Vor 40 Jahren kam das Melodram „Jenseits von Afrika“ in die Kinos und begeisterte ein Millionenpublikum mit der überwältigenden Schönheit Kenias. In den Fußstapfen der Filmhelden Karen Blixen und Denys Finch Hatton alias Meryl Streep und Robert Redford.
Nein, ganz so wie vor 40 Jahren, als Regisseur Sidney Pollack ‚Jenseits von Afrika‘ drehte, ist Kenia heute nicht mehr“, erklärt Philip Eichkorn, Manager von Safari Memories. „Lebten Mitte der 1980er-Jahre noch 20 Millionen Menschen in dem ostafrikanischen Land, sind es heute fast dreimal so viele. Verdreifacht hat sich schätzungsweise auch die Zahl der Rinder und anderer Haustiere. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass sich der Lebensraum von Hippo, Löwe und Co. deutlich verkleinert hat und sich heute im Wesentlichen auf Naturschutzgebiete beschränkt, die ohne die Einnahmen aus dem Tourismus keinen Bestand hätten.“ Die gute Nachricht: Die allerschönsten, die kenianischen Safariperlen sozusagen, hat der Spezialveranstalter vom Rhein im Programm.
Das Safari-Abenteuer beginnt im „Ol Pejeta Bush Camp“ in der gleichnamigen Conservancy am Fuße des majestätischen Mount Kenia. „Ein Conservancy ist ein Naturraum mit nachhaltiger Landnutzung und einem Management, das die lokale Bevölkerung maßgeblich an Entscheidungen beteiligt“, erklärt Eichkorn, der in Kenia längst seine zweite Heimat gefunden hat. „Das passt hervorragend zu unserer Unternehmensphilosophie, wir unterstützen das. Meist stehen diese Conservancies unter Schirmherrschaft einer privat finanzierten Stiftung aus Europa oder Amerika. So auch in diesem Fall.“
Anflug mit der Cessna
Schon der Anflug mit der einmotorigen Cessna ist überwältigend und gestattet „einen flüchtigen Blick auf die Welt mit Gottes Augen“, so wie es Filmheldin Karen Blixen, gespielt von Oscarpreisträgerin Meryl Streep, einst erlebte. Ihr Geliebter, der Großwildjäger Denys Finch Hatton, gespielt von Oscarpreisträger Robert Redford, der im September 89-jährig verstarb, flog mit ihr über die offene Savanne, über den Großen Afrikanischen Grabenbruch und Zehntausende Flamingos.
Beim Landeanflug der Cessna auf die Schotterpiste nimmt eine Horde kräftiger Büffel Konturen an. Einige Dutzend sind es, vielleicht einhundert. Oder mehr. Überragt nur von ein paar Giraffen, die auf den ersten Blick, trotz ihrer enormen Größe, gar nicht so leicht zu erkennen sind. Löwen oder Geparden scheinen wohl nicht in der Nähe zu sein, ein paar zierliche Thomson-Gazellen ziehen gemächlich über die trockene Graslandschaft. Was für ein Anblick!
Nicht minder überraschend und schön ist die herzliche Begrüßung durch das singende Personal des „Ol Pejeta Camps“. Besonders Drei-Generationen-Familien mit kleinen Kindern genießen diese kleine Einlage sichtlich. Die geschmackvoll eingerichteten Zelte am Fluss mit Wohn- und Schlaf- und Sanitärbereich lassen keine Wünsche offen, außer vielleicht dem einen, es sich dort so richtig gemütlich zu machen und gar nicht mehr herauszukommen. Gäbe es da nicht später noch ein dreigängiges Abendessen, welches auch nur einen Wunsch offenlässt, und zwar, das richtige Maß zu finden.
Noch vor dem Morgengrauen geht es auf Pirschfahrt. Über Nacht hat es sich empfindlich abgekühlt, Guide Duma versorgt seine Gäste mit warmen Decken und heißem Tee. Minuten später schon bricht die Dämmerung an. Das geht schnell, so dicht am Äquator. Kurz vor Sonnenaufgang strahlt der Horizont in einem magischen Rot.
Die Natur erwacht. Sollte man meinen. Doch viele Tiere jagen lieber im Schutze der Dunkelheit: Hyänen, Schakale, Servale, Leoparden und natürlich die Löwen. Ein Rudel war erfolgreich, nicht selbstverständlich in jeder Nacht. Die Raubkatzen schlagen sich den Bauch voll, bis nichts mehr geht. Die energiereichen Innereien zuerst. Auch der Kopf findet seine Liebhaber. Wer weiß, ob nicht ein Rudel Tüpfelhyänen vorbeikommt und ihnen die Beute abspenstig macht. Dann ist Zeit zum Dösen, die Löwinnen stillen ihre verspielten Babys, der dominante Löwe bewacht argwöhnisch das Zebra und zieht es ins dichte Gestrüpp – oder das, was von dem Tier noch übrig ist. Dicht auf den Fersen ein Schabrackenschakal, der auf einen Fetzen Fleisch hofft und ihn schließlich auch bekommt.
