Nach der dritten Niederlage und dem insgesamt sechsten sieglosen Spiel hat für den 1. FC Saarbrücken der Abstiegskampf begonnen. Am Samstag gegen Havelse muss gewonnen werden.
Drittligist 1. FC Saarbrücken hat derzeit alles, was einen Abstiegskandidaten ausmacht. Viel Unvermögen, ein bisschen Pech im Abschluss, unglückliche Schiedsrichter-Entscheidungen und dazu jede Menge Unruhe im Umfeld. Nach der 0:2-Niederlage bei Alemannia Aachen taumeln die Blau-Schwarzen scheinbar führungslos dem Tabellenende entgegen. Dass es rund um die Partie am Aachener Tivoli wieder einmal Schlagzeilen neben dem Platz gab, darf dabei nicht als Ausrede zählen. Alle taktischen Vorgaben waren bereits nach zwei Minuten Makulatur, als der frühere Saarbrücker Jugendspieler Lars Gindorf unbedrängt aus kurzer Distanz einschieben konnte. „Wir haben uns viel vorgenommen und sind dann wieder nicht aufmerksam. Wir haben nur den Ball im Blick und schauen nicht, was der Gegner macht. Ein schnell ausgeführter Freistoß reicht, um uns aus dem Konzept zu bringen“, sagte Trainer Alois Schwartz nach der Partie.
Seine Umstellung ging nicht auf. Dass er Till Schumacher von der Tribüne in die Startelf beorderte, war schon nach zwei Minuten Makulatur. Auch Joel Bichsel, der für Robin Bormuth in die erste Formation rotierte, sah da nicht gut aus. Man muss es so hart formulieren. Egal, ob Innen- und Außenverteidigung: Der FCS ist in der Defensive derzeit nicht drittligatauglich.
Hinzu kommt, dass Torwart Phillip Menzel zwar wöchentlich wortgewaltige Podcasts gibt, die unhaltbaren Bälle parieren aber in aller Regel die gegnerischen Torleute. Jan Olschowsky bewahrte die Alemannia zweimal vor dem Ausgleich.
Zu allem Überfluss hat der FCS derzeit kein Glück mit den Unparteiischen. Wie schon in Ingolstadt wurde den Blau-Schwarzen auch am Sonntagabend ein klarer Elfmeter verweigert. „Derzeit läuft alles gegen uns. In Ingolstadt können wir das Spiel auf 2:1 stellen, heute können wir ausgleichen. Die Schiris machen Fehler, das machen sie nicht mit Absicht, damit müssen wir leben“, sagte Schwartz. Auf der anderen Seite steht die Erkenntnis, dass die Mannschaft offenbar nicht bereit ist, sich zu quälen. Beim 0:2, das wieder Lars Gindorf erzielte, war der FCS über das gesamte Spielfeld unfassbar passiv. Dieses Tor darf nie und nimmer fallen. Und so werden die Rufe nach dem ehemaligen Kapitän Manuel Zeitz wohl auch nicht verstummen. Dass der 35-Jährige seit Wochen nicht im Kader steht, erklärte Schwartz vor dem Aachen-Spiel mit der biologischen Uhr.
Wieder einmal in Unterzahl
Die bisherigen Einsätze im zentralen Mittelfeld zeigten, dass diese Position für Zeitz keine Option mehr ist. Aber wie sieht es im Abwehrzentrum aus, die er bis zu seiner schweren Verletzung in der Vorsaison durchaus ordentlich gespielt hatte? Nach seiner Rückkehr monierte Ex-Coach Rüdiger Ziehl, Zeitz fehle die Bereitschaft an körperlichen Defiziten zu arbeiten. Sollte diese immer noch vorhanden sein, wäre es ehrlicher, es klar zu kommunzieren. Zumal er sich damit augenscheinlich in guter Gesellschaft befindet.
Der FCS ist in vielen Belangen schon jetzt ein Kellerkind, alle Statistiken belegen das. Und auch die zweite Halbzeit in Aachen, gegen einen biederen Gegner, lässt nur wenig Anlass zur Hoffnung. Zwei, drei halbe Chancen, viel Gebolze aus dem Halbfeld und wenig Esprit – der FCS war nie dran und dezimierte sich dann zehn Minuten vor dem Schluss selbst. Kamara, dem in der ersten Halbzeit ein Elfmeter verweigert wurde, kassierte eine Gelbe Karte wegen Meckerns. In der zweiten Halbzeit stieg er ungeschickt ein, für einen Schiedsrichter wie Timon Schulz ein gefundenes Fressen. Immerhin, aber das ist ein schwacher Trost: Schulz reihte sich in die Reihe der Akteure ein, die auf dem Tivoli kein Drittliga-Niveau hatten.
Nun kommt der TVS Havelse. Ein Aufsteiger aus dem traditionell schwachen Norden, der bisher noch keinen Sieg eingefahren hat. Man ist fast geneigt zu sagen, wenn nicht in Saarbrücken, dann wo?
Beim FCS wird es auch in den kommenden Wochen weniger ums Sportliche gehen. Die Entscheidung des Amtsgerichts Saarbrücken, die kürzlich verabschiedete Satzung vorerst nicht anzunehmen, hat die Turbulenzen noch verstärkt. Ob die Satzung kurzfristig „geheilt“ werden kann, ist ungewiss. Eine Medizin für die sportliche Krise hat Kapitän Sven Sonnenberg ausgemacht: „Ich kann mich jetzt hier hinstellen und viel erzählen. Aber am Ende geht es nur mit harter Arbeit.“
Und Richard Neudecker, der nach seiner Einwechslung immerhin sein Können ab und an aufblitzen ließ, sagte: „Ein Anfang wäre es, mal wieder zu null zu spielen“.