Stefanie Stappenbeck war schon mit 13 Jahren der Kinderstar in „Die Weihnachtsgans Auguste“. Als Kommissarin Linett Wachow in „Ein starkes Team“ hat die mittlerweile 51-Jährige jetzt die 100. Folge gefeiert.
Kameras, Mikrofone und Reporter aus ganz Deutschland: Der Berliner Pressetermin zur 100. Folge des ZDF-Serienhits „Ein starkes Team“ („Für immer jung“/ZDF-Mediathek) sorgte kürzlich im Prenzlauer Berg für Aufsehen. Für Stefanie Stappenbeck war es indes nur ein Spaziergang. Denn hier im Kiez ist die Schauspielerin seit vielen Jahren zu Hause. „Für mich war es sozusagen ein Heimspiel“, lächelt die sympathische Berlinerin.
Seit 2016 verkörpert sie in der ZDF-Krimi-Reihe „Ein starkes Team“ Kommissarin Linett Wachow. An ihr Casting erinnert sie sich noch gut: „Ich ging dort eigentlich ohne große Erwartungen hin, bot eine komödiantische Variante und eine eher ernstere an. Meine Unbefangenheit hat sich ausgezahlt“, so Stefanie Stappenbeck. Es sei eine Erfahrung, die sie schon häufiger machte: Nimmt man etwas Druck vom Kessel, wird es meist ganz gut.
„Ich geh früh zu Bett“
Der Anlass des Vorsprechens war seinerzeit ein trauriger. Denn die neue Rolle im „Team“ ergab sich aus dem Krebstod von Darstellerin Maja Maranow (1961 – 2016), die frühere Kripo-Kommissarin im Film. Die Produzenten von „Ein starkes Team“ erinnerten sich beim Pressetermin im Oktober aber auch daran, wie Hauptdarsteller Florian Martens 1994 für die Rolle des Kripo-Ermittlers Otto Garber entdeckt wurde: in einer Kneipe morgens um 2 Uhr, dem Vernehmen nach auch nicht mehr ganz nüchtern.
Stefanie Stappenbeck übernahm beim Fotoshooting der Presseleute zwischendurch gleich mal die Regie und sagte, welcher Darsteller wo stehen könnte. Kollege Florian Martens ließ alle Sonderwünsche der Fotografen über sich ergehen. Er könnte sich offenbar Schöneres vorstellen.
Die Interviews fanden im Berliner Traditionslokal „Metzer Eck“ statt, in dem für die 100. Krimi-Folge auch gedreht wurde. Privat besucht Stefanie Stappenbeck solche Kneipen äußerst selten. Das sei mal ganz anders gewesen, räumt die Filmkünstlerin ein. In früheren Zeiten habe man sie schon mal „Kneipen-Steffie“ genannt, erinnert sich die gebürtige Potsdamerin. Doch das ist lange her. Mit 27 Jahren hörte sie mit dem Rauchen auf und ließ auch den Wein stehen. Seitdem gibt’s bei ihr Hühner- und Gemüsesuppen mit Ingwer und nach Möglichkeit ausreichend Schlaf. „Wenn es sich einrichten lässt, geh ich früh zu Bett“, so die Mutter einer Tochter. Das Ergebnis: Die Schauspielerin sieht blendend aus. 51 Lebensjahre sieht man ihr auch aus der Nähe nicht an.
Nach wie vor hat die Berlinerin gut zu tun. Neben der Arbeit für „Ein starkes Team“, die 2026 fortgesetzt wird, drehte sie gerade den Krimi „Mama ist die Best(i)e“ (mit Adele Neuhauser) sowie Teil zwei von „Die Bachmanns“. Die Gefahr, auf die Rolle der Linett Wachow festgelegt zu werden, sieht sie nicht. „Solche Bedenken habe ich überhaupt nicht, da immer auch Zeit für andere Filmprojekte bleibt.“
Zukünftig will Stappenbeck aber wieder mehr Theater spielen, wie sie sagt. „Das peile ich an, ist aber zeitlich aktuell noch schwierig.“ Wenn die Tochter in zwei, drei Jahren aus dem Gröbsten raus ist, soll sich das ändern. Am Anfang ihrer Karriere stand die Mimin oft auf Theaterbühnen, unter anderem im Berliner Ensemble und am Deutschen Theater, aber auch in den Hamburger Kammerspielen.
