Am 2. August startet der FC 08 Homburg in seine achte Regionalliga-Saison in Folge. Der Wunsch nach Liga drei ist kein Geheimnis, die ersten Schritte dafür wurden getan. Unter dem in diesem Jahr verpflichteten Trainer Roland Seitz startet nun der große Umbruch.
Seit Januar steht er an der Seitenlinie des FC 08 Homburg. Und hat schon einiges miterlebt. „Wir haben damals gesagt, wir wollen eine solide, ruhige Rückrunde spielen“, sagt Roland Seitz. Das ist ihm gelungen. Klassenerhalt in der Regionalliga Südwest gesichert, Saarlandpokal-Sieg und damit verbunden die Teilnahme am DFB-Pokal für die nun startende Saison. Dennoch ist dem Cheftrainer nicht nach Schönreden zumute: „Klar ist aber auch, dass wir nicht gänzlich mit dem zufrieden sein können, was wir geleistet haben.“
Ein Dauerzustand ist das nicht, daraus hat wohl kaum jemand ein Geheimnis gemacht. 14 Spieler haben den Verein nach Saisonende verlassen. „14 von 25 ist schon eine Hausnummer“, sagt Seitz. Ein paar habe er zwar gern in Homburg halten wollen, genauso habe er aber auch „bei manchen ein bisschen nachgeholfen.“ Doch wie soll diese Lücke geschlossen werden? „Aktuell stehen 18 Feldspieler auf dem Platz“, sagt Seitz. Ohnehin schon zu wenig für eine optimale Vorbereitung. Hinzu kommen Verletzte wie der gerade erst neu verpflichtete Mittelstürmer Hilal El-Helwe (Verrenkungsbruch des Sprunggelenks). „Er ist ein Unterschiedsspieler – ihn zu ersetzen ist nicht leicht“, betont Seitz, der dazu auch noch auf Michael Heilig verzichten muss. Aufgrund eines Kreuzbandrisses wird Heilig vermutlich erst wieder für die Rückrunde ein Thema sein. Gleiches könnte für El-Helwe gelten. Belastungssteuerung in dieser Situation? Schwierig. „Wir trainieren sehr viel, sehr intensiv – da wären ein paar frische Beine mehr ganz hilfreich“, gibt Seitz zu, der bis Saisonstart noch mindestens drei Zugänge verkünden will. „Wenn du jeden Tag zweimal trainierst, dann brauchst du mindestens 21 fitte Feldspieler. Alles andere wird auf Dauer grenzwertig“, sagt er.
Neuzugänge gab es bislang elf. Einer davon auch Nils Röseler, der als erfahrener Innenverteidiger die Defensive der Homburger stärken soll. Zuletzt spielte der 33-Jährige beim niederländischen Zweitligisten Roda JC Kerkrade, blickt aber auf 66 Einsätze in der deutschen 3. Liga sowie 39 Spiele beim SV Sandhausen in der 2. Bundesliga zurück. „Nils ist einer, der Verantwortung übernehmen kann und soll“, sagt auch Trainer Seitz. Neben Routiniers wie Kapitän Mart Ristl, Markus Mendler oder Phillipp Steinhart soll Röseler Teil einer Führungsachse werden, die auch in schwierigen Phasen Stabilität ausstrahlt.
