In seinem Repertoire bringt Saxofonist und Vokalist Antonio Lizana auf eigene Art Jazz und Flamenco zusammen. Neben den Musikern mischt im Quintett ein Flamencotänzer mit, zu erleben beim dritten Abend von „fill in – International Jazzfestival Saar“.
Herr Lizana, Sie integrieren in Ihrer Musik Einflüsse von Flamenco und Jazz. Was brachte Sie auf die Idee?
Das war auf eine Art immer da. Ich fing an, klassisches Saxofon zu lernen. Gleichzeitig begann ich als Teenager, in Flamencobands zu spielen. Da spielte ich traditionelles Repertoire, aber ich hatte gleichermaßen das Bedürfnis, zu improvisieren. Vom Flamenco aus hörte ich mir immer mehr Jazz an, fing an, Musik zu transkribieren, und lernte mehr über Jazz. Als ich später meinen Jazzabschluss machte, konzentrierte ich mich auf diese Musik. Aber wenn ich etwas komponierte, konnte ich nicht vermeiden, dass die anderen musikalischen Einflüsse hinzukamen. Wenn ich etwas komponieren wollte als Basis für Improvisation, war es für mich leichter, das mit Flamencorhythmen zu verknüpfen oder mit Melodien, die ein andalusisches oder Flamencoaroma hatten.
Haben Sie jemals Musik ganz ohne Flamencoeinflüsse komponiert?
Das habe ich als Übung gemacht, aber selten. Es gibt auf meinem ersten Album eine Komposition namens „Cruzando el Estrecho“. Das ist Straight-Ahead-Jazz im 4/4-Takt. Ich würde sagen, da ist kein Flamenco dabei. Nur in einem Moment erscheint die Harmonie wie ein phrygischer Akkord. Es ist allerdings nur ein phrygischer Akkord, kein Flamenco.
Aber Flamenco ohne Jazzeinflüsse haben Sie oft gespielt?
Ich habe viel in traditionellen Flamencoensembles gespielt. Doch da mein erstes Instrument das Saxofon ist, brachte ich oft Improvisation mit hinein, da war immer etwas vom Jazz.
Gab es Vorbilder, die Sie inspiriert haben?
Mein erstes Vorbild kam aus der Band von Paco de Lucía. Er hatte in den späten 1970ern, 1980ern ein außergewöhnliches Sextett. Er spielte als Erster in dieser Form Flamenco und hatte einen hervorragenden Holzbläser dabei, Jorge Pardo. Carles Benavent spielte Bass. Das war die Musik, die ich als Junge nachahmen wollte. Sie waren meine Idole. Mit der Zeit ging ich etwas mehr in Richtung Jazz. Und diese Musiker waren die ersten, die Jazz in den Flamenco brachten.
Sie haben in Ihrem Quintett einen Tänzer dabei. Der Tanz ist offenbar ein wesentlicher Teil der Musik.
Das Quintett ist meine Hauptband. Der Tänzer ist ein ganz wichtiges Mitglied. Selbst wenn die anderen drei Musiker den Flamenco kennen, sind sie von ihrer Kultur her keine Flamencokünstler. Wenn der Tänzer nicht dabei ist, wirkt das manchmal wie ein Jazzquartett mit einem Flamencosänger. Es gibt nicht so dieses Gewicht des Flamencos. Wenn der Tänzer dabei ist, tanzt er nicht nur, er klatscht, macht Jaleos (typische Anfeuerungsrufe, Anm. d. Red.), um die Leute zu ermutigen weiterzuspielen. Zusammen können wir den Jazzteil und den Flamencoteil in ein ausgewogenes Gleichgewicht bringen. Und er singt die Hälfte der Zeit mit mir zusammen.
Das Quintett gibt es inzwischen seit vielen Jahren.
Ich hatte zwei Quintette. Das erste Album erschien 2012, und ich änderte die Band 2017. Seitdem versuche ich, das Quintett in dieser Form beizubehalten. Anfangs hatte ich den Tänzer nicht immer dabei, sondern zuerst einen Perkussionisten. An einem Punkt wechselte ich ihn aus gegen den Tänzer.
Sie haben noch ein relativ neues Trio.
Inzwischen habe ich zwei Trios. Eines mit Flamencogitarre und einem Percussionisten, das gibt es seit vielen Jahren. Anfangs war das eine Lösung für kleinere Konzerte, eine Art akustische Version meiner Band. Vor zwei Jahren ergänzte ich ein neues Jazztrio mit Kontrabass und Schlagzeug. Wir spielen Musik von Paco de Lucía auf eine jazzige Art.