Mehr als 2.500 öffentliche Parks und Grünanlagen sind über Berlin verteilt, dazu kommen Seen und Wälder. Manche dieser Orte liegen mitten in dicht bebauten Vierteln und fühlen sich trotzdem erstaunlich weit weg an.
Berlin ist erstaunlich grün. Das zeigt sich nicht nur an den großen Klassikern wie Tiergarten, Tempelhofer Feld oder Volkspark Jungfernheide. Überall in der Stadt gibt es ruhige, idyllische Orte mit viel Natur und ganz eigenem Charakter. Sieben davon stellen wir hier vor. Alle sind gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.
Lietzensee
Stadtpark mit Seeblick
Wer am Lietzensee unterwegs ist, vergisst leicht, wie dicht Charlottenburg rundherum bebaut ist. Entlang des Wassers führt eine knapp zweieinhalb Kilometer lange Uferpromenade. Trauerweiden hängen über dem See, dazwischen liegen Staudengärten, stehen kleine Kunstwerke und immer wieder Bänke mit Blick aufs Wasser. Zu entdecken ist etwa die Sandsteinskulptur „Vogeltränke mit zwei Seelöwen“. Filmfans kennen vielleicht auch die „Große Kaskade“ am südlichen Ende des Parks: Die historische Brunnenanlage diente 1992 als Drehort für „Otto – Der Liebesfilm“.
Grunewald
Kiesgrube, Badesee und weiter Blick
Am S-Bahnhof Grunewald beginnt eine Tour, bei der Berlin schnell hinter Bäumen verschwindet. Erstes Ziel kann die 18 Hektar große Kiesgrube sein, die rund 25 Meter unter dem ursprünglichen Bodenniveau liegt. Danach geht es weiter zum Teufelssee, einem beliebten Badesee, an dem mit und ohne Badekleidung gebadet wird. Wer noch Lust auf ein paar Höhenmeter hat, läuft Richtung Teufelsberg. Auf dem rund 120 Meter hohen Trümmerberg stehen die markanten Reste der früheren US-amerikanischen Abhörstation; Teile des Geländes dienen heute als Streetart-Galerie. Der Besuch des Areals kostet Eintritt. Kostenlos bleibt die Runde außen herum – oder der Abstecher auf den benachbarten Drachenberg. Von dort hat man den Teufelsberg samt Abhörstation gut im Blick.
Volkspark Friedrichshain
Geschichte unter dichtem Grün
Berlins ältester kommunaler Park erzählt seine Geschichte nicht sofort. Unter zwei dicht bewachsenen Hügeln liegen Trümmer des Zweiten Weltkriegs. Rund um zwei 1941 errichtete Bunker lagerte man nach Kriegsende Schutt zerstörter Häuser hier ab. Erde, Bäume und Sträucher machten im Lauf der Zeit aus den Trümmerbergen – dem Großen Bunkerberg, bekannt als „Mont Klamott“, und dem Kleinen Bunkerberg – grüne Ausflugsziele.
Dazwischen ist der Volkspark erstaunlich heiter. Der Schwanenteich liegt in einem Tal zwischen den Hügeln, an seinem Ufer steht die Weltfriedensglocke. Es gibt einen Staudengarten, die plätschernde Wasserglocke und vor allem den Märchenbrunnen. Zwischen 1902 und 1913 entstanden, gehört er zu den verspieltesten Ecken des Parks. Wasserspeiende Frösche, Tierfiguren und Märchenskulpturen sorgen dafür, dass es hier immer etwas zu entdecken gibt. Kinder planschen, Erwachsene sitzen am Rand oder auf einer der Bänke. Ein Ort, an dem das Nebeneinander wie selbstverständlich funktioniert.