Taktisch bleibt Seitz seinem Stil treu: „Ich halte nichts von diesen hyperkomplizierten Systemen, wo jeder abkippt und verschiebt, bis keiner mehr weiß, wo er eigentlich hingehört.“ In der Rückrunde habe das im 4-2-3-1 oder 4-4-2 schon gut funktioniert. Und auch in der Vorbereitung laufe es – trotz personeller Engpässe – sportlich gut. Gegen den luxemburgischen Erstligisten FC Victoria Rosport setzte sich Seitz’ Truppe trotz fünf Ausfällen mit einem starken 5:0 durch. „Es war ein guter Test, in dem es uns der Gegner anfangs schwer gemacht hat. Wir hätten zur Pause schon in Führung liegen müssen“, sagt Seitz. Erst in der zweiten Halbzeit sei der Knoten geplatzt. „Am Ende haben wir auch in der Höhe hochverdient gewonnen“, betont er. Bei Rosports Ligakollegen Jeunesse Esch hieß es vier Tage später ein souveränes 4:0. „Es war ein ordentliches Spiel“, sagt auch Trainer Seitz. „Wir haben uns gut präsentiert, die Bedingungen angenommen und unseren Job erledigt.“
Besser abschneiden als in der Vorsaison
Das stimmt ehrgeizig – die Mannschaft, aber auch den Trainer. Und das nicht nur für die Liga. Am 17. August trifft Homburg in der ersten Runde des DFB-Pokals auf Bundesligist Holstein Kiel. „Der Pokal ist immer besonders“, schwärmt Seitz. „Jeder hofft auf eine Sensation. Vielleicht sind wir diesmal wieder die, die überraschen.“ Das gelang dem Regionalligisten letztmals in der Saison 2023/24, als sie es bis ins Achtelfinale schafften. Dort mussten sie sich dann allerdings dem damaligen Zweitligisten St. Pauli geschlagen geben. Angst vor der Doppelbelastung hat Seitz nicht. „Die Teilnahme am Pokal ist ein Geschenk. Viele würden gerne mit uns tauschen“, sagt er.
Doch nach dem Pokal-Spektakel wartet direkt das Liga-Duell gegen den Bahlinger SC. Aufgrund der Pokal-Teilnahme wurde die Begegnung zum dritten Spieltag auf den 20. August verschoben. Entscheidend wird am Ende aber auch sein, wie die Mannschaft ab dem 2. August in die Liga startet. Am ersten Spieltag wartet mit dem KSV Hessen Kassel ein Gegner, gegen den man sich in der vergangenen Saison nicht durchsetzen konnte (einmal unentschieden, einmal verloren). „Jedes Auftaktspiel ist schwer, egal gegen wen es geht“, betont Seitz. „Dass Kassel in der letzten Saison eine der besten Rückrundenmannschaften war, zeigt, welches Kaliber sie sind. Am Ende nehmen wir jeden Gegner, wie er kommt.“
Bis dahin soll und muss sich beim FCH aber noch einiges tun. Vieles ist noch in der Mache, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Spürbar ist aber schon jetzt der Kampfgeist. 1995 spielte man zuletzt oberhalb der Regionalliga, in der erst 2001 eingeführten 3. Liga wartet man noch aufs Debüt. Das Umfeld des Saarpfalz-Clubs wird zunehmend unruhig. In der zurückliegenden Saison sorgte ein Text von Homburgs stellvertretendem Aufsichtsratschef Jörg Kühn im eigenen Stadionmagazin für Aufruhr: „Die meisten von euch werden sicherlich diesen amüsanten und unterhaltsamen Film kennen: Der Hauptdarsteller erlebt jeden Tag das absolut Gleiche“, schrieb dieser. „Mir geht es mit unserem Verein so ähnlich, ich habe das Gefühl, in einer Zeitschleife zu leben – mit dem Unterschied, dass sich alles nicht täglich, dafür jedoch jährlich wiederholt und zudem weder lustig noch übermäßig unterhaltsam für mich ist.“ Kühn bemängelte Kampfgeist und Einsatzwillen. Nur wenige Wochen danach musste Trainer Danny Schwartz die Taschen packen, Seitz übernahm. „Der Trainerstab, die Struktur, die Fans – das ist für einen Viertligisten auch nicht normal“, hatte er damals seinen Wechsel von Freiberg nach Homburg begründet. „Das alles gibt es einfach her, dass der FC Homburg um den Aufstieg mitspielen muss.“
Das gilt es nun zu beweisen. Die Trainingsintensität ist hoch, die Stimmung auch jenseits des Platzes bislang sehr gut. Auf Platz acht wie in der Vorsaison abzuschneiden, sei keine Option. Ein konkretes Ziel ausrufen will er aber nicht, schon gar nicht ohne fertigen Kader. „Es muss besser werden – das ist ja kein Geheimnis“, sagt er entschlossen. Am Ende ist Roland Seitz keiner, der große Worte schwingt – aber einer, der genau weiß, was er will. Und vielleicht ist es auch genau das, was Homburg jetzt braucht.