Die Weltklimakonferenz COP30 hat sowohl Fortschritte als auch Stagnation gebracht. Der anschließende G20-Gipfel lieferte Ergebnisse trotz Drohungen von US-Präsident Trump, Beschlüsse ohne ihn zu fassen.
Bunte Proteste, eine Metropole, die Mühe hatte, alle Beteiligten der großen Weltkonferenz aufzunehmen, ein Brand, der die Konferenz überschattete, ein Präsident, der erst gar nicht angereist war, weil aus seiner Sicht alles nur „großer Schwindel“ ist, ein Bundeskanzler, der für erhebliche Irritationen sorgte, und schließlich ein Präsident (und Gastgeber), der neben seinem großen Engagement für Anliegen der Weltklimakonferenz auch beträchtliche diplomatische Bemühungen an den Tag legen musste.
Was bleibt von dieser COP30, der Weltklimakonferenz im brasilianischen Regenwald, einer Region, deren Schutz von elementarer Bedeutung für das Weltklima ist?
Für die Einschätzung lohnt sich auch ein Blick auf den zweiten, unmittelbar darauf folgenden Gipfel der G20 in Südafrika und die Rolle des US-Präsidenten bei beiden Weltereignissen.
„Die Kluft ist gefährlich groß“
Für den Gipfel in Belém resümierte der „Spiegel“: „Ein Zittersieg in der Verlängerung“. Bundesumweltminister Carsten Schneider zeigte sich „ein bisschen enttäuscht“, EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra sprach von einem Schritt in die richtige Richtung, aber die EU hätte sich mehr gewünscht. UN-Generalsekretär António Guterres meinte, in Zeiten globaler Spaltungen sei es schwieriger denn je, einen Konsens zu finden. Deshalb sei es zwar durchaus ein Erfolg, sich überhaupt auf gemeinsame Ergebnisse verständigt zu haben. Aber „die Kluft zwischen dem, wo wir stehen, und dem, was die Wissenschaft fordert, ist nach wie vor gefährlich groß“. Viele seien deshalb womöglich enttäuscht, darunter Indigene und junge Menschen. Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Ottmar Edenhofer, bemängelte: „Die Staaten versprechen zu wenig und selbst diese Zusagen werden nicht eingelöst.“ Was vereinbart wurde: Es gibt Hilfen für den Regenwald und Klimafolgen-Anpassungen – aber keine Einigung über einen konkreten Ausstiegplan aus fossilen Energien.
Klimafolgen-Anpassung: Reiche Staaten sollen zur Anpassung an die Folgen der Erderwärmung ärmeren Ländern deutlich mehr Hilfe zukommen lassen. Ziel ist eine Verdreifachung der Zusagen von 2019 bis zum Jahr 2035. Ursprünglich hatten die Industrieländer Hilfen von 40 Milliarden Dollar versprochen, aber längst nicht alle haben sich bislang an die Zusagen gehalten. Die Organisation „Brot für die Welt“ kritisierte, auch die Bundesregierung habe in dem Punkt zu den Bremsern gehört.
Auf der letzten Konferenz (COP29 in Baku) war bereits als Ziel genannt worden, die bisher angestrebten 100 Milliarden Doller für Klimaanpassung auf 300 Milliarden (bis 2035) zu erhöhen. Nach Berechnungen im „Adaption Gap Report“ des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP wäre aber eine deutlich höhere Summe notwendig. Der Bericht schätzt, dass jeder Dollar, der jetzt allein in Küstenschutz investiert wird, Schäden in 14-facher Höhe verhindern könnte.
Der Schutz der Regenwälder soll durch die sogenannte Tropical Forest Forever Facility verstärkt werden. Norwegen hat dafür für die nächsten zehn Jahre rund drei Milliarden Euro zugesagt, Brasilien und Indonesien wollen selbst eine Milliarde bereitstellen, auch aus Deutschland gibt es eine Zusage über eine Milliarde.
