Viele schmale Pfade durchziehen den Wald rund um Werbeln. Auf diesen Waldwegen wird die Geschichte des Ortes, der stark mit der ehemaligen Wadgasser Abtei verbunden war, auf etlichen Informationstafeln anschaulich erklärt.
Der exzellent ausgeschilderte Wanderweg führt vom Werbelner Marktplatz nach links über die Bistbrücke. Unmittelbar hinter der Brücke biegen wir im rechten Winkel auf einen geteerten Weg ab, der für knapp 700 Meter zwischen der Bist und einer stillgelegten Bahntrasse verläuft. Die Bahntrasse wurde nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gebaut. Die Bahnlinie Bous-Teterchen schloss das östliche Lothringen im Bereich von Bolchen (Boulay-en-Moselle) verkehrstechnisch an das Saarrevier an und verband zugleich das Saartal auf einer zweiten Trasse mit Metz. Courcelles-Chaussy, nur wenige Kilometer von Metz entfernt, war von 1871 bis 1918 Teil des Deutschen Reiches. Der Ort hatte eine besondere Bedeutung für den deutschen Kaiser Wilhelm II. der dort eine Sommerresidenz und eine „Kaiserkirche“ errichten ließ.
Abtei war lange Mittelpunkt
Den geteerten Weg verlassen wir nach rechts, überqueren nach wenigen Schritten zunächst die Bist über eine Holzbrücke und kurz danach die Straße am Rothenberg. Ein hölzernes Tor mit der Aufschrift „Werbelner Geschichteweg“ signalisiert den offiziellen Startpunkt der Wanderung. Markante Punkte wie die Schäferei, das Hofgut und die Sägemühle sind eng mit dem ehemaligen Kloster in Wadgassen verbunden. Die Abtei Wadgassen bildete über Jahrhunderte hinweg den geistigen und wirtschaftlichen Mittelpunkt dieser Region. 1135 gegründet, erstreckte sich der unmittelbare Einfluss der Abtei des Prämonstratenserordens in seiner Blütezeit auf 50 Pfarreien und 200 Dörfer. Am Galgenberg erfahren wir, dass im Jahre 1632 ein gewisser Scher Nisius aus Werbeln vom Hochgericht wegen Diebstahls verurteilt wurde. Nachdem er mehrere Tage am Pranger stehen musste, wurde er anschließend am nahen Galgenberg erhängt.
Im schattigen Wald passieren wir die Stelle, an der bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg ein Hofgut stand. Ganz in der Nähe entstanden nach dem Krieg eine Sägemühle und eine Glashütte.
Wir sind auf dem Weg zur Marienkapelle im Wald an der „Mohrengrät“. Ihre Geschichte ist verbunden mit dem Namen Pater Wendelin Maas. Nach seiner Zeit als Missionar in Kolumbien, kam er 1953 als Vikar nach Werbeln. Im Zusammenhang mit der Verkündigung des „Marianischen Jahres“ durch Papst Pius XII., ebenfalls 1953, reifte die Idee, eine Kapelle zu Ehren der Gottesmutter zu bauen. Dank zahlreicher Spenden konnte die Kapelle schon ein Jahr später, im Dezember 1954, eingeweiht werden.
Nachdem wir diesen wunderschönen Ruheplatz verlassen haben, steigt der Weg im Wald nach oben. Nach etlichen Windungen gelangen wir nach oben und befinden uns bald wieder im Abstieg. Dort stoßen wir auf einige mächtige Sandsteingrenzsteine, in die die Jahreszahl 1769 gemeißelt wurde. Auf einer Hinweistafel lesen wir: „Im Jahre 1769 wurde die Grenze zwischen dem Königreich Frankreich und der Grafschaft Nassau-Saarbrücken neu markiert. Durch einen Tauschvertrag zwischen Fürst Wilhelm Heinrich, seinem Sohn Ludwig von Nassau-Saarbrücken und der französischen Krone wurde am 15. Februar 1766 das Gebiet der Prämonstratenserabtei Wadgassen unter französische Herrschaft gestellt. In der Folge wurden die Wadgasser Gebiete, die seit dem Mittelalter zu Nassau-Saarbrücken gehörten und den äußersten Posten der Saarbrücker Grafschaft darstellten, französisch. Der deutsche Kaiser erteilte die Genehmigung zu diesem Vertrag am 15. Februar 1768 und im folgenden Jahr fand die Grenzregulierung und sogenannte ‚Abmarkung‘ durch das Setzen von Grenzsteinen statt.“
Nach dem Grenzgang müssen wir wenig später die L 280 zwischen Werbeln und Ludweiler überqueren. Wir tangieren den Ludweiler Tierpark und wandern anschließend nach rechts, um nach geraumer Zeit ein Flurkreuz am Waldrand zu entdecken. Zum Andenken an ihre Eltern hatten Theo, Christine und Suni Mang 1999 die Idee, ein Flurkreuz mit Rastplatz für Ruhe und Besinnlichkeit zu errichten.
Auf dem Weg nach Werbeln gelangen wir zum ursprünglichen, alten Dorf Werbeln, das durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) völlig zerstört wurde. Ein schmaler Waldpfad bringt uns zur Lothringer Straße. Entlang der Lothringer Straße erreichen wir nach kurzer Zeit den Marktplatz und das Ende der Wanderung.