Schlosspark Charlottenburg
Gartenkunst mit Eichhörnchen
Im Schlosspark Charlottenburg trifft gepflegte Gartenkunst auf überraschend viel Natur. Seine Geschichte begann 1695 unter Kurfürstin Sophie Charlotte. Heute führt ein Spaziergang durch mehr als 300 Jahre Gartenkunst: nahe am Schloss mit Anklängen an den früheren Barockgarten, weiter draußen mit Landschaftsgarten, Wasser und Waldwegen. Und dann sind da noch die tierischen Bewohner. Eichhörnchen und Kaninchen lassen sich mit etwas Glück beobachten, ebenso Schwäne und Kraniche. Auch eine Schafweide gehört zum Bild. Der Park ist großzügig und gepflegt, mit idyllischen Arealen und jeder Menge ruhiger Bänke zum Verweilen.
Viktoriapark
Wasserfall mitten in Kreuzberg
Der Viktoriapark ist nicht riesig, hat aber erstaunlich viel zu bieten. Auf dem 66 Meter hohen Kreuzberg steht Schinkels Nationaldenkmal, von wo aus sich ein weiter Blick über die Stadt öffnet, darunter rauscht in den wärmeren Monaten der Wasserfall. Gleich daneben wird es fast ein wenig wild: In der Wolfsschlucht rinnt Wasser aus drei Quellen in einen Teich, dichter Bewuchs schirmt zu den Straßen ringsum verblüffend gut ab. Am Rand zum Mehringdamm liegt ein Rosengarten. Und am Nordhang wächst seit den 1970er Jahren sogar Wein. Ob Picknick, kurze Runde, längerer Spaziergang oder ein Platz zum Sitzen nach Feierabend – hier ist alles möglich. Kein Wunder, dass der Viktoriapark so beliebt ist.
Bürgerpark Pankow
Rosen, die Panke und alte Bäume
Schon das prächtige Eingangsportal im Stil der italienischen Neorenaissance kündigt an, dass dahinter etwas Besonderes beginnt. Der zwölf Hektar große Bürgerpark Pankow zieht sich entlang der Panke, manche Bäume stehen hier schon seit 150 Jahren. Eichen, Buchen und Ahorn prägen das Bild. Dazu kommen eine alte Sumpfzypresse, Maulbeerbaum, Trompetenbaum, Tulpenbaum und sogar ein Mammutbaum. Im Sommer hat der Park noch einmal ein anderes Gesicht: Dann blüht der Rosengarten, und gelegentlich gibt es im Musikpavillon Konzerte. Viel Grün, viel Platz und trotzdem die stilvolle Atmosphäre eines gepflegten Parks.
Natur-Park Südgelände
Wildnis auf alten Gleisen
Kaum ein Berliner Park verbindet Natur und Stadtgeschichte so eigenwillig wie das Südgelände. Auf dem früheren Rangierbahnhof fährt seit 1952 kein Zug mehr. Die Natur hat sich die Flächen längst zurückgeholt. Wald und Trockenrasen wachsen zwischen Relikten der Bahnzeit: Schienen, Wasserkräne, Weichen, eine historische Dampflok, eine alte Drehscheibe und der 50 Meter hohe Wasserturm stehen noch da.
Zwei Rundwege führen durch das Gelände. Der kleine ist etwa einen Kilometer lang, der große misst 2,7 Kilometer und verläuft teilweise über einen leicht erhöhten Stahlgittersteg durch das Naturschutzgebiet. Im Sommer blühen Sand-Strohblumen, seltene Habichtskräuter und später Nachtkerzen. Ende Mai färben Wildrosen Teile des alten Bahnhofs rosa. Kunstwerke, Graffiti und eine Liegewiese am verfallenen Stellwerk kommen noch dazu. Ab 14 Jahren kostet der Eintritt einen Euro. Viel günstiger lässt sich eine kleine Expedition mitten in Berlin kaum haben.
An diesen und vielen anderen Orten gibt Berlin seinen üblichen Großstadtrhythmus für eine Weile auf. Dann zählen Wasser, alte Bäume, blühende Wiesen, Schatten und vielleicht ein Eichhörnchen, das quer über den Weg flitzt. Platz gibt es für Bewegung und Ruhe, für Kinder, Jogger, Familien, Besucher und alle, die einfach für eine Stunde raus wollen: grüne Oasen, die sich im Lauf der Jahreszeiten verändern und immer wieder neue, reizvolle Seiten zeigen.