Seit dem Start ihrer Modelkarriere bei „GNTM“ 2017 ist Serlina Hohmann (31) für Werbekampagnen und Shootings großer Marken und Designer rund um die Welt unterwegs. Im Interview erzählt sie von ihrem neuen Leben in Berlin, Druck und Entwicklungen im Mode-Business.
Liebe Serlina, Du warst 2017 Zweitplatzierte bei „Germany’s Next Topmodel“, seitdem arbeitest Du erfolgreich als Model. Für welche Marken hast Du in der letzten Zeit gearbeitet, und was waren Deine Highlights 2025?
Wie jedes Jahr habe ich auch in 2025 wieder viel Brautmode shooten dürfen. Brautmoden-Shootings sind und bleiben meine meistgebuchten Jobs. Das fühlt sich auf jeden Fall immer besonders an, da ich meist in besonders schönen Locations shoote und mich einen Tag wie eine Prinzessin fühlen darf. Außerdem habe ich mich sehr gefreut, eine Kampagne für die Unterwäsche-Marke Bruno Banani shooten zu dürfen. Ich freue mich außerdem total, dass ich durch meinen Umzug zurück nach Deutschland wieder mehr an Events teilnehmen kann und viele tolle, neue Menschen kennengelernt habe.
Du bist Ende 2023 von Tel Aviv zunächst wieder in Deine Heimat nach Koblenz/Köln gezogen und danach nach Berlin. Wie hat sich Dein Leben in Berlin verändert?
Ich liebe Berlin. Für mich war immer klar: Sollte ich meinen Hauptwohnsitz wieder in Deutschland haben, soll es Berlin sein. Die Stadt hat fast alles, was ich liebe. Fast, weil mir die Tel Aviver Sonne fehlt. In Berlin gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken: Restaurants, Cafés, Yoga-Studios, Märkte, Festivals et cetera. Mir wird definitiv nie langweilig hier. Wäre der Berliner Sommer 365 Tage im Jahr, würde es mir hier wirklich an gar nichts fehlen. Aber vorm Winter graut es mir noch. Nach acht Jahren Leben in der Sonne wird das mein erster Winter hier, und davor habe ich jetzt schon Respekt.
Arbeitest Du viel in der Hauptstadt oder bist Du meist unterwegs?
Ich arbeite tatsächlich sehr selten in Berlin. Ich gehe hier gelegentlich auf Events. Aber für Shootings bin ich eigentlich immer unterwegs. Vor allem in Barcelona arbeite ich viel und gerne. Berlin ist für mich eher der Ort, an dem ich zur Ruhe komme, mich auf kommende Shootings vorbereite und Zeit mit Freunden verbringe. Ich habe keinen typischen Alltag, versuche aber trotzdem, eine gewisse Routine beizubehalten. Ich starte meinen Tag in der Regel mit Sport. Meine Berlin-Favorites: Beat81, Hot Yoga und Hot Pilates und Rocycle. Wenn ich meine eigene Musik hören und abschalten will, gehe ich entweder ins Gym oder joggen an der Spree. Danach treffe ich mich gerne mit Freunden zum Coworken in einem Café. E-Mails, Castings, Content planen … Was auch immer gerade ansteht. Die Wochenenden nehme ich mir in der Regel frei. Da ich immer noch ein Neuling bin in Berlin, gibt es noch super viele Ecken für mich zu entdecken. Ich nehme mir immer gerne einen neuen Kiez fürs Wochenende vor, den ich noch nicht so gut kenne, und lasse mich da dann einfach ein bisschen treiben.
Wie viele Kooperationsanfragen erhältst Du so im Monat?
Das kann man eigentlich gar nicht pauschal beantworten. Es gibt Monate, in denen so viel los ist, dass ich bei meinen E-Mails kaum hinterherkomme, und dann wiederum auch Wochen oder Monate, in denen es sehr ruhig ist. Das hängt auch viel von der Saison ab und davon, wie sich der Markt gerade verändert – da ist es einfach sehr unterschiedlich.
Nach welchen Kriterien suchst Du Deine Werbepartner aus und hast Du schon häufig lukrative Anfragen abgelehnt?
