Beim Buchmesse Saar-Festival 2026 verspricht das Live-Hörspiel „John Sinclair – Horror-Disco“ Unterhaltung mit Gänsehaut-Momenten.
Ein unheimlicher Fall führt Geisterjäger John Sinclair nach Schottland. Auf einem Friedhof nahe einer alten Burg soll der Geist einer Serienmörderin umgehen. Doch die Burg steht längst nicht mehr verlassen in der Landschaft, sondern beherbergt eine Disco. In ihren Mauern dröhnen Bässe, Lichter zucken durch die Nacht, Menschen tanzen. Für den Geist gibt es dort genug Opfer.
In „Horror-Disco“ geraten John Sinclair und seine Gefährten in einen Fall, der alles mitbringt, was Fans der Kultserie lieben: unheimliche Erscheinungen, schwarze Magie, tödliche Geheimnisse und Gänsehautmomente, die für angenehmen Schauer sorgen. Demnächst kommt die Geschichte auf Einladung des Buchmesse-Saar-Festivals 2026 als Live-Hörspiel auf die Bühne des Theaters am Ring in Saarlouis. Das Publikum erlebt keine Lesung, sondern einen Abend zwischen Theater, Hörspiel, Gruselshow und akustischem Kopfkino: starke Stimmen, Musik, Licht, Soundeffekte und jede Menge Atmosphäre.
Für Karsten Wolter, Initiator, Leiter und Organisator des Buchmesse-Saar-Festivals, erfüllt sich damit ein besonderer Wunsch. „Unser gesamtes Team und viele unserer Freunde und Bekannten sind seit vielen Jahren große Fans der John-Sinclair-Hörspiele“, sagt er. „Als wir gehört haben, dass es eine Live-Umsetzung mit so großartigen Schauspielern und Stimmen wie Katy Karrenbauer, Dietmar Wunder, Martin May und Gregor Höppner geben wird, war uns sofort klar, dass wir es irgendwie hinbekommen wollen, einen solchen Auftritt im Rahmen unseres Festivals möglich zu machen.“ Einfach sei das nicht gewesen. Doch es gelang, einen Termin zu finden, an dem alle Beteiligten verfügbar sind.
Auch Dietmar Wunder freut sich auf den Abend. Er spricht unter anderem Daniel Craig als James Bond und leiht seit Folge 100 auch John Sinclair seine Stimme. Gerade ist mit „Invasion der Riesenkäfer“ Teil 193 der Hörspielreihe erschienen. Am Anfang habe er den Geisterjäger noch „ein bisschen wilder und frecher“ angelegt, erzählt Wunder. Mit der Zeit sei Sinclair souveräner geworden, auch selbstironischer. Das Wichtigste: „Er stellt sich immer wieder aufs Neue der Aufgabe, die Menschen vor dem Bösen zu retten. Dabei ist ihm das Team wichtig. Gemeinsam schaffen sie es, dass das Gute siegt.“
Alle Hören, was man lieber nicht sehen möchte
Erfunden hat John Sinclair der Autor Helmut Rellergerd, besser bekannt unter seinem Pseudonym Jason Dark. Sein erstes Abenteuer erschien 1973: „Die Nacht des Hexers“, in der der Geisterjäger zum ersten Mal eine Rolle spielte. Der Autor dachte sich schon als Kind Geschichten aus. Eigentlich wollte er Reporter werden, doch seine Eltern waren dagegen. Also lernte er zunächst den „anständigen“ Beruf eines Chemotechnikers. Doch die Geschichten ließen ihn nicht los. Anfang der 1970er-Jahre gab er seinen Beruf auf und wechselte als Redakteur in die Romanredaktion des Bastei-Verlages. Er schrieb Krimis, Western und schließlich Horror: Aus dem ersten Band der Reihe „Gespenster-Krimi“ wurde der erste John-Sinclair-Roman, der ab 1978 zur eigenständigen Heftroman-Serie „Geisterjäger John Sinclair“ wurde. Jason Dark schrieb fortan Monat für Monat neue Abenteuer. Hinter dem Namen steht mittlerweile nicht nur Helmut Rellergerd, sondern auch ein Team von Co-Autoren. Die Zahlen sprechen für sich: Weit mehr als 250 Millionen Romane und über acht Millionen Hörspiele der Marke „John Sinclair“ wurden bereits verkauft. Der Geisterjäger-Kosmos umfasst auch E-Books, Sondereditionen, Comics, Brettspiele, Fernsehproduktionen, ein Computerspiel und große Fan-Treffen.
