Die Bundesregierung fördert die Elektromobilität mit einer neuen Kaufprämie. Bei näherem Hinsehen zeigt sich: Mit Klimaschutz haben die Subventionen wenig zu tun.
Als die Ampel-Regierung Ende 2023 die Förderung von E-Autos abrupt einstellte, brachen die Zulassungszahlen rapide ein. Der Markt erholte sich nur langsam, bis die Batterieautos im Dezember 2025 einen kleinen Rekord hinlegten: 22,2 Prozent aller neu zugelassenen Autos waren in diesem Monat rein elektrisch.
Möglich wurde das Comeback der Stromer durch eine Rabattschlacht der Autoindustrie: Viele Hersteller hatten ihre Preise zuletzt massiv gesenkt, um den schwächelnden Absatz anzukurbeln. Der durchschnittliche Preisunterschied zwischen Verbrennern und E-Autos betrug laut einer Studie des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer zuletzt nur noch 1.600 Euro. Prominentestes Beispiel: Im Januar senkte Dacia seine Preise. Deutschlands günstigstes Elektroauto, der Kleinwagen Dacia Spring, startet bei 11.900 Euro.
Solche Rabattaktionen zeigen: Der Markt funktioniert. Dass die Bundesregierung nun eine neue Förderung auflegt, kommt daher vor allem der Autoindustrie entgegen. Es ist abzusehen, dass diese ihre eigenen Rabatte zurückfahren und die neuen Subventionen in die Preiskalkulation einbeziehen wird. Möglich also, dass der Staat viel Geld verschenkt, ohne dass E-Autos am Ende signifikant billiger werden. Doch das ist noch der geringste Grund, der gegen die neue Kaufprämie spricht.
Bis zu 6.000 Euro schießt der Staat ab sofort zu, wenn Privatpersonen ein neues Elektroauto kaufen oder leasen. Die Förderung gilt für Fahrzeuge, die seit dem 1. Januar 2026 zugelassen wurden. Man wolle damit „etwas für die Umwelt tun, für unsere europäische Autoindustrie und für die Haushalte, die sich ohne Unterstützung noch kein Elektroauto leisten können“, beteuerte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) bei der Vorstellung des Programms.
Ladestromtarife bleiben außen vor
Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass vor allem der mittlere Teil seines Statements zutrifft: In erster Linie hilft das Geld weder den Kunden noch dem Klima, sondern vor allem den Konzernen. Dies zeigt sich vor allem daran, dass nicht auch Plug-in-Hybride und sogenannte Range-Extender förderfähig sind – also Autos, die sowohl mit Benzin als auch mit Strom fahren. Plug-in-Hybride sollen den Übergang zur Elektromobilität erleichtern, weil sie für längere Strecken einen Benzintank an Bord haben. In die Förderung fallen nur Fahrzeuge, die mindestens 80 Kilometer rein elektrisch fahren können. Das Problem: In der Praxis sind die Hybridmodelle kaum klimafreundlicher als Verbrenner. Eine Analyse der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) vom Oktober 2025 zeigt, dass die Fahrzeuge im Straßenbetrieb durchschnittlich 135 Gramm CO₂ pro Kilometer ausstoßen – bei Verbrennern sind es nur etwas mehr, nämlich 166 Gramm. Die schlechten Werte liegen offenbar vor allem am Nutzerverhalten: Wer einen Plug-in-Hybrid besitzt, fährt ihn oft wie einen Verbrenner und lädt die Batterie also gar nicht auf. Bequemlichkeit schlägt Klimaschutz, oder wie es T&E-Geschäftsführer Sebastian Bock ausdrückt: Plug-in-Hybride drohten „zum trojanischen Pferd der Flottengrenzwerte [zu] werden.“
Dementsprechend kritisch fallen die Reaktionen auf das Förderprogramm aus. „Dicke SUVs und klimaschädliche Plug-in-Hybride zu fördern, ist allerdings ein Irrweg“, schreibt Greenpeace in einer Stellungnahme. Der Gegenvorschlag des Umweltverbandes: Die Bundesregierung solle Förderprogramme lieber mit einer Abgabe für besonders klimaschädliche Verbrenner gegenfinanzieren. Die Deutsche Umwelthilfe glaubt, dass der Umstieg auf E-Autos durch die Prämie gar nicht unbedingt attraktiver wird: „Während die Bundesregierung energieintensive Industrien beim Strompreis subventioniert, zahlen E-Auto-Fahrer bis zu 89 Cent pro Kilowattstunde Strom.“ Tatsächlich greift die Bundesregierung das drängende Problem der Ladestrom-Tarife in ihrem Förderprogramm überhaupt nicht auf. Auch die Prämisse, die europäische Autoindustrie zu fördern, wird nur bedingt erfüllt. Immerhin gilt die Subvention für alle Modelle, hilft also auch chinesischen Herstellern, die verstärkt nach Europa drängen.
Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer hält die staatliche Prämie daher für sinnlos und widersprüchlich zugleich: Einerseits werde eine Förderung für E-Autos aufgelegt, sagte er im Gespräch mit dem Nachrichtenportal T-Online. Andererseits „kämpfen der Kanzler und große Teile der CDU und CSU um die Aushebelung des Verbrenner-Verbots.“ Die drei Milliarden Euro, die die Bundesregierung investiert, drohen am Ende einfach zu verpuffen. Dem Klima ist damit nicht geholfen, der Kundschaft nur bedingt – und am Ende vermutlich nicht mal der Wirtschaft.