Der zweimalige Trainer des Jahres (1980, 1991) holte als einziger Coach mit drei Clubs den DFB-Pokal. Der 92-Jährige lebt heute in Braunschweig und nahe Malaga und freut sich auf das bevorstehende Filmprojekt über ihn und seine Karriere.
Karl-Heinz „Kalli“ Feldkamp genießt auch jenseits der 90er in Kaiserslautern und Istanbul bis heute Kultstatus. Nachdem er von 1978 bis 1982 den 1. FCK zum Spitzenteam formte, das vier Jahre hintereinander unter den ersten Vier der Bundesliga landete, holte er bei seiner Rückkehr mit den Pfälzern 1990 den DFB-Pokal und im Jahr darauf sensationell die deutsche Meisterschaft. „Das war der schönste Tag meiner Trainerlaufbahn“, erinnert sich Feldkamp bei Sport1. Überhaupt hat es ihm die Pfalz angetan: „Meine Frau und ich lieben die Pfalz bis heute.“ Eigentlich habe das Ehepaar Feldkamp sogar vorgehabt, seinen Lebensabend in dieser Region zu verbringen, leider sei es aber dann anders gekommen: „Es war dennoch eine großartige Zeit. Ich bin auch heute immer wieder gerne in der Pfalz.“
Ende 2025 hat dann der FCK den legendären Meistertrainer zur 125-Jahr-Feier nach Kaiserslautern eingeladen, wo es auch ein Wiedersehen mit ehemaligen Spielern gab. „Engen Kontakt habe ich noch zu Stefan Kuntz, Hans-Peter Briegel und zu Friedhelm Funkel. Ich versuche schon, den Kontakt zu halten“, verrät Feldkamp, der stolz ist, dass er zu Briegels 2025 erschienener Autobiografie das Vorwort schreiben durfte: „Ein kleiner, aber besonderer Moment für mich.“
Familie immer an erster Stelle
Die Trainer-Legende verfolgt natürlich die Geschehnisse rund um den FCK immer noch mit besonderem Interesse und hält trotz aller Liebe auch mit Kritik nicht hinterm (Betzen)Berg. Vor allem der relativ schnelle Absturz von der Meisterschaft 1998 unter Otto Rehhagel bis in die Drittklassigkeit stieß bei dem ehemaligen FCK-Trainer auf Unverständnis. Nach dem Titelgewinn, verbunden mit einem gewissen „Größenwahn“, sei der Verein „bis 2006 von einigen Herren gegen die Wand gefahren worden“, geht Feldkamp mit der damaligen Vereinsführung hart ins Gericht. Heute wünscht er dem FCK vor allem „eine gesunde Existenz“. Da in diesen Club „ja keiner 50 Millionen steckt“, müsse er sich auf seine tolle Atmosphäre besinnen und weiter versuchen, „im Umkreis von 70 Kilometern der Beste zu sein“. Feldkamp, der den Respekt von Verein, Mannschaft und Fans gleichermaßen genoss, wurde vom FCK anlässlich seines 90. Geburtstages gewürdigt: „einer jener Menschen, die den Club geprägt haben, ohne sich jemals selbst in den Mittelpunkt zu stellen.“
Erfolgreich war Feldkamp aber nicht nur beim FCK: Das „Double“ aus Meisterschaft und Pokalsieg war ihm zuvor schon 1989 mit Al Ahly Kairo in Ägypten und später dann 1993 auch mit Galatasaray Istanbul in der Türkei gelungen. „In meiner Arbeit als Trainer habe ich immer geschaut, was möglich ist und wie ich das Beste aus meinen Spielern herausholen kann – ohne stur an einem Plan festzuhalten“, beschreibt Feldkamp heute im Braunschweiger online-Portal „Die Region“ sein flexibles Erfolgsrezept. Außerdem habe er im Gegensatz zu vielen Trainerkollegen nicht drei bis vier Stunden lang trainieren lassen: „Meine Einheiten waren kürzer, dafür effizient und konzentriert.“
Bei allem sportlichen Engagement war die Familie für Feldkamp immer ganz besonders wichtig: Für ihn sei es nie nur ums Geld gegangen, „sondern darum, mit meiner Familie ein Zuhause zu finden“. Seine Frau habe Sport studiert und viele Spiele auf der Tribüne verfolgt. „Bei Niederlagen oder Problemen in der Mannschaft habe ich fast immer mit ihr gesprochen, denn ich kann Probleme nicht für mich behalten: Ich muss sie am nächsten Tag lösen.“ Und dabei habe er von seiner Frau viel Unterstützung erfahren.
Sieht Fussball heute gelassen
Feldkamp lebt seit gut zehn Jahren mit seiner Frau in Braunschweig, wo beide sich wohler fühlen als zuvor im Ruhrgebiet: „Alles ist nah: Sportangebote wie Eishockey und Basketball, Bundesliga- und Zweitliga-spiele, kulturelle Angebote. Und sogar der
Harz ist innerhalb einer Stunde erreichbar“, schwärmt Feldkamp von seinem heutigen Wohnort, wo auch seine Tochter Miriam und seine fast volljährige Enkelin leben. „Einziger Wermutstropfen: Der Flughafen bietet nicht durchgehend direkte Flüge nach Malaga.“ In der Nähe dieser andalusischen Stadt hat Feldkamp nämlich einen zweiten Wohnsitz, an dem er öfter wieder neue Energie tanken kann. So hält der noch sehr rüstige 92-Jährige sich mit Schwimmen im Meer oder im Pool und gelegentlichen Tennismatches mit seiner Frau fit und genießt das mediterrane Klima. Feldkamp ist körperlich und geistig „noch erstaunlich fit“, reist recht gern und fährt immer noch selbst Auto.
Dem aktuellen Fußball begegnet Feldkamp mit Gelassenheit. Nur ab und zu besucht er ein Sportevent, sieht nicht viele Spiele live im Stadion und hat nicht einmal ein Sky-Abo. Stattdessen beschäftigt er sich gern mit Büchern, er liest und schreibt gern. Ganz spannend findet er es, dass jetzt sogar ein Filmprojekt über ihn geplant ist, an dem auch einige seiner ehemaligen Schützlinge mitwirken werden.