Als ich 2017 mit dem Modeln und Social Media angefangen habe, dachte ich noch, ich muss alles annehmen. Ich wollte ja auch nicht undankbar sein. Aber eine Marke zu bewerben, hinter der man nicht steht, und Produkte auf dem eigenen Kanal zu bewerben, die man gar nicht gut findet, macht man auch nur einmal. Ich habe schnell gemerkt, dass es sich nicht nur falsch anfühlt, sondern natürlich auch schädigend für meine eigene Marke ist, wenn meine Community letztendlich enttäuscht wird und ihr Vertrauen in mich verliert. Meine Kriterien sind also simpel. Ich muss die Marke wirklich cool finden und die Produkte feiern. Ich bewerbe nur Produkte, über die ich mich selbst freue und die ich selbst im Alltag benutze. Deswegen mache ich auch so wenig Werbung auf meinem Kanal. Dann kommt noch dazu, dass ich in meinem Job natürlich schlecht planen kann. Oft ist es monatelang sehr ruhig und dann kommt auf einmal genau dann eine richtig coole Anfrage rein, wenn ich eigentlich einen Urlaub geplant habe oder es steht ein persönliches, wichtiges Event an. So habe ich zum Beispiel einmal eine sehr, sehr lukrative Anfrage für einen Werbespot für eine bekannte Fashion-Marke abgesagt, weil der Drehtag am selben Tag wie die Hochzeit meines Bruders war.
Durch die sozialen Medien ist für viele ein stärkerer Druck zur Selbst-optimierung entstanden. Wie stehst Du zu diesem Thema – setzt Du dich selbst auch manchmal unter Druck, was zum Beispiel Gewicht, Ernährung, Sport oder Beauty-Eingriffe anbelangt?
Klar habe ich mich auch oft unter Druck gesetzt. Gerade als Model entscheidet mein Aussehen ja darüber, ob und welche Jobs ich bekomme. Da geht es ständig um Zahlen. Alle paar Monate werden meine Maße genommen. Je kleiner die Maße – umso besser arbeite ich. Das ist leider immer noch die Realität. Insofern gehört fit bleiben für mich zum Job. Neben meiner Fitnessroutine und gesunder Ernährung lasse ich mich ehrlich gesagt auch oft von Beauty-Trends auf Social Media mitreißen. Ölziehen für weißere Zähne, Rosmarinwasser für schnelleres Haarwachstum, Socken als Lockendreher über Nacht, 16:8-Fasten … Ich habe echt schon viel ausprobiert. Inzwischen habe ich aber eine gute Balance gefunden und probiere zwar weiterhin gerne Trends aus, möchte mich aber nicht unter Druck setzen lassen. Wenn ich das Gefühl habe, Social Media gibt mir ein schlechtes Gefühl, ist das für mich ein klares Zeichen, eine Pause zu machen und mehr Zeit offline zu verbringen.
Wo genau setzt Du bei Perfektion/Selbstoptimierung Grenzen?
Ich möchte mein Leben nicht von Zahlen bestimmen lassen. Ich wiege mich nicht, tracke weder meinen Schlaf noch meine Kalorien oder meine Schritte. Ich möchte mein Vertrauen in meine Intuition und in meine Körpersignale nicht verlieren. Außerdem optimiere ich mich nicht, um anderen zu gefallen oder einem Ideal zu entsprechen. Wenn ich etwas an mir verändern will, dann nur, weil es sich für mich richtig anfühlt – nicht, weil jemand anderes es erwartet. Wenn ich zum Beispiel einen Job nicht bekomme, ohne dafür Gewicht zu verlieren, meine Haarfarbe zu ändern et cetera, aber es sich für mich nicht richtig anfühlt, dann verzichte ich lieber auf den Job. Authentizität sollte immer wichtiger sein als Anpassung.
Wenn Du Dinge im Modebusiness und bei den sozialen Medien verändern könntest – welche wären das?
Ich würde mir mehr Zusammenarbeit und Community wünschen – unter Models, unter Influencern, unter Make-up-Artists. In beiden Welten gibt es oft ein starkes Konkurrenzdenken, und ich fände es schön, wenn das weniger im Vordergrund stünde. Wenn man sich einfach gegenseitig unterstützt, sich Tipps gibt oder sich mal zusammenschließt, um gemeinsam Content zu machen, würde das alles viel entspannter und schöner werden lassen. Ich persönlich hab auch noch sehr viel Scheu und Respekt davor, auf andere zuzugehen, aber ich fände es richtig toll, wenn es normaler wäre, einfach auf Instagram zu schreiben: „Hey, du wohnst in der gleichen Stadt – hast du Lust auf einen Content-Tag?“ So eine offene, unterstützende Community wäre für mich ein riesiger Gewinn in beiden Welten.
Für welche Themen – abgesehen von Mode und Beauty – nutzt Du Deine Reichweite bei Instagram gerne?
Ich sehe Instagram für mich eher als eine persönliche Ergänzung zu meinem Modeljob. Beim Modeln geht es ja sehr stark um Ästhetik und Perfektion – auf Social Media kann ich dagegen ein bisschen mehr von mir selbst zeigen. Ich teile gerne kleine Einblicke in meinen Alltag, spontane Momente oder einfach Dinge, die mir Freude machen. Meine Posts sind oft eher Karussells mit Schnappschüssen aus dem Leben als große, durchgeplante Produktionen. Es ist für mich so ein bisschen der private, spielerische Teil meines Jobs – etwas, das ich gerne mache, aber ohne großen Plan dahinter. Ich mag es, wenn es echt bleibt.