Einigermaßen komplex sind Fragen zu Handelsmaßnahmen. Klimaschutzmaßnahmen auf der einen Seite können nämlich auch negative Folgen an anderer Stelle haben. Schwellen- und Entwicklungsländer kritisieren klimapolitisch begründete Maßnahmen, etwa den sogenannten Grenzausgleichsmechanismus der EU. Mit diesem Mechanismus will die EU verhindern, dass Produktionen, die innerhalb der EU dem CO2-Emissionshandel unterliegen, ins Ausland abwandern, was zu einer Verlagerung von Treibhausgas-Emissionen führen würde. Die Schwellen- und Entwicklungsländer sehen ihrerseits dadurch eine Behinderung ihrer eigenen Entwicklung. Nun sollen solche Maßnahmen unter Einbeziehung der Welthandelsorganisation (WTO) in den nächsten Jahren verhandelt werden.
Beim eigentlichen großen Ziel sind keine signifikanten Fortschritte erzielt worden. Es geht um das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Klimaschutzabkommen. Das Ziel, die Erderwärmung auf höchsten 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, ist in weiter Ferne, viele halten es eigentlich nicht mehr für erreichbar.
Im Vorfeld der Weltklimakonferenz werden üblicherweise Studien zu den aktuellen Entwicklungen vorgelegt. Nach Berechnungen der Weltwetterorganisation war 2024 das bislang heißeste Jahr, seit entsprechende Aufzeichnungen gemacht werden. Durchschnittlich wurde eine Erwärmung von 1,55 Grad gemessen. UN-Generalsekretär Guterres befand: „Wir sind gescheitert“. Das sagte er auch im Blick auf die Prognosen. Nach Berechnungen im Emissions Gap Report des UN-Umweltprogramms steuert die Welt –
wenn alle bislang zugesagten Klimaschutzmaßnahmen tatsächlich umgesetzt würden – auf eine Erwärmung von 2,3 bis 2,5 Grad zu. Weil aber erfahrungsgemäß die Umsetzung hinter den Zusagen hinterherhinkt, dürften es eher 2,8 Grad sein.
„Die Welt macht ihre Arbeit, so oder so“
Das 1,5-Grad-Ziel war beschlossen worden, weil darüber nach wissenschaftlicher Expertise Kipppunkte erreicht würden, also Entwicklungen, die nicht mehr umkehrbar sind, wie beispielsweise das Abschmelzen von Gletschern und Polkappen, der Anstieg der Meere. Auf den Ausstieg aus fossilen Energieträgern hatte sich der Gipfel vor zwei Jahren schon geeinigt, jetzt sollte ein konkreter Zeitplan her.
Brasiliens Präsident Lula hatte kurz vor Konferenzbeginn überraschend einen Fahrplan für den globalen Ausstieg aus fossilen Energieträgern vorgeschlagen. Mehr als 80 Staaten unterstützten diesen, darunter Deutschland und die EU. Ölstaaten wie Saudi-Arabien und Russland, aber auch China und Indien wollten nicht mitmachen. Damit konnte kein Fahrplan beschlossen werden, zum Abschluss wird lediglich auf den Beschluss der Weltklimakonferenz vor zwei Jahren in Dubai hingewiesen, wo bereits eine grundsätzliche Abkehr von fossilen Brennstoffen beschlossen worden war.
Die USA sind unter Präsident Trump aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen, wie bereits in seiner ersten Amtszeit (2017), folglich waren sie auch in Belém nicht dabei.
Und auch am direkt anschließenden G20-Treffen wollten die USA nicht teilnehmen. Präsident Trump hält bekanntlich wenig von internationalen Organisationen.
Südafrika als Gastgeber hat die Lücke eher als Chance genutzt, um die Situation Afrikas in den Mittelpunkt zu stellen, was sonst beim Treffen der führenden Industrienationen und Schwellenländer eher ein Schattendasein geführt hat. „Wir haben in diesem Jahr anerkannt, dass der wachsende Schuldendruck in Entwicklungsökonomien den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen im Wege steht“, erklärte Präsident Cyril Ramaphosa zum Abschluss. Und im Blick auf Trump: „Die Welt macht ihre Arbeit, so oder so“.