Bei einer Fußball-Weltmeisterschaft kommen in der Regel die besten Spieler aus der ganzen Welt zusammen. Einige namhafte Profis werden diesmal aber fehlen.
Der Spott ist groß. Und als Gianluigi Donnarumma sich vor einigen Wochen fast über das komplette linke Bein ein Batman-Tattoo stechen ließ, wurde der noch größer. Nach dem EM-Sieg 2021 hatte sich der italienische Nationaltorhüter den silbernen Europameister-Pokal auf den Unterarm stechen lassen. Er habe eben nicht mehr warten wollen, bis er den Platz für WM-Erfolge benötigt, spotteten die einen. Ein anderer User schrieb, Donnarumma habe seine sämtlichen WM-Highlights auf dem rechten Bein verewigt. Das ist nämlich noch komplett frei von tätowierten Erinnerungsbildern.
Andere leiden mit dem inzwischen 27-Jährigen, der zweifellos einer der besten Torhüter seiner Generation und sogar amtierender Welttorhüter ist. Im September 2016 debütierte er mit 17 Jahren in der Squadra Azzurra, mit 19 stieg er nach dem Rücktritt von Legende Gianluigi Buffon zum Stammkeeper auf. Bei der EM vor fünf Jahren verbesserte er mit 1.168 Minuten ohne Gegentor den 40 Jahre alten Weltrekord seines Landsmanns Dino Zoff und wurde nach dem Titelgewinn als erster Torhüter überhaupt zum Spieler des Turniers gewählt. Eine WM durfte Donnarumma aber noch nie spielen. Denn – unglaublich, aber wahr – bereits zum dritten Mal in seiner Zeit verpasste Italien die Qualifikation. Wie 2018 und 2022 sind sie auch in diesem Sommer nur Zuschauer.
Donnarummas bittere Tränen
Nun hat der viermalige Weltmeister – mit Ausnahme vom aktuell für Manchester City spielenden Donnarumma – nicht die Stars alter Tage. Keinen Pirlo oder Del Piero, keinen Maldini oder Baresi, keinen Nesta, Altobelli, Baggio, Totti oder Inzaghi. Dennoch ist das nahezu unglaublich. Denn wie gesagt: 2021 wurden die Italiener noch Europameister. Und für diese WM haben sich immerhin 48 Mannschaften qualifiziert. Aber eben nicht die Italiener, die in ihrer Gruppe nach zwei heftigen Niederlagen in den direkten Duellen (0:3 und 1:4) Zweiter hinter Norwegen wurden und dann in Play-offs gegen Bosnien und Herzegowina verloren, das sich erst zum zweiten Mal überhaupt für eine Weltmeisterschafts-Endrunde qualifizierte. Dabei hatte Donnarumma alles versucht: Im Elfmeterschießen soll er den Spickzettel von Bosniens Torhüter Nikola Vasilj vom FC St. Pauli zerrissen haben. „Gestern Abend, nach dem Spiel, habe ich geweint“, schrieb Donnarumma am Tag danach bei Instagram. „Ich habe geweint wegen der Enttäuschung, dass es uns nicht gelungen ist, Italien dorthin zu bringen, wo es hingehört. Ich habe geweint wegen der enormen Traurigkeit, die ich empfinde – zusammen mit der gesamten ‚Azzurri‘-Mannschaft, deren Kapitän ich mit Stolz bin – und von der ich weiß, dass ihr, die Fans unserer Nationalmannschaft, sie in diesem Moment ebenfalls empfindet.“ Denn neben ihm fehlen mit Sandro Tonali von Newcastle United (Marktwert 80 Millionen Euro), Alessandro Bastoni von Inter Mailand (65), seinen Vereinskollegen Nicolò Barella oder Federico Dimarco (beide 50), Inters Sturmhoffnung Pio Esposito (21 Jahre/45 Millionen) oder dem in 26 Länderspielen 13-mal erfolgreichen Stürmer Moise Keane von der AC Florenz durch Italiens Aus einige bekannte Namen. Doch es sind bei Weitem nicht die Einzigen. Denn durch ebenfalls verpasste Qualifikationen oder Verletzungen versäumen doch einige Stars des Weltfußballs diese Endrunde in Nordamerika.
Da ist zum einen Jan Oblak, mit 100 Millionen Euro einst der höchste je notierte Torhüter in der Marktwert-Historie von transfermarkt.de. Bei der EM 2024 erreichte er mit Slowenien noch ohne Niederlage in der Vorrunde das Achtelfinale und verlor gegen Portugal erst im Elfmeterschießen. In dieser Qualifikation schieden die Slowenen und Atlético-Keeper Oblak ohne einen Sieg in der Quali aus und hatten nicht einmal die Zusatzchance über die Play-offs. Damit fehlt auch 75-Millionen-Stürmer Benjamin Sesko von Manchester United, der auch schon für RB Leipzig in der Bundesliga spielte. Ebenso erging es Khvicha Kvaratskhelia und den Georgiern. Auch sie sorgten bei der EM für Furore und erreichten das Achtelfinale. Flügelstürmer Kvaratskhelia gilt nach seinen furiosen Auftritten mit Titelgewinner Paris Saint-Germain sogar als Kandidat auf die Auszeichnung als Weltfußballer, sein Marktwert ist mit 140 Millionen Euro dotiert. Doch in der Quali holten die Georgier ganze drei Punkte aus sechs Spielen.
