In der Hauptreisezeit kann es an Autobahn-Ladestationen eng werden. Um Stau zu vermeiden, setzen Anbieter auf höhere Preise, nächtliche Rabatte oder „Lade-Sheriffs“. Sechs Tipps, wie man am besten spart.
Elektrisch in den Urlaub zu fahren, gleicht heute keinem Abenteuer mehr. Entlang der europäischen Autobahnen ist das Lade-Netz so dicht, dass selbst Roadtrips bis Portugal problemlos möglich sind. Außerdem schaffen die meisten Modelle heute locker 300 Kilometer am Stück.
Herausfordernd kann die Fahrt während der Ferienzeit trotzdem werden: Genau wie an Benzin-Tankstellen kommt es an Ladestationen entlang der Hauptreiserouten hin und wieder zu Wartezeiten. Vor allem an Raststätten mit schlechter Infrastruktur kann das zu Frust führen.
Um solche „Lade-Staus“ zu vermeiden, reagieren die Ladestromanbieter mit höchst unterschiedlichen Strategien. Einige erhöhen ihre Preise während der Stoßzeiten, während andere nächtliche Rabatte anbieten oder den Verkehr mithilfe von „Lade-Sheriffs“ regeln. Ein Anbieter geht den gegensätzlichen Weg und senkt pauschal seine Tarife. Mit diesen Tipps laden Sie Ihr E-Auto im Urlaub am günstigsten.
Abo bei einem Ladestromanbieter abschließen
Durch ein Abonnement bei einem Ladestromanbieter lassen sich die Kosten auf langen Strecken erheblich senken. Zwar fällt dafür fast immer eine monatliche Grundgebühr an. Diese hat man jedoch oft bereits nach wenigen Ladevorgängen wieder „reingeholt“, da der Preis pro Kilowattstunde deutlich sinkt.
So bietet der deutsche Marktführer EnBW gegen eine Grundgebühr von 11,99 Euro den Ladetarif „L“ an. Dadurch reduzieren sich die Preise an EnBW-Ladestationen von 0,56 Euro auf 0,39 Euro pro Kilowattstunde. Bei einem Akku mit einer Kapazität von 70 Kilowattstunden bedeutet das: Man zahlt 27,30 Euro statt 39,20 Euro. Die Abo-Gebühr hätte sich in diesem Fall also bereits nach einmaligem „Volltanken“ amortisiert.
Aktuell bietet EnBW einen Rabatt an: Bis zum 30. September sinken die Preise in allen Abo-Varianten um fünf Cent pro Kilowattstunde, also beim Ladetarif „L“ beispielsweise auf 0,34 Euro pro Kilowattstunde.
Der Anbieter Allego senkt in der Ferienzeit ebenfalls seine Preise. Im Juli und August kostet die Kilowattstunde dort 39 Cent, wenn man in der App ein Abo abschließt. Dieses gilt im gesamten europäischen Allego-Netz (Vereinigtes Königreich, Niederlande, Frankreich, Belgien, Deutschland, Österreich, Slowenien, Dänemark und Schweden). Laut Allego lassen sich durch das Sommerangebot bis zu 49 Prozent pro Ladevorgang sparen.
Wichtig: Das Sommer-Abo läuft zwei Monate kostenlos. Es muss gekündigt werden, damit es danach nicht automatisch zum Preis von 9,99 Euro pro Monat weiterläuft.
App oder Ladekarte des jeweiligen Anbieters nutzen
Elektroautos lassen sich heutzutage unkompliziert laden. Fast alle Schnelllader an europäischen Raststätten akzeptieren Kreditkarten oder Ladekarten eines Fremdanbieters.
Das Problem: Dieses „Roaming“ lassen sich die Anbieter teuer bezahlen. Laut einer Untersuchung des ADAC ist das sogenannte Ad-hoc-Laden an der Autobahn bis zu 62 Prozent teurer, als wenn man vertragsbasiert lädt. Zudem ist bei Kartenzahlungen oft nicht klar, wie hoch genau die Preise sind – Verbraucherschutzorganisationen klagen in diesem Zusammenhang schon lange über mangelnde Transparenz.
Fast immer günstiger kommt man, wenn man die App oder Ladekarte des jeweiligen Anbieters nutzt, also etwa an EnBW-Ladestationen mit der EnBW-App lädt.
Der Nachteil dieser Variante: Man muss unzählige Apps installieren oder Ladekarten mit sich herumschleppen.
Randzeiten an Ladestationen nutzen
Wer abends oder früh morgens reist, profitiert gleich doppelt. Zum einen ist die Gefahr deutlich geringer, dass es zu „Lade-Staus“ (oder regulären Verkehrsbehinderungen) kommt. Zum anderen gibt es Anbieter, die außerhalb der Hauptreisezeit ihre Preise senken, um den Ansturm zu entzerren.
Bei Tesla gilt das Prinzip der dynamischen Preise schon länger: Zu Uhrzeiten, an denen am „Supercharger“ nichts los ist, kostet die Kilowattstunde weniger als während der Rush-Hour. Die aktuellen Preise werden in der Tesla-App und im Tesla-Navi angezeigt.
