Die 3. Liga befindet sich in der Winterpause – Zeit, einen Blick auf die Gewinner und Verlierer zu werfen.
Spannende Zeiten in Liga 3: Zum Ende des Jahres 2025 überraschte uns die 3. Liga mit unvorhergesehenen Erfolgen, unerwarteten Spielausgängen – und Abstiegskandidaten, mit denen keiner zum Saisonstart gerechnet hätte. Ein Blick auf die Gewinner und Verlierer der bisherigen Saison.
Energie Cottbus
Als Energie Cottbus im vergangenen Jahr als Aufsteiger sensationell oben mitspielte und trotz längerer Tabellenführung gegen Ende der Saison nichts mit dem Aufstieg zu tun hatte, befürchteten Fans, Umfeld und Experten ein sehr schweres zweites Jahr in der 3. Liga. Doch Pele Wollitz, der oft auf Schimpftiraden und seine verbalen Aussetzer reduziert wird, hat es auch im zweiten Jahr geschafft, eine Mannschaft zu formen und erneut an die Tabellenspitze zu führen – wohlgemerkt als Trainer und Sportdirektor in Personalunion. Hinzu kommt, dass die Mannschaft sich während dieser Hinrunde oft mental „an der Grenze bewegte“, wie Wollitz es formulierte, und körperlich sicherlich auch. Trotz teilweise bis zu zehn Verletzten und mentaler Erschöpfung gelingt es Wollitz in diesem Jahr erneut, oben mitzuspielen und mit seiner Mannschaft eine Einheit zu bilden. Gerade für Aufsteiger, bei denen das zweite Jahr immer zur größten Herausforderung hochdiskutiert wird, ist solch ein zweites Jahr eine Genugtuung – und diese ist in Cottbus untrennbar mit Pele Wollitz verbunden.
MSV Duisburg
Natürlich taucht auch der MSV Duisburg bei den Gewinnern auf. Beflügelt vom Support der Anhänger schwebt der MSV nach einem Jahr Drittliga-Pause aktuell durch die Stadien. Noch vor etwas mehr als einem Jahr sah das Verhältnis zwischen Fans und Verein ganz anders aus. Nachdem der Abstieg in die Regionalliga West feststand, stürmten vermummte MSV-Anhänger während eines Spiels den Innenraum. „Wir verachten Euch auf dem Platz dafür, dass ihr Teil dieser Geschichte seid“ und „Eine Schande für Duisburg“ war unter anderem auf Bannern zu lesen.
Doch anstatt in der 4. Liga auseinanderzufallen, hat man sich an der Wedau neu aufgestellt. Unter dem Motto „MSV vereint mit den Fans, vereint mit der Stadt“ sind Verein und Fans neu zusammengerückt. „Hier hat keiner ein Ego, das er über die Gruppe stellt. Das leben wir im Staff vor, und das ist für uns das alles Entscheidende“, sagt Hirsch, der als Grundlage für den aktuellen Erfolg vor allem die Attribute „Arbeit“, „Fleiß“, „Einstellung“, „Teamgedanke“ und Mentalität in den Fokus stellt: „Wenn du die Mentalität, die auch zum Ruhrpott passt, und unsere Qualität zusammenbringst, dann ist es schwer, uns zu schlagen.“
SC Verl
Als Sebastian Lange damals zum SC Verl kam und dort Sportchef wurde, sinnierte er darüber, dass er einen Kader basteln will, der die Ballbesitzstatistik in der 3. Liga immer anführt. In vier von fünf Jahren ist ihm das gelungen. Lange zog es nun zum SC Paderborn, und dennoch wird beim SC Verl erneut – mit einem der kleinsten Etats der Liga – überragende Arbeit geleistet. Vor allem: Die grundlegende Idee des gepflegten Ballbesitzfußballs ist weiterhin präsent, wurde zum Markenzeichen des SC – auch ohne Sebastian Lange. Der SC Verl weiß genau, was er will, was er kann und wie er es erreichen will. Genau damit schlagen sie den Traditionsvereinen in der 3. Liga ein Schnippchen. Als beste Offensive, die zudem wirklich ansehnlichen Fußball zeigt, müssen sie zu den Gewinnern zählen. Ebenso ihr Trainer Tobias Strobl, der die Erfolgsgeschichte in diesem Jahr weiterschreibt.
Hansa Rostock
Während die 3. Liga auf dem besten Weg ist, den Trainerentlassungsrekord der vergangenen Saison (14 Trainer mussten gehen) erneut zu pulverisieren, hat sich Hansa Rostock für einen anderen Weg entschieden. Denn als es unter dem neuen Trainer Daniel Brinkmann kriselte, wurde er nicht sofort vor die Tür gesetzt. Der Vertrag wurde verlängert, Vertrauen ausgesprochen und damit auch den Spielern ein Alibi genommen. Das fruchtete: Zu Beginn der Saison gewannen die Rostocker nur zwei von neun Spielen. Nach 18 Spieltagen sieht das anders aus: Acht Siege, sieben Unentschieden bei drei Niederlagen, und zudem stellen sie die beste Defensive der 3. Liga. Für den Mut in den schnelllebigen Zeiten des Fußballs kann man die Verantwortlichen nur beglückwünschen. Denn es zeigt: Es muss nicht immer direkt ein Trainerwechsel sein.
