Mal pastellfarben und märchenhaft, mal düster und dramatisch: Annika Sowa (@hannyhoneymoon) aus Hannover lässt mit ihren gewandeten Models an besonderen Schauplätzen einzigartige Fantasy-Fotos entstehen. Ein Einblick in ihre Bilderwelten.
Liebe Hanny, was fasziniert Dich an Fantasy-Outfits und -Fotos, was macht den besonderen Reiz für Dich aus?
Unsere Fantasy-Outfits sind meist zu 100 Prozent handgemacht und es stecken etliche Stunden Arbeit darin. Sie bestehen zudem aus hochwertigen Materialien. Jedes Outfit ist einzigartig, voller Liebe und Leidenschaft. Der Fokus meiner Bilder liegt zum Großteil auf der Mode und ihren faszinierenden Details.
Es ist nicht immer einfach, opulente Kleider in einer Outdoorlocation natürlich aussehen zu lassen. So fühlt sich jedes Fotoshooting ein kleines bisschen wie ein Puzzle an.
Wie war Dein Einstieg in die Fantasy-Fotografie und wie hat es sich dann weiterentwickelt?
Mein erstes Hobby war die Malerei und ich probierte mich jahrelang an der Darstellung von Porträts und Fantasywesen. Ich versuchte verschiedene Medien und stolperte irgendwann über die Fantasy-Fotografie. Dann kaufte ich eine Spiegelreflexkamera, einen kleinen Blitz und nagelte ein Stück Studiokarton an die Zimmerwand. Ich experimentierte mit Selbstporträts und Make-up und probierte, ausdrucksstarke Bilder zu machen. Über eine Freundin lernte ich die Designerin Jumeria Creations kennen und wir planten ein Fotoshooting mit ihren handgemachten Kleidern. Seitdem sind wir beste Freundinnen und haben unzählige Fotoreihen und Projekte umgesetzt. Wir beide sind zusammen in unseren Fähigkeiten gewachsen und durften schon Workshops im In- und Ausland geben.
Wie muss ein Fantasy-Outfit für Dich sein, damit es Dich anspricht?
Es sollte ordentlich verarbeitet und detailreich sein. Ich mag kräftige Farben und Röcke mit viel Volumen.
Welche Fantasywesen oder -charaktere fotografierst Du besonders gern und warum?
Ich mag Königinnen und Frauen in abgewandelten Rüstungen. Ich mag Männer als Elfen und in kreativen Gewandungen. Menschen sind so vielseitig und ich liebe es, ungewöhnliche Seiten an ihnen hervorzuheben.
Was gefällt Dir bei Outfits weniger – gibt es auch No-Gos für Dich?
Alles, was zu simpel und normal aussieht, spricht mich nicht so sehr an. In mein Portfolio passt zum Beispiel selten ein Cosplay. Auch wenn ich sie gerne ansehe und weiß, dass in diesen Outfits sehr viel Mühe und Liebe steckt.
An welchen Locations shootest Du am liebsten und worauf achtest Du bei der Auswahl?
Definitiv in der Natur! Bei jedem blühenden Busch kommen mir diverse Ideen für Porträts.
Über die Jahre haben wir sogar unseren Garten mit entsprechenden Blumen und Büschen ausgestattet, sodass ich in Zukunft einige „Sets“ vor meinem Fenster habe. Somit kann ich Stromquellen nutzen und ohne viel Aufwand diverse Requisiten aufstellen. Ansonsten finde ich Fotoshootings in Schlössern oder unter Wasser sehr aufregend! Fotoshootings outdoor erfordern meist entweder viel Planung (welche Jahreszeit, welche Blumen blühen und wie lange muss man gegebenenfalls mit wie viel Equipment wandern). Wenn ich bereits eine Location ins Auge gefasst habe, fahre ich mehrfach vor dem eigentlichen Termin hin, um einschätzen zu können, wie weit die Blüte ist.
Natürlich mache ich auch das ein oder andere spontane Treffen. Dann sehe ich mich in einem botanischen Garten um und entscheide je nach Farbe des Outfits.
Hast Du ein Faible für spezielle Model-Typen, Farben und Details?
Da bin ich offen für alles! Man muss keine bestimmten Körpermaße, keine festgelegte Größe oder Hautfarbe haben. Ich mag ausdrucksstarke Gesichter und einen selbstbewussten Umgang im Posing.
Worauf legst Du beim Bildaufbau und bei der Bildstimmung Wert?