Auch bei Shell Recharge gibt es dynamische Preise. Diese richten sich allerdings nicht nach der Auslastung der Ladestationen, sondern nach dem Strombörsenpreis. Für Reisende, die gerne tagsüber unterwegs sind, ist das eine gute Nachricht: Wenn mittags die Sonne scheint, ist der Strompreis in der Regel am günstigsten, weil dann genügend (Solar-)Strom zur Verfügung steht.
Konkret kostet der Strom an Shell-eigenen Schnellladern zwischen 0,59 Euro und 0,65 Euro pro Kilowattstunde (ohne Abo) beziehungsweise zwischen 0,44 Euro und 0,49 Euro (mit Abo).
Der Anbieter Ionity setzt auf ein Belohnungssystem: Wer zwischen 22 Uhr und 6 Uhr anstöpselt, erhält eine Gutschrift in Höhe von fünf Kilowattstunden. Voraussetzung: Man muss über die App laden und mindestens 40 Kilowattstunden Strom pro Ladevorgang tanken.
Nicht zu lange am Schnelllader verweilen
Um Lade-Staus zu vermeiden, berechnen viele Anbieter einen Aufschlag für lange Aufenthalte. Bei Shell Recharge fällt nach einer Stunde eine Blockiergebühr von 15 Cent pro Minute an. An Tesla-Superchargern wird eine „Überlastungsgebühr“ fällig, wenn E-Autos nach einem Akkufüllstand von 80 Prozent weiterhin angesteckt bleiben. Die Überlastungsgebühr variiert je nach Land. In Deutschland beträgt sie 50 Cent pro Minute.
Der Anbieter Ionity versucht, den Verkehrsfluss zwischen 9 und 17 Uhr durch einen Anreiz zu steuern: „Wird das Fahrzeug vom Ladepunkt getrennt, bevor der Ladestand 85 Prozent erreicht, wird automatisch eine Gutschrift in Höhe von 5 kWh gutgeschrieben“, schreibt das Unternehmen auf seiner Website.
Manche Anbieter verzichten auch ganz auf Belohnungen oder Strafen: So gibt es weder bei Aral Pulse noch bei EWE Go ein solches Bonus-Malus-System – zumindest dann nicht, wenn man die Ladestation mit der firmeneigenen App startet.
Ewig aufhalten sollte man sich am Schnelllader trotzdem nicht: Zum einen, weil der Ladevorgang nach einem Stand von 80 Prozent ohnehin deutlich langsamer vonstattengeht als vorher. Zum anderen wegen der „Elektro-Ehre“: Wer will schon einen Ladeplatz blockieren, während andere in der Hitze darauf warten?!
Ladeparks statt Raststätten ansteuern
Zudem kann es sich lohnen, die Autobahn für Ladestopps kurz zu verlassen – selbst, wenn man dafür einen kleinen Umweg fahren muss. Die großen Ladeparks der Ladestromanbieter liegen zwar meist etwas abseits der Strecke, zum Beispiel an Autohöfen oder in Industriegebieten. Dafür stehen dort oft zehn, 20 oder noch mehr Lademöglichkeiten zur Verfügung. Die Wahrscheinlichkeit, hier in einen Lade-Stau zu geraten, ist also deutlich geringer.
Ein weiterer Bonus: ein höherer Ladekomfort als auf Raststätten. Diese machen E-Auto-Fahrerinnen und -Fahrer mit fehlenden Überdachungen, Toiletten und Laternen das Leben derart schwer, dass beim letzten ADAC-Test im Jahr 2025 die Hälfte der getesteten Anlagen die Note „mangelhaft“ oder „sehr mangelhaft“ erhielt.
Im Gegensatz dazu verfügen die Ladeparks der neuesten Generation fast immer über diese Standardausstattung. Manche wie der „Ladepark Hilden“ bieten sogar einen Restaurant-Betrieb – längst noch keine Selbstverständlichkeit an einer Strom-Tankstelle.
Wo sich die einzelnen Ladeparks befinden, zeigen die jeweiligen Apps der Ladeanbieter. Einige bieten individuelle Routenplaner an: Je nach Fahrzeug und Batteriegröße berechnen die Apps automatisch Ladestopps. Manchmal gibt es auch Filterfunktionen, sodass nur besonders schnelle Ladeparks oder solche mit Verzehrangebot angezeigt werden. Ein bisschen Herumprobieren lohnt sich.
Ausnahmen bestätigen die Regel
Audi senkt die Preise an seinen deutschen „Charging-Hubs“, also in Nürnberg, München, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Bremen und Kiefersfelden: Bis zum 31. August kostet die Kilowattstunde dort lediglich 39 Cent, aber nur wenn man mit EC-Karte oder Kreditkarte bezahlt. In diesem Fall ist die Direktzahlung also tatsächlich günstiger als der Abschluss eines Abos – Ausnahmen bestätigen die Regel.