Ob 1980 bei seinem Durchbruch in „Wie ein wilder Stier“, 1990 in seiner oscarnominierten Rolle in „Goodfellas“, 1992 in „Kevin allein zu Haus“ oder zuletzt 2019 in „The Irishman“, stets glänzte er in Gangsterrollen. Der 82-Jährige war aber auch Musiker und hat einige Platten veröffentlicht.
Nachdem Joe Pesci schon als Vierjähriger in einer Radioshow aufgetreten war, mit zehn neben Connie Francis zum Ensemble der TV-Serie „Star Time Kids“ gehörte und schon früh als Entertainer über regionale Bühnen tingelte, schien eine Karriere im Musikgeschäft naheliegend. Als Gitarrist der Gruppe Joey Dee & The Starliters war er sogar 1960 an deren Millionenhit „Peppermint Twist“ beteiligt, den er und seine Bandkollegen 1961 auch in einem Kurzauftritt im Film „Twist… dass die Röcke fliegen“ zum Besten geben konnten. Zudem brachte Pesci damals seine Freunde Tommy DeVito, Bob Gaudio und Frankie Valli für die Gründung der Erfolgsband „The Four Seasons“ („Sherry“) zusammen. Aber sein erster eigener Gehversuch in der Plattenbranche („Little Joe Can Sing“, 1968) war wenig erfolgreich. Trotzdem blieb er am Ball und drängte nach den ersten Erfolgen als Schauspieler mit einem Oscar und weiteren Auszeichnungen zurück ins Musikbusiness. 1999 verkündete Pesci dann sogar das Ende seiner Filmlaufbahn, um sich künftig wieder mehr der Musik zu widmen. Es folgten seitdem drei Studioalben: 1998 „Vincent LaGuardia Gambini Sings Just For You“, 2000 „Joey DeFrancesco featuring Joe Doggs, Falling in Love Again“ und zuletzt 2019 „Pesci…Still Singing“. Pescis spezielle Musik, eine Mischung aus Bigband-Jazz und Hip-Hop, war jedoch nur mäßig erfolgreich.
Unzählige Nominierungen
Als Schauspieler lief es für ihn dagegen fast von Beginn an prächtig, auch wenn er meist nur für Nebenrollen besetzt wurde. 1966 wirkte Pesci in zwei Folgen der TV-Serie „Hoppla, Lucy“ mit. Danach war er nach seinem Kino-Erstling „Blutiger Zahltag“ (1976) in einigen Klassikern der 80er- und 90er-Jahre zu sehen wie in „Wie ein wilder Stier“, „Es war einmal in Amerika“, „JFK – Tatort Dallas“, den beiden „Kevin allein“-Filmen oder „Lethal Weapon 4“. Als er 1999 seinen Rückzug vom Filmbusiness verkündete, gehörte er auch ohne große Hauptrollen zu den gefragtesten Hollywood-Charakterdarstellern überhaupt.
Wahrscheinlich war sein fehlender musikalischer Erfolg der Grund dafür, dass er nach einem halben Jahrzehnt Pause gelegentlich doch wieder Filmrollen übernahm: 2006 kam er in seiner sechsten Zusammenarbeit mit Freund Robert De Niro in „Der gute Hirte“ wieder auf die Leinwand zurück. 2010 spielte Pesci dann neben Helen Mirren in „Love Ranch“ die Hauptrolle eines Bordellbesitzers und Gangsters. Danach blieb Pesci der Filmbranche neun Jahre lang fern, bevor er 2019 im Gangsterfilm „The Irishman“ erneut mit Martin Scorsese und Robert De Niro zusammenarbeitete. Mit Erfolg: Pesci erhielt 2019 für die beste Nebenrolle jeweils den New Yorker und den Detroiter Filmkritiker-Preis, dazu 2020 eine Golden-Globe- und eine Oscarnominierung sowie ein halbes Dutzend weitere Nominierungen für renommierte Auszeichnungen. Dabei wollte er in „Irishman“ die Rolle des Russel Bufalino ursprünglich gar nicht übernehmen, weil er „das Gangster-Ding nicht mehr machen wollte“. Angeblich musste Scorsese Pesci Dutzende Male bitten, bevor er den Vertrag endlich doch unterzeichnete. Obwohl Pesci ziemlich zeitgleich zu den Dreharbeiten am „Irishman“ nach fast einem Jahrzehnt Ende 2019 auch wieder ein Musik-Album veröffentlichte, möchte er die Schauspielerei offensichtlich nicht mehr missen: Er ist in der halbautobiografischen Serie „Bupkis“ über den Produzenten Pete Davidson als dessen Großvater Joe Larocca zu sehen. Die erste und einzige Staffel der Serie lief im Juli 2025 auch im deutschen Fernsehen.
Keine „Kevin“-Fortsetzung
Neuestes Projekt von Pesci ist das Filmdrama „Day of The Fight“, ein Regie-Debüt des Schauspielers und John-Huston-Enkels Jack Huston, der im November 2024 in die US-amerikanischen Kinos kam. In dem Film geht es um einen Boxer, der vor seinem Comeback-Kampf nochmal mit seiner problematischen Familiengeschichte konfrontiert wird. Pesci spielt hier den dementen Vater der Hauptfigur. Auf diese schwierige, vollkommen wortlose Rolle eines ehemaligen Musikers, die ihm speziell auf den Leib geschrieben wurde, hat Pesci sich durch Besuche bei einem Neurologen vorbereitet, um die Eigenheiten einer dementen Person besser verstehen zu können. In „Day of The Fight“ kommt auch der Song „If I Ever Lost You“ aus Pescis letztem Album „Still Singing“ zum Einsatz, laut Regisseur eine der bewegendsten Szenen des Films. Alle Jahre wieder, wenn „Kevin allein zu Haus“ traditionell durch die weihnachtlichen Wohnzimmer flimmert, kommen Gerüchte auf, es könnte eine weitere Fortsetzung geben. Pesci hält eine nochmalige Darstellung des tollpatschigen Ganoven Harry für „eher schwierig“, weil die Aura der Originalfilme nur schwer reproduzierbar sei: „Es ist eine andere Zeit, Einstellungen und Prioritäten haben sich geändert“, betonte Pesci 2022 gegenüber dem Magazin „People“.