Erzgebirge Aue
Abstiegskampf statt Aufstiegskampf, Sportdirektor weg und der Trainer ständig in der Kritik. Im Erzgebirge ist Fußball nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. Die Fans sprechen von der „schlechtesten Mannschaft der letzten 25 Jahre“ – das hat vor allem Mathias Heiderich als mittlerweile entlassener Sportdirektor zu verantworten. Auch im Trainerteam kriselte es. Zwischen Chefcoach und Co-Trainer gab es öfter Stunk – also wurde auch der Co-Trainer entlassen. Jens Härtel bleibt nun weiterhin im Amt. „Wir haben uns für den Trainer entschieden, weil wir dann stark waren, wenn auf der Trainerposition Kontinuität bestand und der Trainer das hundertprozentige Vertrauen hatte“, sagte Präsident Thomas Schlesinger. Es bleibt zu wünschen, dass das Vertrauen in den Trainer damit verbunden wird, dass Ruhe in den Verein einkehrt.
1. FC Saarbrücken
Teils hanebüchene individuelle Fehler, ein erhitztes Vereinsklima und viele offene Fragen haben den 1. FC Saarbrücken in die Position gebracht, in der er jetzt steckt: in den Abstiegskampf der 3. Liga. Dass es damit nicht getan ist, einfach mal den Trainer zu wechseln, zeigt die derzeitige Phase unter Jürgen Luginger. Doch das Problem ist vielschichtiger. Die Mannschaft – die wahrscheinlich bestbesetzte der vergangenen Jahre – erreichte in dieser Saison zu keinem Zeitpunkt ein wirklich verlässliches Leistungsplateau. Hauptverantwortlich dafür ist der Trainer. Doch wer eigentlich noch? Der Verein geistert teilweise führungslos durch die Gazetten, es fehlt eine Führungsposition, die eben diese Dinge moderiert und abfedert. Rüdiger Ziehl tut dies nicht – ob er es nicht kann oder will, spielt keine Rolle. Zudem ist für einschneidende Veränderungen im Verein gar keine Möglichkeit. Aufgrund der Satzungsänderung schwebt der FCS im luftleeren Raum, ohne wirklich etwas dagegen tun zu können. Viele Verträge laufen kommenden Sommer aus, wie es mit dem Verein weitergeht, bleibt abzuwarten. Keine Situation, die erst einmal Hoffnung macht.
Trainerkarussell
Die größten Verlierer dieser Saison in der 3. Liga sind bislang vor allem die Trainer. Schon vergangenes Jahr wurde mit 14 Entlassungen ein Rekord aufgestellt, auch aktuell erscheint eine erneute Annäherung an diese Marke nicht ausgeschlossen. In der laufenden Spielzeit sind bereits sieben Übungsleiter freigestellt worden: Dominik Glawogger (Waldhof Mannheim), Robert Lechleiter (SSV Ulm 1846), Patrick Glöckner (TSV 1860 München), Benedetto Muzzicato (Alemannia Aachen), Nils Döring (SV Wehen Wiesbaden), Moritz Glasbrenner (SSV Ulm 1846) und Alois Schwartz (1. FC Saarbrücken). Besonders auffällig ist der frühe Zeitpunkt mancher Entscheidungen. Glawogger musste bereits nach dem zweiten Spieltag gehen – einen so frühen Trainerwechsel hatte es zuletzt in der Saison 2020/21 gegeben, als Boris Schommers beim 1. FC Kaiserslautern ebenfalls nach zwei Partien entlassen wurde. Der noch frühere Abschied von Oscar Corrochano bei den Sportfreunden Lotte 2017/18 erfolgte hingegen auf eigenen Wunsch und vor dem Hintergrund interner Streitigkeiten. Mehr Trainerwechsel bis Ende November wurden zuletzt ebenfalls in der Saison 2017/18 verzeichnet, als zu diesem Zeitpunkt bereits neun Übungsleiter ihren Posten verloren hatten. Ganz anders verlief die Spielzeit 2014/15, in der lediglich zwei Trainer den Dezember nicht mehr auf der Bank erlebten. Dass in dieser Saison nun ein neues Acht-Jahres-Hoch droht, hängt zum einen mit den gestiegenen Ansprüchen vieler Clubs zusammen. Vereine wie 1860 München oder der SV Wehen Wiesbaden hatten ambitionierte Ziele formuliert, fanden sich sportlich jedoch früh im Mittelmaß wieder – und zogen die Reißleine. Zum anderen spielen Fehleinschätzungen hinter den Kulissen eine Rolle. Besonders der SV Waldhof gab dabei kein gutes Bild ab, als man in der Sommerpause noch eine Ablösesumme für Glawogger zahlte, ihn aber bereits nach zwei Spielen wieder entließ.
Hält der Trend an, könnte es in dieser Saison zu einem neuen Rekord bei der Zahl der Vereine kommen, die mindestens einmal den Trainer wechseln. In der Vorsaison waren es 14 Clubs, nur sechs Übungsleiter blieben über die gesamte Spielzeit im Amt. Dass Kontinuität dennoch kein Auslaufmodell sein muss, zeigen Beispiele wie Arminia Bielefeld, das trotz großer Kritik an Mitch Kniat festhielt, oder aktuell der F.C. Hansa Rostock, der Daniel Brinkmann im stürmischen Herbst nicht freistellte. Ob sich solche Gegenbeispiele künftig mehren – oder die schnelle Trennung weiter die Regel bleibt –, wird auch diese Saison beantworten.