US-Präsident Donald Trump wollte das iranische Regime in die Kapitulation bomben. Stattdessen bekam er ein Rahmenabkommen, das sich wie ein Triumph Teherans liest.
Die amerikanisch-israelischen Luftschläge haben das iranische Regime getroffen, aber nicht gebrochen. In der Absichtserklärung mit Washington hat sich Teheran in weiten Teilen durchgesetzt. Sieben Punkte belegen dies.
Das Regime fühlt sich stark, weil es überlebt hat
Die von US-Präsident Donald Trump und seinem iranischen Amtskollegen Massud Peseschkian unterzeichnete Absichtserklärung für ein Friedensabkommen wird in Teheran als großer Sieg gefeiert. Kurz nach Kriegsbeginn hatte Trump noch gefordert, Iran müsse „bedingungslos kapitulieren“. Vorbei! Die massiven amerikanisch-israelischen Luftangriffe haben das Regime ebenso wenig gebrochen wie die Tötung des Obersten Führers sowie Spitzen aus Militär und Politik. Iran übte vielmehr Vergeltung, indem es die Golfstaaten mit Drohnen- und Raketenangriffen überzog. Die Revolutionsgarden schlossen die für den Handel mit Öl, Gas und Düngemitteln wichtige Straße von Hormus und nahmen die Weltwirtschaft in den Schwitzkasten.
Kein Kriegsziel erreicht
Das Regime fühlt sich stark für die auf zunächst 60 Tage terminierten Verhandlungen, die sich an die Unterzeichnung des Rahmenabkommens anschließen. Die zu Beginn des Krieges erhobene Maximalforderung, dass Iran sämtliche Atomanlagen abbauen müsse, bekam Trump nicht durch. Nach der Absichtserklärung verpflichtet sich die Islamische Republik, „Atomwaffen weder zu beschaffen noch zu entwickeln“ – ein Versprechen, das Teheran bereits beim Nuklearabkommen von 2015 abgegeben hatte. Die Frage der Urananreicherung soll nach den „nuklearen Bedürfnissen Irans“ in einer endgültigen Übereinkunft geregelt werden. Damit hätte das Regime sein Nuklear-Programm für eine zivile Nutzung wie etwa Kernenergie gerettet. Der Bestand an hochangereichertem Uran soll „vor Ort unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA)“ verdünnt werden. Trump hatte anfangs darauf gepocht, dass das Material in die USA transportiert wird. Die Iraner sehen die Zeit auf ihrer Seite – im Gegensatz zu Trump. Der braucht vor den Zwischenwahlen zum Kongress Anfang November einen Erfolg und will so schnell wie möglich den zu Hause unpopulären Krieg beenden.
Die neue iranische Führung ist radikaler
Zu Beginn des Iran-Krieges hatten Trump und Israels Premier Benjamin Netanjahu lauthals einen „Regime Change“ verlangt. Doch die neue iranische Machtelite ist radikaler und risikobereiter als jene in der Ära des getöteten Obersten Führers Ali Chamenei. Dieser war zwar einerseits ein ideologischer Hardliner mit Blick auf den „großen Satan USA“ und das „zionistische Gebilde Israel“. Andererseits hatte seine Politik durchaus pragmatische Züge. So gab er unter dem Motto der „heroischen Flexibilität“ grünes Licht für das Atomabkommen von 2015, das eine drastische Einschränkung der nuklearen Kapazitäten Irans vorsah.
Nach dem Zwölftage-Krieg im Juni 2025 wurde in Teheran die Option diskutiert, als Vergeltung die Straße von Hormus zu schließen. Ali Chamenei schmetterte den Vorschlag ab, weil er einen großen Krieg mit den USA und Israel vermeiden wollte. Diese Scheu gibt es an der derzeitigen Spitze des Regimes nicht mehr. Den Kurs bestimmen die Generäle der Revolutionsgarden. Sie sind konfrontativer als die Führung unter Ali Chamenei. Dessen Sohn Modschtaba, der seinem Vater als Oberster Führer nachfolgte, ist schwer verletzt und vertraut auf die Vorgaben der Revolutionsgarden. Iran ist heute mehr eine Militärjunta als ein Mullah-Regime.
Teheran setzt auf wirtschaftlichen Wiederaufbau und regionale Dominanz
Mit der von Trump angekündigten Aufhebung der US-Seeblockade kann Iran sofort wieder Öl exportieren und die abgebrannte Staatskasse auffüllen. Und dem Regime winken weitere ökonomische Vorteile. Laut Absichtserklärung arbeiten die USA und ihre „regionalen Partner“ an einem Plan zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Irans. Das Volumen soll mindestens 300 Milliarden Dollar umfassen. Die USA verpflichten sich, „alle Arten von Sanktionen“, die derzeit gegen Iran bestehen, aufzuheben.
