Wellness für Hunde? Aber ja! Und das gibt es durchaus in ambitionierter Form. In den USA und Thailand konzentrieren sich sogar ganze Hotelanlagen auf das Wohlbefinden der Vierbeiner, Kräuterstempelmassagen und eigene Hundesuiten inklusive. Deutsche Unterkünfte hingegen setzen auf den gemeinsamen Urlaub von Mensch und Tier.
So ein Hundeleben kann ja manchmal ganz schön anstrengend sein! Und da wollen viele Hundebesitzer, von denen es in Deutschland etwa zehn Millionen gibt, ihren geliebten Gefährten auch mal etwas gönnen: sündteure Leckereien, selbst gestrickte Jäckchen oder einen Besuch im Hundesalon. Angebote für Letzteres gibt es ja mittlerweile wie Kotbeutelspender im Stadtpark. Wer seinem Liebling mehr als eine „normale“ Pflege zukommen lassen will, bucht eine Wellnessanwendung. Das geht zum Beispiel in der Hamburger „Hundeliebhaberei“, die mit veganen Detox-Schlammbädern, Thalasso-Therapien und ätherischen Ölen wirbt, die via „Raindrop-Technique“ die felligen Vierbeiner entstressen sollen. Das Münchner „Fellwohl“ punktet mit einem Dreiklang aus „ästhetischer Pflege, präventiven Gesundheitsmaßnahmen und entspannenden Wellness-Dienstleistungen“. Die beachtliche Serviceliste reicht von „Puppy Pampering“ über Ozonbad und Mineralbehandlung bis zur Feel-good-Massage. Spätestens um 19 Uhr muss jedoch auch der letzte tierische Besucher in der Oettingenstraße nahe des Englischen Gartens abgeholt werden. Übernachtung? Gehört nicht zum Angebot.
Chauffeur-Service, Baden, Föhnen
Wohl aber in manchen Hunde-Spas in den USA. Ohnehin nahm die Bewegung dort ihren Anfang, als in den 80er- und 90er-Jahren in Los Angeles und New York die ersten derartigen Einrichtungen eröffnet wurden – eben gern auch mit Übernachtungsmöglichkeit. Wohlgemerkt für Vier- und nicht für Zweibeiner! In den Folgejahren folgten Nachahmer in England, Frankreich und dem übrigen Europa, doch in den Staaten wird nach wie vor extragroßer Bohei um „den besten Freund des Menschen“ betrieben. Manchen scheint ihr Haustier ja auch wirklich sehr lieb und teuer zu sein – mit Betonung auf Letzterem. Im 2007 eröffneten und seither mit etlichen Awards als „haustierfreundlichste Unterkunft“ ausgezeichneten „Paws Pet Resort & Spa“ in Connecticut kostet die Nacht je nach „Suitengröße“ 79 bis 93 US-Dollar, Verpflegung, Bespaßung und Kamera-Stream aufs Handy inklusive. Zusatzleistungen, vom privaten Hundeschultrainer bis zur intensiven Fellpflege, kosten, na klar, extra.
Zu den Extras der „Overnight Stays“ im „Paws Pet Resort“ in South Dakota zählen übrigens ein tierisch großer Indoor-Pool, ein Chauffeur-Shuttle-Service für den Hund sowie ein „Full Service Grooming“. So nennt sich ein Rundum-Pflegepaket, das neben dem Baden, Föhnen und Bürsten auch Krallenpflege, Trimmen und Ohrenpflege beinhaltet. Ach ja, Geburtstagsfeiern für Hunde und ihre Freunde können dort ebenfalls gebucht werden. Für 150 Dollar haben die dann das XXL-Spielgelände ganz für sich. Menschen müssen da übrigens draußen bleiben, zumindest überwiegend.
Groß im Hundegeschäft sind auch die „Club Pet Resorts“ rund um Denver sowie die „Olde Towne Pet Resorts“, die gleich drei Niederlassungen in der Nähe von Washington, D.C. betreiben und mit mehr als 130 Angestellten für das bestmögliche Wohl der Vierbeiner sorgen. Das wird gleich bei der Ankunft deutlich: Die typische „Rotunde“, also der Aufenthaltsraum für die vierbeinigen Urlauber, sieht aus wie die Lobby eines Vier-Sterne-Hotels. Und auch sonst ähnelt sich die Infrastruktur, zu der ein Swimmingpool zum Planschen und für Hydrotherapiestunden gehört, ein Nagelstudio für Pediküre und Extra-Leckerlis im Übernachtungsabteil, das man dank seiner Großzügigkeit und liebevollen Einrichtung beim besten Willen nicht als Zwinger bezeichnen kann. Das gilt auch für die exklusiven Hundesuiten im „Las Vegas Dog Hotel“ sowie in den weitläufigen „Pet Resorts Australia“.