Welche Vorurteile über die Mode- und Instagramwelt treffen zu, welche nicht?
In der Modewelt stimmt das Vorurteil, dass vieles sehr oberflächlich wirkt – dein Aussehen ist im Grunde deine Visitenkarte. Es geht um Maße, Zahlen und Optik, und je kleiner die Maße, desto besser läuft es oft leider immer noch. Aber was viele nicht sehen: Am Set selbst fühlt sich der Job überhaupt nicht oberflächlich an. Ich finde ihn unglaublich kreativ – jedes Shooting ist anders, man taucht immer wieder in neue Konzepte, Stimmungen und Rollen ein. Und was den Job für mich so besonders macht, ist, wie nah man sich dabei kommt. Diese Gespräche morgens in Hair und Make-up sind oft so persönlich, dass man sich danach fühlt, als würde man sich schon ewig kennen. Gleichzeitig ist die Harmonie am Set entscheidend – wenn die Stimmung nicht stimmt, funktioniert es einfach nicht.
Bei Social Media stimmt das Klischee, dass vieles inszeniert ist – Storys, Fotos, Content-Tage, das ist alles geplant und Teil des Jobs. Was aber gar nicht stimmt, ist, dass alle Menschen dahinter oberflächlich oder fake sind. Ich habe auf Events und bei Kooperationen so viele herzliche, echte und bodenständige Leute kennengelernt, die auf Instagram vielleicht unnahbar wirken, im echten Leben aber super sympathisch und offen sind.
Worin liegt Dein Ausgleich zur Fashion- und Beautywelt?
Mein Ausgleich ist mir superwichtig, gerade weil mein Beruf so wenig Routine hat. Ich bin ständig mit neuen Menschen zusammen, komme an Sets, wo ich oft niemanden kenne, und habe nicht diesen festen Kollegenkreis wie in anderen Jobs. Deshalb bedeutet mir Beständigkeit im Privatleben total viel. Meine Freunde von zu Hause geben mir da ganz viel Halt – sie kennen mich seit Jahren, da kann ich einfach komplett ich selbst sein –
ohne Rolle, ohne Druck.
Und mein zweiter großer Ausgleich ist definitiv Sport. Bewegung ist für mich das beste Stressventil – egal ob Laufen, Training oder einfach irgendwas Aktives. Wenn ich mich gestresst oder überfordert fühle, hilft es mir total, mich auszupowern. Danach bin ich wieder klar im Kopf und ausgeglichen.
Auf welche Farben setzt Du diesen Winter?
Meine Antwort dazu ist jedes Jahr die gleiche und wahrscheinlich etwas langweilig, aber meine liebste Winterfarbe ist Schwarz. Ich finde, mit All-black-Outfits macht man nie etwas falsch und sieht immer cool oder je nach Look auch gleich schicker aus. Ich mag auch einfach den Kontrast zu meinen hellblonden Haaren.
Wie sieht ein perfekter Winterlook für Dich aus?
Ich bin gar nicht so die klassische Fashionista, ich setze lieber auf Basics, die man easy kombinieren kann. Ich bin mehr der Lederjacken- als der Trenchcoat-Typ. Deswegen wäre mein perfekter Winterlook eine Oversize-Lederjacke, die innen schön kuschelig ist, dazu ein cooler Mützenschal, Overknee-Boots und eine kuschelige Strumpfhose drunter. Also irgendwie basic, aber trotzdem cool und gemütlich.
Wie muss der perfekte Wintermantel für Dich sein?
Mein perfekter Wintermantel ist auf jeden Fall oversized, vielleicht mit einem schönen Schalkragen. Ich mag minimalistische Details und einen raffinierten Schnitt. Ich stehe eher auf diesen androgynen Look – also nicht zu tailliert oder feminin, sondern locker mit einer gewissen Struktur. Schulterpads können dabei supercool aussehen, weil sie dem Mantel eine leicht kastige Silhouette geben, ohne dass er schwer wirkt. Für mich ist das die perfekte Mischung: basic, kombinierbar, aber trotzdem besonders und stylisch.
Trägst Du gern Accessoires im Winter? Welche und warum?
Ja, auf jeden Fall! Ich finde, es gibt so viele coole Winteraccessoires, mit denen man spielen kann. Zum Beispiel Mützenschals oder Baklavas, aber auch Sonnenbrillen finde ich im Winter oft richtig praktisch – das Licht ist ja nicht immer schön, es macht müde oder man bekommt Augenschatten, und da kann eine Sonnenbrille den Look gleich upgraden. Stulpen unter Boots finde ich auch cool, genauso wie verschiedene Strumpfhosen mit Mustern. Ich trage im Winter oft Schwarz und dunkle Farben, deshalb finde ich es cool, ab und zu ein farbiges Accessoire einzubauen, zum Beispiel eine Handtasche in knalligem Rot et cetera, um dem Look einen kleinen Kontrast und etwas Lebendigkeit zu geben.