Der Fokus liegt bei mir immer auf der Qualität eines Bildes. Der Bildaufbau muss stimmig, ohne störende Elemente und mit klarem Blick auf das Wesentliche sein. Ich verwende starke Farben, die komplementär oder homogen die Bildsprache unterstützen. Farbtheorie ist mir sehr wichtig und ich überlege schon bei der Bildaufnahme, wie das Bild fertig aussehen soll. Manchmal habe ich sogar das komplett fertige Bild in meinem Kopf und versuche, es genauso umzusetzen.
Machst Du nur freie künstlerische Arbeiten mit Models, die oft ihren Fundus an besonderen Kleidern und Accessoires mitbringen, oder kann jeder Shootings bei Dir buchen?
Genau, ich mache nur freie Arbeiten und bin leider nicht buchbar. Die Fotografie ist momentan nur noch ein reines Hobby und eine Leidenschaft von mir. Die Modelle bringen entweder selbst geschneiderte Kleidung von sich mit oder wir leihen, passend zum Thema, ein Outfit bei einem Designer aus.
Schlüpfst Du auch selbst gern mal in besondere Rollen und Gewandungen?
Ab und zu darf ich für Kollegen auch in der Rolle des Models vor die Kamera. Gerade Unterwasserprojekte machen unheimlich viel Spaß! Es ist wunderbar, sich einmal in einer ganz anderen Version zu sehen. Ich kann es nur jedem ans Herz legen, sich selbst einmal oder natürlich auch gern öfter verwandeln zu lassen.
Welche Shootings waren Deine aufwendigsten und außergewöhnlichsten und warum?
Definitiv die Unterwassershootings und Projekte, die weite Reisen (zum Beispiel nach Island) voraussetzen. Bei Unterwasserbildern muss man sehr viel beachten und vorab planen. Für ein Projekt haben mein Mann und ich sogar eine tauchfähige Harfe aus Holz gebaut. Die kann man leider vor Ort erst wirklich testen und die perfekte Höhe im Wasser mit kleinen Gewichten ausloten. Das Wasser war in diesem Fall auch nicht sonderlich warm und somit brauchten die Models nach einer Weile definitiv eine heiße Dusche und eine Pause. Nach zwei Sets ist das Wasser nicht mehr vollkommen klar und irgendwann sind dann Bilder qualitativ sinnvoll nicht mehr möglich. Die Umwälzpumpe und die Filter brauchen ihre Zeit. Somit muss man zwei Tage buchen oder ganz genau planen, wer was wann trägt und wie lange man dieses Outfit shootet.
Hast Du Lieblingsfotos oder Lieblingsbilderserien von Dir?
Ich liebe fast alle meine Bilder, aber gerade schwierige Projekte und die Arbeit mit Tieren, die sehr viel Geduld erfordert und bei der man keine Garantie für ein gutes Bild hat, mag ich sehr! Auf manche Dinge hat man einfach keinen Einfluss und so findet man sich plötzlich im strömenden Regen oder in einem eiskalten Bach wieder. Die Bilder sind sehr schöne Erinnerungen an den Tag, den man damals zusammen verbracht hat.
Wenn Du anderen von Deiner Fotografie erzählst – welche besonderen oder lustigen Erlebnisse und Geschichten sind dann immer dabei?
Dass meine Fototasche von einem Wolf gestohlen wurde und wir sie erst mal zurückerobern mussten. Die nehmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist. In Island hat eine Welle die Wanderschuhe meiner Freundin geflutet. Auf der Jagd nach der richtigen Perspektive fiel ich von einem Baum und steckte schon in einem Rosenbusch fest.
Gibt es Wunschmodelle oder Schauspieler, die Du gern einmal fotografieren möchtest? Wie würdest Du diese stylen und in Szene setzen?
Oh, Emily Browning wäre mein Favorit! Sie hat so ein interessantes Gesicht und würde wahrscheinlich in allem einfach nur zauberhaft aussehen. Ich würde sie gern als eine royale Persönlichkeit mit zarter Krone darstellen.
Man wird momentan geradezu überschwemmt mit KI-Fotos. Befürchtest Du, dass es echte Fotografie in Zukunft schwer haben wird?
Das denke ich nicht. Bei der Fotografie geht es um den ganzen Prozess. Das Zurechtmachen, die menschliche Begegnung, der Wind, der durch die Haare saust, und die vielen lustigen Momente! Man lernt viele neue Leute kennen und lieben und hat am Ende eine wunderschöne Erinnerung in Form des fertigen Bildes. Das kann keine KI dieser Welt!