Bestes Hundehotel im Bayerischen Wald
So richtig auf den Hund gekommen sind sie aber in Asien, insbesondere in Südkorea und Japan, wo Anfang der 2000er die Idee der Hundecafés aufkam – Orte, an denen Besucher mit den dortigen Hunden interagieren können. Um eigene Hunde geht es hier weniger, wohl aber in China, Vietnam und Thailand, hat doch die neue Oberschicht schon länger sündteure Zuchtrassen als Statussymbol entdeckt. Deren „Marktwert“ lässt sich dann nicht nur durch Designerschleifchen und Swarovski-Halsbänder steigern, sondern auch durch den Besuch edler Spezialadressen, etwa dem „Coffee & Puppy“ in Bangkok. Dort wird auch dem mitgeführten Hund eine Speisekarte ausgehändigt, damit Mensch und Tier ihr Menü gemeinsam verzehren können.
Überhaupt hat sich Bangkok zur Hochburg der Hunde-Verwöhnung entwickelt. Das „Indo Thai Dog Spa“ in Rasit unweit der Hauptstadt gilt gar als eines der weltbesten Hunde-Retreatments. Für Bello, Wuffi und Co. stehen dort mehr als ein Dutzend exotische Anwendungen zur Wahl – entspannende Blütenbäder, Fellweichspülungen und heilende Kräuterstempelmassagen. Hundezüchter Jare Jansrisuriyawong, der noch weitere „Premium Pet Spas“ in der Region betreibt, schwört auch auf heiße Packungen aus schwarzem Kaffee und Karotten, die den Pelz besser duften lassen, oder Bäder in warmem, mit Rosenblättern bestreuten Orangenmilchwasser, das gegen Ermüdung wirkt und Erkältungen und ähnliche Infektionskrankheiten verhindern soll.
Aber muss es derart abgefahren sein? Und derart weit gefahren werden? Noch dazu, um seinen Liebsten abzugeben? Sicher nicht. Ohnehin wollen doch die meisten eher Urlaub mit ihrem Hund machen. Laut hundehotel.info kommen dafür in Europa rund 700 Adressen infrage, die meisten davon in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz. Eines davon, das „Haus Waldeck“ in Philippsreut im Bayerischen Wald, zählt gar zu den bekanntesten Hundehotels auf dem Kontinent. Allein von 2020 bis 2025 wurde es sechsmal als bestes Hundehotel im deutschsprachigen Raum geehrt. Es wird ja auch wirklich viel geboten. Während Frauchen und Herrchen im Zimmer, Loft oder Cottage relaxen, vergnügen sich ihre Liebsten im „Hundeareal“, zu dem eine Indoor-Agility-Halle, ein Outdoor-Agility-Platz sowie ein Hundebadeteich samt Spielwiese zählen. Was ebenfalls gut ankommt, ist das Angebot wechselnder Hundetrainings und Workshops.
„Der Wolfshof“ im Harz ist ebenfalls ausgezeichnet, etwa vom Portal „tophotel“. Bei einer Online-Abstimmung zum „coolsten Hundehotel 2025“ holte es Bronze. Neben den speziell ausgestatteten Zimmern für Mensch und Hund kamen bei den Usern die zahlreichen Spazier- und Wanderrouten direkt vor der Haustür sowie die Nähe zum Harzer Hundewald gut an – und die persönlichen Tipps der hundeerfahrenen Hotelbesitzer. Da steigen Gäste halt gern mit ihrem Haustier ab. Wer darunter übrigens ein Pferd versteht (nebst Hund), ist im „Gut Feuerschwendt“ in Neukirchen vorm Wald – gemeint ist der Bayerische Wald – goldrichtig. Während das eigene Pferd in der „Gastbox“ unterkommt, findet der Hund Platz bei Herrchen und Frauen im Zimmer. Damit es dort auch schön heimelig wird, warten bei der Ankunft nebst Begrüßungsleckerli auch ein Napf sowie ein Hundebett. Und ein Fellhandtuch – sei es, wenn es beim Gassigehen regnet oder es zum Plantschen an den nahen Hundebadeplatz an der Ilz geht.