Die Fernsehköchin und Food-Influencerin Felicitas Then kocht ein halbes Jahr im „NYX“. Es ist das Konzept des Hotels, prominenten Köchinnen und Köchen auf Zeit eine Bühne zu geben.
Eine Köchin aus Neukölln, die zeigen will, „wie gut Köpenick und Kalifornien zusammenpassen“. Das mit dem „modernen, bunten Sommerkonzept“ hätte mich nicht aufhorchen lassen – aber das schon. Wobei: Zu sagen, dass Felicitas Then eine Köchin ist, wäre untertrieben. Die 39-Jährige hat Englisch und Kunst auf Lehramt studiert, wurde aber keine Lehrerin, sondern Journalistin, lernte an der Axel-Springer-Akademie und hat für die „Bild“-Zeitung gearbeitet – eine Weile zumindest. Dann wurde sie Fernsehköchin, Food- und Reise-Bloggerin, Influencerin. Seit April kocht sie – neben all ihren anderen Aktivitäten – im „Clash Kitchens & Bar“ im „NYX Hotel Köpenick“.
Der Clash, also der Zusammenstoß zwischen Köchin und Hotelküche, dauert rund ein halbes Jahr – das ist das Konzept der Gastronomie in dem Hotel, das erst im Mai vergangenen Jahres eröffnet wurde. Das „NYX“, das zur Leonardo-Hotel-Gruppe gehört, will kein gewöhnliches Hotel sein. Schließlich ist schon die Lage außergewöhnlich: nicht mittendrin in der Weltstadt, sondern am Rand, idyllisch gelegen mit Blick über die Dahme, einen Nebenfluss der Spree, zum Schloss Köpenick. Die Lage direkt am Wasser soll „Urban Traveller und Kreative gleichermaßen“ anziehen, heißt es. Durch das „Clash“-Konzept sollen auch Menschen angelockt werden, die kulinarisch auf Abenteuerreise sind – auch Menschen aus Berlin selbst, denn für viele ist das Rausfahren nach Köpenick durchaus eine Reise.
Von Berufs wegen stets gut gelaunt
Felicitas Then findet Köpenick jedenfalls „richtig geil“ – und sagt, dass es schon etwas von Urlaub hat, wenn sie von Neukölln aus hier ankommt. Umso mehr freue sie sich, dass sie mit dem, was sie den Gästen des Hotel-Restaurants bietet, dazu beitragen kann, dass Köpenick nicht nur wegen des Hauptmanns, sondern wegen guter Urlaubs-Gefühle ins Gespräch kommt. „Die Hauptmännin von Köpenick“ hat sie eine lokale Gastro-Zeitung deshalb neulich genannt.
Den ersten Clash hat mit der Eröffnung des Hotels die argentinisch-italienische Fernsehköchin Graciela Cucchiara übernommen, den zweiten Zusammenstoß mit der Köpenicker Küche Kristof Mulack, der sich selbst als Gastgeber, Entertainer und Szenegastronom bezeichnet. Gemeinsam haben die drei unter anderem, dass sie in der Sat.1-Koch-Casting-Show „The Taste“ große Auftritte hatten. Felicitas Then hat 2013 die erste Staffel sogar gewonnen, Kristof Mulack 2015 die dritte.
Ich gebe zu: Ich hatte von all dem keine Ahnung, bevor ich nach Köpenick gefahren bin. Auch nicht davon, dass die Frau, die sich dann im „NYX“ als Feli vorstellte, nach „The Taste“ ein Jahr lang als Fernsehköchin in der Sendung „Berlin kocht“ von TV Berlin zu sehen war. Vollkommen an mir vorbeigegangenen ist auch, dass Feli von Juni 2015 bis März 2021 Köchin, Rezeptautorin und Moderatorin des von Edeka, also von denen, die sagen, dass sie Lebensmittel lieben, gesponserten Kochkanals „YumTamTam“ auf der Internetplattform Youtube war. Ihre Koch-Show auf dem Berliner Radio-Sender RS2 habe ich nie gehört, ihre „Die Foodtruckerin“-Reportagen beim Fernsehsender N24 nie gesehen. Mir ist entgangen, dass ihr 2017 der Publikumspreis beim Berliner „Eat!“-Festival verliehen wurde und dass sie von 2017 bis 2019 zur Jury der Kochsendung „Stadt, Land, Lecker“ gehörte. Dass sie 2024 als Gastjurorin im Finale der 13. Staffel zu „The Taste“ zurückkehrte und im vergangenen Jahr in der Neuauflage der deutschen Version der Kochshow „Master Chef“ auf Sport1 als Jurorin tätig war, ist ebenfalls irgendwie an mir vorbeigerauscht.
Ich mag gute Geschichten, ich mag Speisen und Getränke, die nicht nur Hunger und Durst stillen, sondern mich begeistern – und am allerliebsten mag ich Kochkunst, die gute Geschichten erzählt. Aber irgendwie waren die Orte, an denen ich nach diesen Geschichten bisher gesucht habe, ganz offensichtlich nicht die, an denen Felicitas Then sie erzählt hat. Aber dann der Zusammenstoß im „NYX“ – und eine weitere Erkenntnis: Felicitas Then ist nicht nur Profi-Köchin, sie ist auch von Berufs wegen gut gelaunt.