Überraschungen in Afrika
Durch verpasste Qualifikation ihres Landes werden noch weitere Stars im Sommer Urlaub machen, statt bei der WM auflaufen zu dürfen. So hatte die ehemalige Bayern-Tormaschine Robert Lewandowski mit 37 auf seine dritte und wahrscheinlich dann letzte WM gehofft. Doch die Polen verloren das entscheidende Play-off-Spiel gegen die Schweden mit 2:3. Auf die erste WM-Teilnahme seit 1986 und damit seit 40 Jahren hatten auch die Ungarn gehofft, zumal sie mit Liverpool-Star Dominik Szoboszlai – auch einst in Leipzig unter Vertrag – einen absoluten Star im offensiven Mittelfeld haben. Doch nach Platz drei in der Quali-Gruppe hinter Portugal und Irland war der Traum ausgeträumt. Und fehlen werden aus Europa auch die Dänen mit dem 60-Millionen-Stürmer Rasmus Højlund vom SSC Neapel, dessen Brüder Emil (Schalke) und Oscar (Frankfurt) in Deutschland spielen. Überraschungen gab es vor allem in der afrikanischen Quali, wodurch aus diesem Bereich einige Stars fehlen werden. So verlor Nigeria überraschend frühzeitig gegen die DR Kongo, die erstmals seit 1974 (damals noch als Zaire) dabei sein wird, und verpasste sogar die Play-offs. Stars wie Victor Osimhen (Galatasaray Istanbul/Marktwert 75 Millionen Euro) und Ademola Lookman (Atlético Madrid/55) verpassen damit die Reise nach Nordamerika. Auch Kamerun verlor auf dem Weg in die USA gegen Favoritenschreck Kongo. Der mit 75 Millionen Euro taxierte Stürmer Bryan Mbeumo von Manchester United wird somit ebenfalls nicht dabei sein. Guinea war zwar noch nie bei einer WM dabei, mit Stürmer Serhou Guirassy von Borussia Dortmund waren die Hoffnungen aufs Debüt aber groß. Das gelang aber nicht. Auch weil Guirassy in den ersten vier Spielen nur einmal traf und die letzten beiden verletzt verpasste.
Andere hatten sich mit ihren Teams qualifiziert, sind aber jetzt verletzt. Aus deutscher Sicht ist hier vor allem Serge Gnabry zu nennen. Der Offensivspieler ist mit einer Vergangenheit beim FC Arsenal und nach vielen Jahren beim FC Bayern ein internationaler Star und war bis zu seiner Adduktoren-Verletzung am rechten Oberschenkel in Top-Form. „Schwer zu verdauen“ sei das Aus, schrieb Gnabry bei Instagram. Das gilt auch für den Leipziger Christoph Baumgartner. Als Mittelfeldspieler kam er auf 13 Tore und belegte Rang acht in der Bundesliga-Torschützenliste. Österreich und Trainer Ralf Rangnick setzten große Hoffnungen auf ihn, doch eine Muskelverletzung in der Vorbereitung bremste ihn aus. Eine Woche vorher hatte Baumgartner noch erklärt, er befinde sich „am Peak“ seiner Karriere, in Sachen WM „könnte der Zeitpunkt für mich persönlich nicht besser sein“.
Bitteres Aus für Baumgartner
Den Brasilianern wird Offensivspieler Rodrygo von Real Madrid wegen eines Kreuzbandrisses fehlen. Bei Frankreich fällt der frühere Frankfurter Hugo Ekitiké, der im vergangenen Sommer für 95 Millionen nach Liverpool gewechselt war und dort eine ordentliche erste Saison spielte, wegen eines Achillessehnenrisses aus. Der Ex-Leipziger Xavi Simons hatte mit Tottenham Hotspur keine gute Saison, vermied nur knapp den Abstieg. Die WM hätte eine Wiedergutmachung werden sollen. Doch gerade als der Offensivstar nach einem Trainerwechsel aufblühte, erlitt er einen Kreuzbandriss und wird den Niederlanden fehlen.
In einigen wenigen Fällen fehlen Stars auch einfach deshalb, weil ihr Trainer sie nicht nominiert hat. Besonders rigoros war dabei der Deutsche Thomas Tuchel, der bei der Nominierung von Englands Kader mit Cole Palmer vom FC Chelsea (Marktwert 110 Millionen Euro), Phil Foden von Manchester City (80) und Trent Alexander-Arnold (65) von Real Madrid ein mehr als 250 Millionen Euro wertvolles Trio zu Hause lässt. Wer es sich leisten kann …