Dafür muss der FCK seine Stärken im Umschalten und Pressing bewahren, zugleich aber variabler mit dem Ball, gefährlicher bei Standards und stabiler gegen den Ball werden. Entscheidend wird sein, ob Hengen und Klos für Innenverteidigung und Angriff Spieler finden, die den vorhandenen Kern tatsächlich anheben. Gelingt das und kehrt Prtajin gesund zurück, besitzt Kaiserslautern die Grundlage, aus Platz sechs den nächsten Schritt zu machen.