Wie sie alles unter einen Hut bekommt? „Ich versuche, gut zu planen, bin eine echte Effizienz-Freundin“, so die ZDF-Kripo-Frau, deren Start ins Filmgeschäft alles andere als einfach verlief. „Die Weihnachtsgans Auguste“ (DDR, 1988) war zwar ein großer Erfolg, doch für die 13-jährige Stefanie ein heikler Auftakt am Set. Die Dreharbeiten seien für ein Kind ziemlich anstrengend gewesen. Die Unterstützung war damals relativ mau. Dazu kam die Hundekälte auf dem Dresdner Striezelmarkt, erinnert sich die Schauspielerin, die bereits 1986 eine Hauptrolle im DDR-Film „Der Elterntauschladen“ hatte. „Hochleistungssport“ seien Drehtage für sie bis heute.
Trotz vieler Filmaufgaben versucht Stefanie Stappenbeck, über den Tellerrand zu blicken, wie sie sagt. Politische und gesellschaftliche Themen sind ihr wichtig: „Sorge bereitet mir das Thema Künstliche Intelligenz (KI). Die Politik muss hier gegensteuern und gesetzlich verbindliche Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI schaffen. Auch in der Schauspieler-Gewerkschaft machen wir uns dafür stark.“ Dahinter steht die Befürchtung, dass KI zunehmend echte Darsteller ersetzen könnte.
In der lockeren Plauderei kommt auch heraus, dass Stappenbeck im Alter von elf Jahren mal Berliner Schülermeisterin im Luftgewehrschießen war. „Das kam, weil wir in unserer Berliner Schule einen Schießkeller hatten. Da machte ich bei diesem Wettstreit mit und gewann nicht nur zu meiner Überraschung. Vielleicht hatte ich ja eine ruhige Hand und ahnte, wo das Ziel ist“, scherzt Stefanie Stappenbeck. Als ersten Preis gab’s eine Elektro-Eisenbahn – man rechnete wohl mit einem Jungen als Sieger.
„Ich bin sehr selbstkritisch“
Für ihre heutige Rolle als TV-Kripobeamtin hatte der frühe Schützen-Erfolg keine Relevanz, wie sie augenzwinkernd sagt. „Unsere Film-Waffen sind schon etwas anderes. Für die Serie hatten wir auch richtiges Schießtraining.“ Bei Szenen mit Waffen sei immer ein Polizist vor Ort: nicht, weil die Pistolen geladen sind, sondern wegen der korrekten Schusshaltung im Film. Schließlich sollen die Szenen beim Zuschauer authentisch rüberkommen.
Im Interview geht’s unter anderem auch um die Kriege dieser Welt, um Klimawandel und ungleich verteilten Reichtum. Stefanie Stappenbeck, die sich eigenen Worten nach von „New York Times“ bis „Spiegel“ umfassend informiert, blendet diese Themen nicht aus, auch wenn es ihr selbst gut geht.
Dass es für sie seit Jahren bestens läuft, bezeichnet sie als „großes Glück“: „Ich bin so dankbar für all die Aufgaben und weiß, dass das alles andere als selbstverständlich ist.“ Nach dem Gespräch geht’s noch ins Berliner Astor-Kino zur Premiere der neuen Krimi-Folge. Es ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen sich Stefanie Stappenbeck im Film selbst anschaut. „Ich sehe mich ansonsten nicht besonders gern im Fernsehen oder Kino, bin da sehr selbstkritisch. Freiwillig schau’ ich keinen meiner Filme“, schmunzelt die Schauspielerin. Eine „Fernseheule“ sei sie eh nicht.