Der Animationsfilm „Heidi – Die Legende vom Luchs“ ist ein Wiedersehen mit bekannten Figuren, der optisch an die Serie aus den 70ern erinnert. Neu und am Puls der Zeit ist der Appell zum Schutz der Natur.
Heidi? Klar, kennt man. Das Mädchen, das bei seinem Großvater auf der Alm lebt. Der unter Regie von Tobias Schwarz entstandene Animationsfilm „Heidi – Die Legende vom Luchs“ greift die Geschichte auf und entwickelt sie weiter – mit zeitgemäßem Öko-Einschlag. Herausgekommen ist ein liebevoll in Szene gesetzter Film, der eine für die Kinder mitreißende und inhaltlich relevante Geschichte erzählt. Eine intelligente Fortsetzung, die das Thema Ausbeutung und Schutz der Umwelt in die klassische Alpenwelt von Heidi bringt.
Heidi wurde im Jahr 1880 erfunden
Eigentlich ist die Welt von Heidi ganz in Ordnung: Sie wohnt bei ihrem Großvater, einem als eigenbrötlerisch geltenden, verbitterten alten Mann, der sich aber liebevoll um seine Enkelin kümmert. Heidi genießt die Berglandschaft und ist per Brief mit ihrer Freundin Clara aus Frankfurt in Kontakt, die Urlaub an der Ostsee macht. Doch dann kommt Unruhe in das Dorf in den Bergen: Ein Luchs wird in der Nähe der Häuser gesichtet, und die Dorfbewohner fürchten um ihre Tiere. Etwa zeitgleich kommt ein Fremder, der ein Dampfmobil fährt, in den Ort: der Geschäftsmann Schnaittinger (Sprecher: Max Giermann). Er will ein Sägewerk bauen und braucht dafür die Zustimmung aller Einwohner. Im Gegenzug verspricht er den Menschen Wohlstand – und will zum Beweis den vor einer Weile abgebrannten Kirchturm des Dorfs wieder aufbauen. Auch das Luchs-Problem verspricht er zu lösen. Und lässt überall in der Umgebung Fallen aufstellen.
Mit Schnaittinger wird eine Figur in die Geschichte eingeführt, die den frühen Kapitalismus repräsentiert. Er ist eine Person, die nur nach ihrem eigenen Vorteil strebt, sich dabei die vermeintliche Naivität anderer Menschen zunutze machen will und auf die Natur keine Rücksicht nimmt.
Die Figur „Heidi“ hat die Schweizer Schriftstellerin Johanna Spyri erfunden. Ihre beiden in den Jahren 1880 und 1881 erschienenen Kinderbücher bilden die Grundlage für eine fast schon unüberschaubare Zahl an Adaptionen und Verfilmungen. In den Büchern beschreibt sie die Welt, in der mehr oder weniger alle späteren Werke spielen: das Waisenmädchen Heidi, das mit seinem Großvater Almöhi auf einer Alp lebt, ihr Freund Geißenpeter und natürlich Clara, das zumindest anfangs gelähmte Mädchen aus der Großstadt.
Die neue Heidi wirkt dreidimensionaler und lebensnaher
Das Bild von Heidi dürfte in Deutschland aber am deutlichsten die japanische Zeichentrickserie „Heidi“ von 1974 geprägt haben, die unter Regie von Isao Takahata entstand und in Deutschland ab dem Jahr 1977 im Fernsehen zu sehen war. Der Bezug des neuen Films auf diese Serie wird gleich zu Beginn klar: Es ist das bekannte Titellied der Heidi-Serie zu hören, neu gesungen von Claudia Koreck. Auch die Heidi in dem neuen Film orientiert sich optisch an dieser Serie – mit rundem Gesicht, Kurzhaarschnitt mit nach oben abstehender Haarsträhne und der Kombination aus rotem Kleid mit gelber Bluse. Gleichzeitig wirkt die Heidi des Animationsfilms dreidimensionaler und damit lebensnaher als die Figur der Zeichentrickserie. Insgesamt sind die Figuren sehr schön gezeichnet, ebenso die Hintergründe. Hier fällt allerdings auf, dass sich in den Landschaften kaum etwas bewegt, auch nicht dort, wo es zu erwarten wäre, etwa in den Ästen und Blättern der Bäume.
Im weiteren Verlauf des Films machen Heidi und Peter eine Entdeckung: Sie finden in einer der Fallen einen verwundeten jungen Luchs. Heidi nimmt ihn mit nach Hause und beginnt ihn heimlich zu pflegen. Doch natürlich bekommt ihr Großvater nach einer Weile mit, was da vor sich geht. Und er weiß: Luchse gehören nicht in die Häuser der Menschen. Eigentlich leben sie nämlich hoch oben in den Bergen, auf Höhe der Baumgrenze. Deshalb machen sich Heidi und Peter auf den Weg, um den Luchs in seine eigentliche Heimat zurückzubringen, zu den anderen Luchsen. Doch was sie dort erwartet, wirft ein ganz neues Licht auf die Versprechungen von Schnaittinger.