Hunderttausende Pendler freuen sich, Millionen Fernreisende sind erleichtert. Die Generalsanierung der wichtigen Nord-Ost-Verbindung von der Alster an die Spree war zugleich die Winterpremiere für die umfassende Korridor-Sanierung.
Es ist der erste richtige Freudentag im Job für Evelyn Palla seit ihrem Amtsantritt als Bahn-Chefin am 1. Oktober vergangenen Jahres. Mit sechs Wochen Verspätung wird am 14. Juni eine der wichtigsten ICE-Trassen im Norden der Republik, zwischen Hamburg und Berlin, wieder komplett in Betrieb gehen. Doch nicht nur die Bahn-Chefin und Millionen von Fahrgästen auf der Strecke sind beglückt, sondern auch den Managern für die Bahn-Infrastruktur, DB-Infrago, fällt ein Stein vom Herzen. Das neue Konzept der Korridor-Sanierung ist damit endgültig bestätigt. Bereits die Premiere im vergangenen Jahr auf der Riedbahn, zwischen Frankfurt am Main und Mannheim, hat beinahe wie am Schnürchen geklappt und ist mit fünf Monaten Vollsperrung genau im Zeitplan geblieben. Allerdings sind es dort knapp 120 Kilometer gewesen, die im Sommer und Herbst saniert wurden. Die Strecke Hamburg – Berlin ist mit 280 Kilometern mehr als doppelt so lang, wovon fast 170 Kilometer Gleise und Schwellen komplett ausgetauscht wurden. Dazu kam dann noch ein für den ambitionierten Zeitplan von neun Monaten unkalkulierbares Risiko: die Brücken.
280 Kilometer Strecke sind jetzt erneuert
Viele, vor allem Betonbauwerke, waren nicht mehr zu retten, mussten komplett abgerissen und neu gebaut werden. Reine Stahlkonstruktionen, teilweise aus der Kaiserzeit, konnten dagegen fast alle grundlegend saniert werden. Gebaut wurde seit dem 1. August 2025 den ganzen Winter hindurch. Ursprünglich sollte alles am langen ersten Mai-Wochenende fertig sein. Doch der Januar und der Februar machten dem Unterfangen einen Strich durch die Rechnung. Es gab einen richtigen Winter, den man in seiner norddeutschen Heftigkeit einfach nicht einplanen konnte. Tief-, Gleisbau- oder Oberleitungsarbeiten mussten fast acht Wochen zurückgefahren werden. Die Bahn-Ingenieure zauberten beheizte Wanderzelte über den Gleisen aus dem Hut, sonst hätten im reinen Gleisbau die Arbeiten vollständig eingestellt werden müssen. Bei der Installation der Signal- und Leittechnik kam es dann in der Folge zu erheblichen Verzögerungen. Erst Mitte März konnten alle Gewerke wieder zu 100 Prozent weitermachen. Am Ende waren es sechs Wochen Verzögerung bis zur vollständigen Wiedereröffnung. Wobei die Strecke zwischen Hamburg und Hagenow bereits, wie ursprünglich geplant, zumindest mit den Regionalzügen wieder bedient werden konnte.
Die finale Taktung wird bis Juli erwartet
Für die Manager der DB Infrago ist damit trotzdem die Winterbaupremiere für die Korridorsanierung gelungen. Die Regionalzüge fahren auf den 280 Kilometern wieder regelmäßig, bei der IC- und ICE-Taktung wird dies laut Bahn noch vermutlich bis in den Juli dauern, aber sie fahren. Doch so schön der Hamburg-Berlin-Sonntag Mitte Juni für Bahn-Chefin Evelyn Palla auch sein wird, weitere 38 Hochleistungsstrecken im Bahnfernverkehr stehen auf der To-do-Liste in den kommenden mindestens zehn Jahren. Seit dem 1. Mai wird bereits die Strecke Hamburg – Hannover auf Vordermann gebracht. Ist man dort bis Mitte Juli fertig, bleibt Nord-Ost-Deutschland vorerst von Streckensperrungen verschont. Doch bereits im selben Monat geht es von Köln nach Hagen weiter, die 65 Kilometer sollen bereits Anfang September dann wieder voll befahrbar sein.
Bei den beiden jetzt vollendeten Sanierungsprojekten und auch den anderen, die in diesem Jahr noch anstehen, spielen tatsächlich noch keine Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur des Bundes eine Rolle. Eine solche Strecken-Generalsanierung, so ein Mammutprojekt, ist eine Herausforderung und hat einen Planungsvorlauf von mindestens fünf Jahren. „Darum brauchen wir eine langfristige Finanzierungssicherheit“, so Sahra Stark, Hauptgeschäftsführerin des Verbands der Bahnindustrie.