Penisse unterscheiden sich in Form und Größe. Ist „das beste Stück“ aber während der Erektion gekrümmt und kommt es zu Schmerzen, kann die Peyronie-Krankheit vorliegen – auch Induratio penis plastica genannt.
Bei der Peyronie Krankheit – oder auch Induratio penis plastica (IPP) – bildet sich in den tieferen Schichten unter der Haut des Penis faseriges Narbengewebe, sogenannte Plaques. Dieses Narbengewebe kann zu schmerzhaften und gekrümmten Erektionen führen, den Geschlechtsverkehr erschweren oder unmöglich machen sowie mit einer erektilen Dysfunktion einhergehen. Häufig wirkt der Penis bei Erektion kürzer; bei manchen Betroffenen erscheint er schmal oder eingedellt, in Einzelfällen sogar sanduhrförmig mit einer eingeschnürten Stelle am Schaft. Psychische Belastungen wie Stress, Scham, Angst vor Versagen beim Sex und Beziehungsprobleme sind häufig und die Ärztin oder der Arzt sollten bei der Beratung darauf eingehen.
Laut der US-amerikanischen Non-Profit-Organisation Mayo Clinic verursacht die Erkrankung bei vielen Betroffenen Stress und Angst. Denn Veränderungen am Penis sind für viele Männer ein sehr sensibles Thema. Viele sprechen nur ungern offen darüber, was schnell zu einem Gefühl der Isolation führen kann. Hinzu kommt die Sorge, beim Sex zu versagen oder Schmerzen zu haben, was das Selbstvertrauen erheblich beeinträchtigt. Diese Kombination aus körperlichen Beschwerden, Scham und Unsicherheit führt bei vielen Männern zu einer starken psychischen Belastung, was wiederum den emotionalen Leidensdruck verstärkt und die Beziehung zusätzlich belastet.
Die genauen Ursachen der IPP sind nicht vollständig geklärt. Wiederholte Mikroverletzungen, etwa beim Geschlechtsverkehr, gelten als ein wichtiger Faktor, daneben werden genetische Prädispositionen und systemische Faktoren wie Stoffwechselerkrankungen diskutiert. Die Erkrankung verläuft oft in einer aktiven (akuten) Phase, in der Plaques entstehen und sich Krümmung, Schmerzen oder Längenveränderungen verschlechtern, gefolgt von einer stabilen (chronischen) Phase, in der die Veränderungen weitgehend zum Stillstand kommen. Die Dauer der aktiven Phase variiert individuell. Zeiträume von mehreren Monaten bis zu anderthalb Jahren werden beschrieben.
Die Diagnose stützt sich auf Anamnese und körperliche Untersuchung. Die Sonografie (Ultraschall) ist das primäre bildgebende Verfahren zur Beurteilung von Plaques, Gefäßverhältnissen und gegebenenfalls Verkalkungen. Eine MRT kann in Einzelfällen ergänzend eingesetzt werden, ist aber nicht routinemäßig erforderlich. Bei der Untersuchung wird der Penis häufig im schlaffen Zustand abgetastet; Längenmessungen dienen als Referenz, falls sich die Erkrankung verschlechtert. Fotos des erigierten Penis, die Patienten zu Hause anfertigen, können zusätzliche Informationen zur Krümmung liefern.
Die Erkrankung verläuft meistens in zwei Phasen: einer aktiven und einer chronischen
Die Behandlungsmöglichkeiten bei der Peyronie-Krankheit hängen davon ab, wie lange die Symptome bereits bestehen. Während sich in der akuten Phase das Narbengewebe bildet, verschlimmern sich die Veränderungen in der Krümmung oder Länge des Penis. Zudem können Schmerzen bei Erektionen auftreten. Diese Phase kann zwischen fünf und 18 Monaten dauern. In der chronischen Phase wächst das Narbengewebe nicht weiter, und die Symptome stabilisieren sich. Es treten keine Schmerzen mehr auf, und es kommt zu keinen weiteren Veränderungen der Krümmung, Länge oder anderer Merkmale des Penis. Die chronische Phase setzt später im Verlauf ein.
