Der 1. FC Kaiserslautern verpasst im vorletzten Heimspiel der Saison eine Reaktion auf die Pleite in Kiel und unterliegt Eintracht Braunschweig mit 0:2. Die Wut der Fans ist groß. Kapitän Marlon Ritter äußert Verständnis für den Anhang.
Es ist ein Satz, der den Abend auf dem Betzenberg treffend zusammenfasst. „Das tut auf jeden Fall weh“, sagte Kapitän Marlon Ritter nach dem Abpfiff, „aber in Anbetracht des Spiels kann ich die Pfiffe absolut verstehen.“ Schon zur Halbzeit hatte sich Unmut von den Rängen entladen, ein gellendes Pfeifkonzert begleitete die Mannschaft in die Kabine. „Ich glaube, dass man so nicht auftreten kann.“
Dabei hatte die Partie mit einem besonderen Moment begonnen. Torwarttalent Enis Kamga stand erstmals in einem Profispiel zwischen den Pfosten, Trainer Torsten Lieberknecht hatte seine Startelf auf mehreren Positionen verändert. Neben Kamga rückten auch Simon Asta, Florian Kleinhansl und Luca Sirch in die Anfangsformation. Doch die personellen Anpassungen brachten nicht die erhoffte Wirkung – im Gegenteil.
Nach knapp einer Viertelstunde geriet der FCK in Rückstand. Ein Abschluss von Lino Tempelmann war nicht zwingend platziert, aber wuchtig genug, um Kamga vor Probleme zu stellen. Der 18-Jährige ließ den Ball nach vorne abprallen, Faride Alidou reagierte am schnellsten und schob zum 0:1 ein (14.). Eine Szene, die sinnbildlich für einen insgesamt unsicheren Auftritt stand, ohne dass die Mitspieler dem Debütanten Vorwürfe machten. „Da darf man Enis keinen Vorwurf machen. Der ist trotzdem schwer zu halten“, sagte Ritter.
Junger Torwart patzt beim Debüt
Auch in der Folge blieb Kamga im Fokus. Nach einem Rückpass geriet er erneut in Bedrängnis, Maxwell Gyamfi musste in höchster Not klären. Fehler, die sichtbar waren, aber intern eingeordnet wurden. „Da haben schon ganz andere Torhüter ganz andere Fehler gemacht“, betonte Ritter und ergänzte: „Er war trotzdem über 90 Minuten lang ruhig und hatte einen ruhigen Fuß. Deswegen glaube ich, wir brauchen uns um den Jungen keine Sorgen zu machen.“ Die Unterstützung ging über das Team hinaus. Die Fans nahmen den jungen Keeper demonstrativ aus der Kritik, verabschiedeten ihn „sehr aufmunternd aus dem Stadion“, wie Lieberknecht hervorhob.
Sportlich jedoch blieb der FCK vieles schuldig. Zwar kontrollierten die Gastgeber über weite Strecken den Ball – am Ende standen 74 Prozent Ballbesitz –
doch aus dieser Dominanz entstand kaum Gefahr. „Uns hat heute ein bisschen die Idee mit dem Ball gefehlt“, monierte Sirch. Die wenigen Möglichkeiten blieben ungenutzt, etwa als Paul Joly nach einer Flanke von Sirch den gegnerischen Torhüter nicht überwinden konnte oder Naatan Skyttä eine Hereingabe knapp neben das Tor setzte.
Mit zunehmender Spielzeit verfestigte sich der Eindruck eines Teams ohne Durchschlagskraft. „Wir haben zu langsam gespielt, zu wenig Torchancen herausgespielt“, sagte Ritter. Braunschweig hingegen konnte sich auf genau die Situation einstellen, die der Spielverlauf hergab. „Dann ist es das Spiel, worauf Braunschweig sich freut. Die können dann auf Fehler lauern, auf Konter lauern.“
Genau ein solcher Moment entschied die Partie endgültig. Nach einer Umschaltsituation lief Erencan Yardimci alleine auf das Tor zu und überwand Kamga zum 0:2 (72.). Es war die kalte Dusche für eine Mannschaft, der anschließend jede Reaktion fehlte. Kein Aufbäumen, kein erkennbarer Glaube an eine Wende. Die Schlussphase verlief ereignisarm – und wurde von den Zuschauern mit deutlichen Unmutsbekundungen begleitet.
Trainer Lieberknecht fand nach dem Spiel deutliche Worte. „Wir haben das Spiel verloren, weil wir trotz des massiven Ballbesitzes keinen Zug, kein Tempo und keine Schnelligkeit in Richtung 16er gebracht haben.“ Es sei „alles heute, wie in Schönheit gestorben zu sein und ohne Tempo gestorben zu sein.“ Eine Analyse, die sich mit der Wahrnehmung auf den Rängen deckte.
Auch Sportdirektor Marcel Klos sprach von einem enttäuschenden Auftritt. „Das war ein ganz schwaches Spiel. Am Fernseher hätte man wohl einfach ausgeschaltet. Wir sind überhaupt nicht ins letzte Drittel gekommen.“ Entscheidend seien Tempo und Konsequenz gewesen – beides fehlte. „Und so kann man einfach kein Tor erzielen gegen einen ebenfalls nicht starken Gegner.“
Die Diskussion um die Verantwortung wies die Mannschaft dennoch zurück. „Wir sind die auf dem Platz“, sagte Sirch. Auch Ritter wollte sich nicht auf eine Trainerdebatte einlassen: „Das habe ich noch nie bewertet. Das werde ich auch heute nicht bewerten. Das ist nicht mein Job, dafür haben wir andere.“ Die Verantwortlichen wiederum positionierten sich klar. „Torsten Lieberknecht ist unser Trainer und bleibt auch unser Trainer“, stellte Klos unmissverständlich klar.
Gleichzeitig verwies der Sportdirektor auf die besondere Situation in der Schlussphase der Saison. „Es ist ein bisschen das Tückische, dass es weder nach oben noch nach unten um etwas geht.“ Zudem habe man „auch etwas ausprobiert“ und die Partie „auch irgendwo die Ausrichtung auf die kommende Saison“ gehabt. Eine Erklärung, die jedoch nicht darüber hinwegtäuscht, dass die Leistung gegen Braunschweig in vielen Phasen ambitionslos wirkte.
Die Ratlosigkeit war auch bei den Spielern spürbar. „Ich weiß auch nicht, wo diese Verunsicherung herkommt“, sagte Sirch. Eine Antwort darauf blieb der Abend schuldig. Stattdessen steht ein weiterer Rückschlag, der nahtlos an die 0:3-Niederlage in Kiel anknüpft und die Suche nach Stabilität erneut erschwert.
Viel Zeit zur Aufarbeitung bleibt nicht. Bereits am kommenden Spieltag steht das Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden an – erneut gegen ein Team aus dem Tabellenkeller. Eine Gelegenheit zur Wiedergutmachung, aber auch ein weiterer Prüfstein. Nach den Auftritten der vergangenen Wochen ist klar: Kaiserslautern braucht mehr als nur Ballbesitz. Es braucht Lösungen, Tempo – und eine Antwort auf die Frage, warum eine Mannschaft mit so viel Kontrolle so wenig Wirkung entfaltet.