Eine Hauptattraktion von „Ol Pejeta“ sind die 165 vom Aussterben bedrohten Spitzmaulnashörner und die letzten beiden verbliebenen Nördlichen Breitmaulnashörner weltweit. Allesamt gut bewacht, weit besser geschützt als die Tiere in den staatlichen Nationalparks, wo nach wie vor oft noch gewildert wird.
Nur einen Steinwurf vom Löwenrudel grast eine Spitzmaulnashornkuh mit ihrem Kalb. Von den vollgefressenen Großkatzen haben die beiden nichts zu befürchten. Selbst ausgehungert würden diese nur im Notfall angreifen.
Elefanten baden im Mara River
Als der absolute Höhepunkt einer jeden Kenia-Safari gilt jedoch der Besuch der weltberühmten Masai Mara weiter südlich, die alleine 1,6 Millionen Tiere beherbergt und zusammen mit der Serengeti in Tansania ein zusammenhängendes Ökosystem bildet, das zu den vielfältigsten und beeindruckendsten weltweit gehört.
Im autobiografisch angelehnten Filmepos „Jenseits von Afrika“ zeigt auch Denys Finch Hatton seiner Geliebten Karen Blixen die überwältigende Schönheit der Landschaft am Mara River. Denys ist jetzt Fremdenführer, leitet betuchte Europäer und Amerikaner zu Fuß durch die Savanne. Mit dem Jagdverbot der bereits stark dezimierten Elefanten durch die britische Kolonialregierung 1921 war sein Job als Großwildjäger passé. Die Anzahl der Dickhäuter war bereits bedenklich geschrumpft.
Die Population hat sich mittlerweile prächtig erholt. Ein ganz besonderes Schauspiel bietet jeden Vormittag gegen 10 Uhr eine große Herde Elefanten. Die Rüsseltiere durchqueren den Mara, vorbei an urzeitlich aussehenden Krokodilen und tonnenschweren Hippos, und nehmen dabei ein ausgiebiges Bad. Besonders die vielen Jungtiere scheinen unendlich viel Spaß dabei zu haben. Die wenigen Jeeps am Ufer und ihre fotografierenden Insassen scheinen sie dabei nicht im Geringsten zu stören. Warum auch? Geschossen wird hier nur noch mit Handy und Kamera.
Doch die Masai Mara ist vor allem das Revier der Katzen. Löwen sieht man fast überall in den ostafrikanischen Parks. Geparde mit etwas Glück, Leoparden fast nie. Anders hier und in der angrenzenden Mara Naboisho Conservancy.
Francis Saruni ist Masai und Guide des „Rekero Camps“, das in puncto Komfort, Gastlichkeit und Kulinarik Maßstäbe setzt. Er kennt das Unterholz wie seine Westentasche und weiß, wo Leoparden-Mama Luluka ihr Baby versteckt hält. „Sechs Monate ist Riziki jetzt alt und hat schon einen Bärenhunger.“
Die Sonne steht bereits recht hoch, als sich die Leopardin ganz vorsichtig an ein dichtes Gestrüpp anpirscht. „Luluka hat irgendein Tier dort gewittert. Vielleicht ein Wildkaninchen oder ein Perlhuhn“, weiß Francis. „Sie muss Beute machen, um jeden Preis. Zwei Babys aus ihrem Wurf hat sie bereits verloren.“
Traumstrand nahe Mombasa
Die Spur scheint sich verloren zu haben, Luluka dreht ab, hat eine neue Fährte aufgenommen, ein Savannenwaran. In Sichtweite. Vorsichtig schleicht sich die Katze an, nutzt gar die beiden Jeeps als Deckung, schlüpft zwischen den Autos hindurch.
Alles vergebens, der Waran hat die Katze längst entdeckt, entschwindet unerreichbar in einer Erdspalte. Nicht an jedem Tag gibt es was zu fressen in Afrikas Wildnis.
So fantastisch die schönste Safari der Welt auch sein mag, so sehr lockt irgendwann das türkisfarben schimmernde Meer an von Palmen gesäumten, breiten Puderzuckerstränden, um den Urlaub richtig rund zu machen. Kenia ist mit beidem gesegnet. Den schönsten gibt es südlich von Mombasa, den Diani Beach. Über 17 Kilometer erstreckt sich ein weißer Sandstrand mit glasklarem Wasser. Der Strand ist berühmt für seine vielfältigen Sportmöglichkeiten. Schwimmen, Segeln, Surfen, Kiten, die reiche Unterwasserwelt beim Tauchen und Schnorcheln bestaunen oder den einen oder anderen dicken Brocken beim Angeln an Bord hieven. Das bereitet besonders Kindern einen Heidenspaß, denn die Fische, die hier an den Haken gehen, sind meist so groß wie sie selbst.
Im Handumdrehen lösen die Skipper die zarten Filets aus. Wie man diese dann am Abend stilvoll bei Kerzenschein am Strand verspeist, machen wiederum die Oscarpreisträger Meryl Streep und Robert Redford in ihrem grandiosen Filmepos vor.