Für den Forschungs- und Hochschulstandort Saarland hat das Jahr 2025 einige zentrale Zukunfts-Weichenstellungen gebracht. Es wird enorm viel Geld investiert, gebaut, gefördert und entwickelt.
Gleich zu Beginn des Jahres gab es auf dem Neujahrsempfang der Universitätsklinik in Homburg ein echtes Ausrufezeichen. Die Landesregierung will ein komplett neues Uni-Klinikum bauen, eine Mega-Investition von gut einer Milliarde Euro. Mit einem Zentralbau soll die gewachsene Zersplitterung mit all ihren Nachteilen ein Ende haben, sagte der Chef der Staatskanzlei und Aufsichtsratsvorsitzende der Uniklinik, David Lindemann. Um weiter Spitzenmedizin in Homburg zu betreiben, sollen im neuen Gebäude auch deutlich mehr Flächen für Forschung zur Verfügung stehen. Die Umsetzung für das Leuchtturmprojekt für Medizin und Forschung soll in drei großen Bauabschnitten erfolgen.
Intensiv gebaut wird auch in Saarbrücken: Mitte des Jahres war Richtfest für eines von drei Studentenwohnheime auf dem Campus der Uni Saarbrücken mit über 230 Plätzen. Insgesamt sollen gut eintausend neue Studenten-Wohnheimplätze entstehen. „Das neue Wohnquartier auf dem Campus wird die Studienbedingungen erheblich verbessern“, erklärte Wissenschaftsminister Jakob von Weizsäcker. Eines der Ziele dabei ist auch, den Campus insgesamt wieder zu beleben und attraktiver zu machen. Das ist Teil der Entwicklungsstrategie von Uni-Präsident Ludger Santen.
Dazu gehört eigentlich auch ein neuer Forschungscampus, eine Erweiterung der Uni Richtung Stuhlsatzhaus. Eine „zentrale Maßnahme für die Ansiedlung und Weiterentwicklung von Forschungskapazitäten, Wissens- und Technologietransfer und Ausgründungen“, hatte auch Wirtschaftsminister Jürgen Barke betont. Dafür müsste aber ein Teil des Stadtwaldes gerodet werden, was wiederum Umweltschützer und Aktivisten („Hanni bleibt“) auf den Plan rief. BUND und Nabu klagten gegen den Bebauungsplan. Anfang des Jahres wurden die geplanten Rodungen zunächst im Eilverfahren gestoppt. Im Oktober stoppte das Oberverwaltungsgericht den Bebauungsplan (der Stadt Saarbrücken) endgültig wegen Mängeln bei der Aufstellung. Uni, Landesregierung und Landeshauptstadt wollen aber an den Plänen festhalten, begründen das unter anderem mit der Notwendigkeit einer interdisziplinären Vernetzung von außeruniversitären Forschungsinstituten (DFKI, HIPS, MPI, Fraunhofer), Universität und Start-ups. Die Stadtverwaltung will den Bebauungsplan nachbessern, am Ende des Jahres ist das weitere Verfahren offen.
Enttäuschung gab es auch im Mai, als der Antrag zu einem Exzellenzcluster in der Wirkstoffforschung (NextAid³) in der Endrunde bei der Deutschen Forschungsgesellschaft nicht von Erfolg gekrönt war. Trotzdem sei schon die Teilnahme an dieser Endrunde ein Erfolg, der zeige, „dass wir auf dem richtigen Weg sind“, so die Beteiligten. Entsprechend wird das Projekt weitergetrieben. Es geht dabei darum, mittels KI Wirkstoffkandidaten für Medikamente ausfindig zu machen, was der Suche nach der berühmten „Nadel im Heuhaufen“ gleichkomme.
Im Juni konnten Uni und Wissenschaftsministerium den Aufbau eines Zentrums für Quantentechnologien ankündigen, das in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Jülich entstehen soll. Das Saarland stellt dafür aus dem Transformationsfonds über 50 Millionen Euro zur Verfügung, „eine der größten Einzelfördermaßnahmen im Hochschul- und Wissenschaftsbereich, die das Saarland je auf den Weg gebracht hat“, wie Wissenschaftsminister von Weizsäcker unterstreicht.
Ebenfalls aus Mitteln des Transformationsfonds (Trafo) konnten Forschungsprojekte in den Bereichen Energie (EnFoSaar), Kreislaufwirtschaft (CircularSaar) und Datenanalyse (SOUNDS) auf den Weg gebracht, was ohne das Sondervermögen nicht möglich gewesen wäre.
Start-up-Factory und neue Forschungsprojekte
Ein Erfolg ist auch das Projekt „Southwest X – The Bridge to Innovation“, ein überregionales Konsortium unter der Federführung der Universität des Saarlandes, das im Juli zu den Gewinnern des bundesweiten Leuchtturmwettbewerbs „Start-up Factories“ gehörte und entsprechend mit zehn Millionen Euro gefördert wird.
Planungssicherheit haben sowohl die Universität des Saarlandes als auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW durch die neu verhandelten Ziel- und Leistungsvereinbarungen. In denen sind die Rahmenbedingungen für die kommenden vier Jahre festgelegt.
Für die Universität ist neben einer Grundfinanzierung (Globalhaushalt) ein zusätzliches Leistungsbudget im Umfang von 25 Millionen Euro vorgesehen, das an die Erreichung vereinbarter Ziele geknüpft ist, beispielsweise Abschlüsse und Promotionen oder Studierendenzahl. Dazu sind 115 Millionen Euro für Forschung und Lehre am Universitätsklinikum in Homburg vorgesehen, sodass das Land insgesamt in den kommenden vier Jahren rund eine Milliarde Euro für die Universität bereitstellt.
Die Zeil- und Leistungsvereinbarung mit der HTW orientiert sich an der Uni, es gibt ein Globalbudget und ein Zusatzbudget, das an das Erreichen vereinbarter Ziele geknüpft ist.
Ansonsten bleibt der Campus der Universität eine Dauerbaustelle. Zu den größten gehören das neue Zentrum für Biophysik, der Neubau eines Lehr- und Hörsaal-Gebäudes der Philosophischen Fakultät sowie die Sanierung des Gebäudes der Geisteswissenschaften, das vor Jahren aus Brandschutzgründen geschlossen wurde. Eine Entscheidung über eine mögliche Sanierung (oder Abriss?) der Mensa, ein preisgekrönter und eigentlich denkmalgeschützter Bau, ist noch offen.
Für Diskussionen sorgte schließlich noch ein anderes Großprojekt. Im Juli hatte die Landesregierung die Weichen für einen neuen Campus des CISPA – Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit in St. Ingbert gestellt und dafür 350 Millionen Euro bereitgestellt. Ein Leuchtturmprojekt für internationale Spitzenforschung, digitalen Wandel und Innovationskraft, hieß es damals. Der Umzug nach St. Ingbert war zu Beginn des Jahres beschlossen worden.
Diskussionen gab es dann um den (zusätzlichen) Bau eines CISPA Innovation Campus für Ausgründungen und Startups, den das Land bereitstellen wollte. CISPA-Chef Michael Backes warf der Landesregierung dann im Herbst vor, dass es mit diesem Projekt nicht schnell genug vorangehe. Schließlich kündigte CISPA an, dass der CISPA Innovation Campus mit einem privatwirtschaftlichen Partner, der Peter Groß Bau, realisiert werde.