Was trägst Du im Winter am liebsten, wenn es etwas schicker sein soll?
Wenn es ein bisschen schicker sein soll, würde ich wahrscheinlich wieder zu Overknee-Boots mit Absatz greifen, dazu eine Strumpfhose. Dazu kombiniere ich gerne kurze, schicke Shorts und einen Oversize-Blazer. So entsteht ein Look, der cool und androgyn wirkt, aber trotzdem sexy ist.
Gibt es Wintertrends, die Du schrecklich findest?
Eigentlich nichts. Manchmal sehe ich Trends und denke mir: „Nicht mein Ding“. Aber jeder, wie er mag. Ich selbst bleibe lieber bei Basics, die ich kombinieren kann, und füge dann vielleicht ein kleines Trendteil als Akzent dazu. Ich finde es gerade in Berlin superspannend, dass die Leute so viel ausprobieren – man sieht Sachen, die ich persönlich vielleicht nie tragen würde, aber trotzdem finde ich es cool, dass sie den Mut haben, ihren eigenen Style zu zeigen.
Was würdest Du nie tragen und warum?
Sag niemals nie. Aber worin ich mich unfassbar verkleidet und so gar nicht wie ich selbst fühlen würde: verspielte Blusen. Vor allem mit Rüschen. Absolut gar nicht mein Ding.
Kaufst Du selbst noch viel Kleidung und Accessoires oder trägst Du vor allem die Sachen aus Deinen Kooperationen?
Ehrlich gesagt kaufe ich fast alles selbst. Kooperationen mit Fashion-Marken kommen bei mir gar nicht so oft zustande, deswegen kaufe ich alles selbst und mache das auch supergerne. Ich liebe es, Secondhand zu shoppen, zum Beispiel auf Vinted, und lasse mich gern auf den Straßen Berlins inspirieren. Für mich macht das einfach Spaß, die Stücke selbst auszusuchen und meinen eigenen Stil zu entdecken.
Was sind Deine Lieblingsstücke im Kleiderschrank?
Meine Lederjacken, Overknee-Boots und oversized Blazer.
Welche Stücke in Deinem Kleiderschrank sind die teuersten?
Ehrlich gesagt, richtig teure Klamotten habe ich eigentlich gar nicht. Designer-Stücke besitze ich nur wenige und die habe ich in Secondhand-/Vintage-Läden entdeckt. Ich investiere mein Geld lieber in andere Dinge, vor allem in Reisen – ich bin totaler Reisefanatiker und freue mich immer darauf, neue Orte zu entdecken.
Worauf achtest Du bei Bekleidung und bei der Zusammenstellung von Outfits?
Ich achte eigentlich eher auf Basics und gute Schnitte. Farblich setze ich fast immer auf neutrale Töne – keine ausgefallenen Muster oder Prints, die sich schwer kombinieren lassen oder sich gegenseitig „beißen“.
Ich finde es außerdem einen guten Tipp, ein Teil zum Star des Outfits zu machen. Das können ein Oversized-Blazer mit ausgeprägten Schulterpads sein, besondere Boots oder eine tolle Handtasche – irgendetwas, das richtig raussticht. Den Rest halte ich dann eher schlicht. So wirkt das Outfit stimmig, aber trotzdem interessant.
Wo kaufst Du Bekleidung und Accessoires am liebsten?
Bei Vinted. Ich shoppe am liebsten von meiner Couch aus. In Geschäften fühle ich mich schnell reizüberflutet und gestresst. Und auf Vinted kann man so viele coole Schätze entdecken.
Welche Pläne hast Du für die Zukunft?
Ich bin ehrlich gesagt nicht so die große Planerin. Ich hoffe, dass ich noch eine ganze Weile modeln kann, habe aber natürlich auch schon Ideen und Gedanken, was danach kommen könnte. Mir ist vor allem wichtig, mich mehr auf den Bereich Fitness und Gesundheit zu konzentrieren. Ich habe mich bereits zur Ernährungsberaterin ausbilden lassen und mache gerade die Ausbildung zur Pilates-Lehrerin. Das würde ich gerne weiter ausbauen – aber ich weiß noch nicht genau, in welcher Form: ob ich das mehr auf Social Media teilen und Content für meine Community machen möchte oder ob ich den Teil eher außerhalb der Öffentlichkeit aufbaue. Ich bin neugierig und offen für alles, was sich daraus noch entwickeln kann.