In der akuten Phase kommt beispielsweise die Traktionstherapie zum Einsatz: Wird sie früh eingesetzt, kann ein Gerät hilfreich sein, das den Penis in einer Halterung fixiert und sanften Zug ausübt. Diese sogenannte penile Traktionstherapie besteht darin, den Penis mithilfe eines mechanischen Geräts zu dehnen, das täglich getragen wird. Der Penis wird über einen festgelegten Zeitraum gestreckt, um Länge, Krümmung und andere körperliche Veränderungen zu verbessern.
Allerdings berichtete das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im Oktober 2023, dass es kaum aussagekräftige Belege für die Wirksamkeit gebe. Dies liege daran, dass die beiden einzigen randomisierten kontrollierten Studien nur wenige verlässliche Daten liefern und sich lediglich auf eine Kurzzeitbehandlung beziehen. Die bisherigen Studienergebnisse deuteten jedoch auf das Potenzial dieser Methode hin und lieferten Ansätze für weitere Forschungsarbeiten.
Wie Mayo Clinic anmerkt, kommen auch bestimmte Medikamente infrage, die entweder oral eingenommen oder als Injektion verabreicht werden. Eine Operation hingegen werde in der akuten Phase der Peyronie-Krankheit nicht empfohlen. Sie komme erst dann als Option infrage, wenn sich die Erkrankung nicht weiter verschlechtert und keine Schmerzen mehr auftreten. In der Regel werde eine Operation erst in Betracht gezogen, wenn die Peyronie-Krankheit seit neun bis zwölf Monaten besteht. Außerdem wird sie erst empfohlen, wenn sich die Krümmung nicht weiter verschlechtert und über mindestens drei bis sechs Monate stabil bleibt und keine Schmerzen mehr auftreten.
Es gibt verschiedene OP-Verfahren, mit denen der Penis begradigt werden kann, etwa, indem die längere, nicht von Narbengewebe betroffene Seite verkürzt oder gestrafft wird. Diese Techniken werden als Vernähung oder Pikation bezeichnet. Sie kommen meist nur bei weniger ausgeprägten Krümmungen zum Einsatz. Es stehen zahlreiche Pikationsverfahren zur Verfügung, die in der Regel ähnliche Erfolgsraten aufweisen. Der Erfolg des Eingriffs hängt jedoch auch stark von der Erfahrung und der Operationsmethode des jeweiligen Chirurgen ab.
Bei der Inzision beziehungsweise Exzision und Transplantation setzt der Chirurg einen oder mehrere Schnitte in das Narbengewebe. Dadurch kann sich die Gewebeschicht (Tunica albuginea) wieder ausdehnen und der Penis sich begradigen. In manchen Fällen wird ein Teil des Narbengewebes entfernt. Um die entstandenen Öffnungen in der Tunica albuginea zu schließen, wird häufig ein sogenanntes Transplantat eingenäht. Dieses kann aus körpereigenem Gewebe, aus menschlichem Spendergewebe oder aus tierischem Gewebe bestehen.
Bei einer anderen Operation wird ein Penisimplantat in das schwammartige Gewebe eingesetzt, das sich bei einer Erektion mit Blut füllt. Manche Implantate können die meiste Zeit nach unten gebogen werden und für den Geschlechtsverkehr nach oben – diese nennt man semirigide Implantate. Häufiger wird jedoch ein anderer Implantattyp verwendet, der über eine im Hodensack platzierte Pumpe aufgepumpt werden kann. Penisimplantate kommen vor allem dann infrage, wenn sowohl eine Peyronie-Krankheit als auch eine erektile Dysfunktion vorliegen. Nachdem die Implantate eingesetzt wurden, kann der Chirurg bei Bedarf zusätzliche Maßnahmen durchführen, um die Krümmung des Penis weiter zu verbessern.
Die Art der Operation hängt von der individuellen Situation ab. Das Behandlungsteam berücksichtigt dabei unter anderem, wo sich das Narbengewebe im Penis befindet, wie ausgeprägt die Symptome sind und welche weiteren Faktoren eine Rolle spielen. Wenn man nicht beschnitten ist, könnte der Arzt im Rahmen des Eingriffs darüber hinaus auch eine Beschneidung empfehlen.