Weiterer Geldsegen für Teheran: Washington sagt zu, während der Gespräche über eine endgültige Vereinbarung „eingefrorene oder beschränkte Vermögenswerte“ Irans freizugeben. Die in ausländischen Banken blockierten Gelder werden auf mehr als 100 Milliarden Dollar geschätzt. Die opulente Finanzspritze dürfte in den sunnitischen Golfstaaten alte Ängste vor dem Hegemonialstreben des schiitischen Nachbarlandes befeuern. Zudem ist damit zu rechnen, dass Teheran regionale Verbündete wie Hisbollah, Hamas oder Houthis wieder unterstützt. Das Regime sieht darin eine Abschreckungsstreitmacht gegen den Erzfeind Israel.
Iran hat sich durchgesetzt: Libanon ist Teil der Absichtserklärung
Netanjahu hatte sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, dass Libanon in die Übereinkunft zwischen den USA und Iran einbezogen wird. Die Absichtserklärung legt ein „sofortiges und dauerhaftes Ende der Militäraktionen an allen Fronten – einschließlich Libanon“ fest. „Die iranische Führung sieht sich imstande, die Bedingungen zu diktieren, die ihrer Ansicht nach nicht nur die Vereinigten Staaten binden, sondern auch Israel“, sagt Hamidreza Azizi von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Teheran verlangt, dass ein endgültiges Abkommen den Abzug der israelischen Armee aus dem besetzten Teil im Süden des Libanon vorsieht. Die Regierung in Jerusalem pocht hingegen auf „Sicherheitszonen“, um den Norden Israels vor Attacken der Hisbollah zu schützen.
Straße von Hormus als Irans Faustpfand
Iran betrachtet mit großer Genugtuung, dass Trump und sein Vize J.D. Vance in letzter Zeit Netanjahu mehrmals in die Parade fuhren. Wenige Monate vor den Parlamentswahlen im Herbst liegt Israels Premier in den Meinungsumfragen zurück. Er könnte versuchen, politisch zu punkten, indem er die amerikanisch-iranischen Verhandlungen torpediert. Zum Beispiel durch harsche Attacken gegen die Hisbollah, was die Gefahr iranischer Vergeltungsaktionen nach sich zöge. Der Konflikt in Libanon kann eine umfassende Einigung der USA mit Iran jederzeit entgleisen lassen.
Die Begrenzung des iranischen Raketenarsenals wird ausgeklammert
Obergrenzen für den iranischen Raketenbestand waren eines der wesentlichen Kriegsziele Trumps und Netanjahus. Davon ist in der Absichtserklärung nicht mehr die Rede. Die Iraner sehen in ihrem Arsenal an Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen den Kern ihrer Abschreckung gegen Angriffe von außen. Trump hat zwei Prioritäten. Erstens: die Öffnung der Straße von Hormus – in der Hoffnung, dass die Börsenkurse nach oben schießen und die Ölpreise sinken. Zweitens: eine Begrenzung des iranischen Atomprogramms, das er zu Hause als Erfolg verkaufen kann.
Vom Stopp der Unterstützung für Irans Verbündete ist nicht mehr die Rede
Weiteres ursprüngliches Kriegsziel Trumps und Netanjahus: Iran sollte daran gehindert werden, den Milizen der Hisbollah, Hamas und Houthis Rückendeckung zu geben. Auch diese Forderung findet sich in der Absichtserklärung nicht mehr.
Die Straße von Hormus bleibt ein Machthebel des Regimes
In der Absichtserklärung hat sich Teheran zwar darauf festgelegt, dass die Straße von Hormus 60 Tage lang kostenfrei befahrbar sein soll. Gleichzeitig ist vorgesehen, dass Iran im Dialog mit Oman die „künftige Verwaltung“ der Meerenge sowie „maritime Dienstleistungen“ festlegt. Das klingt nach einer Gebühr für Handelsschiffe, zum Beispiel für Navigations-Service oder Versicherungen. Kommt es dazu, hätte sich das Regime auch in dieser Frage durchgesetzt. Die Straße von Hormus bleibt ein wichtiger Machthebel Teherans. US-Geheimdienste gehen laut einem Bericht des TV-Senders CNN davon aus, dass Iran künftig jederzeit die wichtige Schifffahrtsroute wieder blockieren könnte.