Ist von Harrison Ford die Rede, ist ein Thema derzeit nicht weit weg: Indiana Jones. Anlässlich des Kinostarts seines letzten Films in dieser Paraderolle werfen wir einen Blick auf seine Karriere, die Heldenfilme der 1980er-Jahre und Fords ganz eigene Art, mit unliebsamen Fragen umzugehen.
Die Information mag nun überraschend kommen, aber im letzten Jahr feierte Harrison Ford tatsächlich seinen 80. Geburtstag. Und auch, wenn man bei genauem Hinsehen tatsächlich merkt, dass er nicht mehr 30 ist, ist der US-Amerikaner auf eine ganz eigene Art und Weise zeitlos.
Auf sein Alter reduziert zu werden, das ist für ihn ein rotes Tuch. Dass er sich tatsächlich auch Jahrzehnte nach seinen Paraderollen als Han Solo in „Krieg der Sterne“ und Indiana Jones in der gleichnamigen Filmreihe eine gewisse Jugendlichkeit bewahrt hat, lässt sich nicht abstreiten. So ist er nun – 42 Jahre nach seinem ersten Auftritt – noch einmal in seine actionreiche Paraderolle geschlüpft. Am 29. Juni erscheint „Indiana Jones und das Rad des Schicksals“ im Kino, und obwohl er für gewisse Szenen mithilfe von Künstlicher Intelligenz wieder zu seinem alten Ich verjüngt worden ist, so hat Harrison Ford doch als 80-Jähriger ganz ohne KI einige Strapazen auf sich genommen. Noch einmal ist er in die Rolle des Archäologen und Abenteurers geschlüpft, dessen typische Accessoires die Peitsche und der Fedora-Hut sind und dessen Geschichte 1981 so begann: Neben seinem Brotjob, an der Universität zu lehren, stürzt sich der Archäologieprofessor Henry „Indiana“ Jones in diverse Abenteuer rund um die Welt, im Wettlauf um bedeutsame und magische Artefakte, die es vor den Händen der Nazis oder der Russen zu retten gilt. Die Abenteuer führen ihn in allerlei gefährliche Situationen, denen er als Held immer mehr oder weniger geschickt und mit einer großen Portion Selbstironie entkommt.
Ursprünglich stammt die Idee zur Indiana-Jones-Reihe von George Lucas, der allerdings zu dieser Zeit nach dem Erfolg von „Krieg der Sterne“ mit der epochalen „Star Wars“-Filmreihe alle Hände voll zu tun hatte. Daher übernahm sein Freund Steven Spielberg die Regie von „Jäger des verlorenen Schatzes“. So entwickelten sich zeitgleich zwei der bedeutendsten Abenteuer-Reihen der Filmgeschichte. Bemerkenswert dabei ist, dass Harrison Ford sowohl in der „Star Wars“ als auch in der „Indiana Jones“-Reihe eine beziehungsweise die Hauptrolle spielte. Die Rolle des Han Solo in „Krieg der Sterne“ machte ihn berühmt. Im Gegensatz zum Charakter des Indiana Jones konnte er sich mit Han Solo jedoch nie richtig anfreunden. Die Rolle schien ihm zu eindimensional und holzschnittartig.
Superheld ohne Superkräfte
Für Heldenfilme wie die aus der „Indiana Jones“-Reihe boten die 1980er-Jahre den perfekten Nährboden. Die politische Situation, in der sich die Welt und vor allem auch die Blockbusternation USA zu dieser Zeit befanden, spiegelt sich im Plot vieler Filme mehr oder weniger offensichtlich wider. Die Folgen des Vietnamkriegs hallten nach und der Kalte Krieg hing wie ein Damoklesschwert über dem Geschehen. So mussten Helden her, die den Karren in durchaus eskapistischen Filmen wieder aus dem Dreck zogen. Indiana Jones bestach dabei im Gegensatz zu den muskelbepackten Actionhelden wie denen von Arnold Schwarzenegger oder Sylvester Stallone dargestellten weniger durch seine massive Körperlichkeit als durch seine geistige Wendigkeit. Ein Held, der die rasante Handlung der Filme trägt, wurde er trotzdem. So schreibt etwa der Autor und Filmwissenschaftler Douglas Brode, Indiana Jones sei ein „Superheld, der kein Superheld ist.“ Er hat keine Superkräfte, er trägt stattdessen die ein oder andere Blessur davon und verhält sich nicht immer wirklich klug. Trotzdem schafft er es am Ende natürlich immer wieder, alles zum Guten zu wenden. Die Freude am Darstellen von Indiana Jones liegt für Harrison Ford genau in diesem Dualismus, den die Figur mit sich bringt.
Dabei ist der Schauspieler natürlich mehr als nur „Indy“, das zeigt ein Blick in seine Biografie und auf die Filme, die er im Laufe der Zeit gedreht hat. Nur ein Oscar blieb Ford bisher verwehrt – auch wenn er mit der Nominierung für „Der einzige Zeuge“ (1985) ganz kurz vor einem Gewinn
war.