John Sinclair gilt als erfolgreichste deutsche Gruselserie im wöchentlichen Erscheinungsrhythmus. Ihre Welt folgt einem klaren Prinzip: Krimihandlung, übernatürlicher Horror, starke Gegenspieler und ein Held, der sich der Finsternis entgegenstellt. Der Geisterjäger arbeitet als Oberinspektor bei Scotland Yard in einer Sonderabteilung für übersinnliche Phänomene.
Dietmar Wunder beschreibt John Sinclair nicht als unverwundbaren Superhelden, sondern als jemanden, der dunkle Mächte bekämpft, aber das Menschliche nicht verliert. Genau darin liegt vielleicht ein Teil des Erfolgs. Menschen gruseln sich gern, solange sie wissen: Das Böse darf groß sein, aber es siegt nicht. Dieses Rezept kommt auch bei „Horror-Disco“ zur Anwendung. Eine Burg wird zum Club, ein Friedhof zur Bühne des Grauens, eine Serienmörderin kehrt als Geist zurück. Alles ist größer, dunkler, unheimlicher als im Alltag. Und doch liegt darunter eine tröstliche Idee: Der Geisterjäger stellt sich dem Grauen entgegen.
Das ist spannend zu lesen, gruselig zu hören und unterhaltsam zu erleben. Hörspiele entstehen normalerweise im Studio. Die Stimmen werden einzeln aufgenommen, jede Figur spricht ihren Part, später kommen Musik, Geräusche und Spezialeffekte dazu. Dass das hervorragend funktioniert, zeigen die bisher fast 200 Folgen der Geisterjäger-Hörspielreihe. Doch live entfaltet sich noch einmal ein eigener Zauber. Dann stehen die Sprecher gemeinsam auf der Bühne. Das Publikum erlebt, wie sie aufeinander reagieren, wie Spannung entsteht, wie Musik, Geräusche, Licht und Timing ineinandergreifen. „Es ist eine szenische Lesung, aber eigentlich noch mehr: ein Film ohne Film, Grusel-Kino für die Ohren“, erklärt Dietmar Wunder. „Horror-Disco“ spiele nicht nur mit Schrecken, sondern auch mit Humor und Tempo. Ein Kommentar aus dem Netz bringt es treffend auf den Punkt: „schön eklig und unterhaltsam“.
Privat würde Dietmar Wunder nie einen Horrorfilm ansehen, sagt er. Das sei ihm viel zu gruselig. In seiner professionellen Rolle als Sprecher sieht das anders aus. Bei „Shining“ von Stephen King etwa habe er großen Spaß gehabt. Als Sprecher sucht er den Ausdruck, die Spannung, den Menschen hinter der Stimme. Gerade in Zeiten von KI sieht er darin auch eine Aufgabe: „Ich möchte Hörern etwas Echtes bieten und das Menschliche bewahren.“
Das passt erstaunlich gut zu John Sinclair. Er kämpft nicht nur gegen Dämonen, Ghouls, Zombies, Werwölfe, Vampire und andere Gestalten aus der Dunkelheit. Er kämpft vor allem für Menschen. Seine Aufgabe lautet, sie vor dem Bösen zu beschützen. Und er weiß, dass ihm das am besten gemeinsam mit seinem Team gelingt. Seine Gefährten, unter anderem Jane Collins und Suko, sind nicht einfach Nebenfiguren. Sie geben dem Geisterjäger Halt, Verstand und Gegenkraft. Der Kern der Serie bleibt deshalb trotz aller Monster, Friedhöfe und Flüche erstaunlich menschlich: Gemeinsam schaffen sie es, dass das Gute siegt.
Wer den Geisterjäger kennt, trifft auf vertraute Stimmen und eine Geschichte mit Kultfaktor. Wer neu einsteigt, erlebt einen Abend, der zeigt, warum er seit mehr als fünf Jahrzehnten begeistert: wegen der Fälle, der Figuren, der Atmosphäre – und wegen dieses besonderen Moments, wenn im Saal das Licht schwindet, die Musik einsetzt und plötzlich alle hören, was man lieber nicht sehen möchte.