Und das passt gut zum Ergebnis des Clashs der Köchin mit Köpenick: Bunt ist ihr Essen, kreativ gewürzt, alles andere als langweilig. Und es ist so konzipiert, dass man es auf den Tisch stellen und teilen kann. Alles andere wäre auch ziemlich gemein, denn wenn man sich nur für ein Gericht entscheiden müsste, um dann vor seinem Teller sitzen und brav aufzuessen, würde einem vieles entgehen. Mal ganz abgesehen davon, dass es fast übermenschlicher Selbstbeherrschung bedürfte, nicht doch mit der Gabel auf dem Teller der Tischnachbarn zu wildern.
Einfach alles bestellen und teilen
Damit das auch jeder versteht, bevor die Konflikte entstehen, steht auf der Speisekarte der Hinweis, dass man die kleinen Gerichte zu Beginn am besten teilt: Beef Tatar mit Limettencreme, Senfkaviar und Chips aus dem Wurzelgemüse Topinambur zum Beispiel. Oder Pinsa-Fladenbrot mit Burrata aus Brandenburg, gerösteten bunten Tomaten, marinierten Zwiebeln und Berliner Wunderlauch-Pesto. Vorspeise Nummer drei sind Deviled Eggs – „wie Omas gefüllte Eier, nur in schön“, wie Felicitas Then erklärt. Die mit Rote Bete gefärbten Eier sind mit Estragon-Remoulade und vegetarischem Kaviar gefüllt. Dazu gibt es Brot aus der Gorilla-Bäckerei, einem Betrieb, der auf klassisches Handwerk setzt.
Danach muss man dann eine Entscheidung treffen. Drei Hauptgerichte hat Feli auf der Karte platziert: einen Burger mit knusprigem Hähnchenfleisch mit Pink Kimchi und Safran-Majo, ein 200 Gramm schweres deutsches Entrecôte vom Lavasteingrill mit Chimichurri, einer argentinischen Grüne-Kräuter-Soße, und knusprigen Lachs auf Garnelen-Bisque-Creme und Shizokresse.
Hat man diese Entscheidung getroffen, steht die Nächste an – nämlich die zwischen den Beilagen: Mais-Polenta mit Feta-Topping, Tomatensalat mit Ponzu und Koriander, Pimientos mit Tahini-Joghurt oder Patatas Bravas mit geräucherter Paprika-Majo. Je mehr Menschen am Tisch sitzen und je besser man sich mit denen versteht – beim Essen hört ja für den einen oder die andere die Freundschaft auf –, desto leichter fallen die Entscheidungen. Den meisten Spaßfaktor bietet es nämlich, einfach alles zu bestellen und auch die Hauptspeisen zu teilen.
„Pure Freude und Happiness“
Die Nachtisch-Auswahl ist nicht ganz so üppig, aber deshalb nicht weniger schwierig: „Tutto Bueno“ nennt Felicitas Then ihr hausgemachtes Haselnusseis mit Knusperkern und Schokosahne. Die Alternative: Zitronen-Tiramisu mit Felicello. Das ist Felicitas Thens Variante des Limoncello: eine Mischung aus 26-prozentigem Alkohol, Zitronenschalen, Zucker und Salz, das Ganze garantiert ohne Farb- oder andere Zusatzstoffe. Wobei Feli verspricht, dass sie deutlich mehr Zitronenschalen verwendet als bei vergleichbaren Produkten. Überhaupt: Bei den Portionen geizen sie und das Hotelmanagement nicht. Ein Abend im „NYX“ ist keiner, an dessen Ende man kulinarisch Großes erlebt hat, sich aber überlegen muss, wo man jetzt noch etwas gegen den Hunger herbekommt.
Da Felicitas Then – bei all den Aktivitäten ahnt man es – nicht jeden Abend selbst in der Küche des „NYX“ stehen kann, hat sie das Küchenteam erst für ihre Rezepte begeistert und dann erklärt, wie es am besten funktioniert: im Zweifel lieber etwas mehr Gewürze. Vor allem die Geschmacksrichtung Umami kommt so gut raus. Denn „Umami ist Umarmi“, sagt Feli – also eine kulinarische Umarmung. Überhaupt: Essen ist Gefühl, nicht nur Nahrungsaufnahme, findet die Köchin. Sie will mit dem, was sie im „NYX“ servieren lässt, nicht nur dieses Hotel und für Köpenick begeistern, sondern ihren Gästen auch Lust machen, selbst zu kochen und die Freude zu spüren, die entsteht, wenn man für andere etwas zubereitet. „Pure Freude und Happiness“, nennt Felicitas Then das.
Sie wechselt oft zwischen englisch- und deutschsprachigen Begriffen hin und her. Ist das der „California Clash“, den die Speisekarte verspricht? Der Zusammenstoß zwischen Köpenick und Kalifornien? Und was hat dieses kulinarische Feuerwerk mit Kalifornien zu tun? Sie sei in über 60 Länder unterwegs gewesen und habe dabei viele faszinierende Speisen entdeckt, erklärt Feli. Los Angeles sei die faszinierende Stadt, in der vieles von dem zusammenkommt. In Los Angeles spiegele sich eine „farbenfrohe, modern-internationale Küche“ wider – eine Küche, die wie ihre eigene ist.