Sebastian Jacob tauscht das Runde gegen das Eiförmige: Der Ex-Fußballprofi wird Geschäftsführer bei Football-Bundesligist Saarland Hurricanes.
Die Saarland Hurricanes machen einen ersten Schritt in Richtung Professionalisierung: Der American Football-Bundesligist hat ab 1. August mit Sebastian Jacob einen hauptamtlichen Geschäftsführer. Der 31-jährige frühere Stürmer, der das Kicken bei der FJG Saarlouis erlernte, musste seine Karriere wegen anhaltender Knieprobleme im Dezember 2024 beenden. Auch mit Blick auf die körperlichen Beschwerden war sein im Sommer ausgelaufener Vertrag beim 1. FC Saarbrücken nicht mehr verlängert worden.
Verhandlungen mit dem FCS gescheitert
Nun also Geschäftsführer im American Football. Wie es dazu kam? „Ich wurde vom Aufsichtsrats-Vorsitzenden der Hurricanes, Joachim Klein, angesprochen. Wir kennen uns über den FCS schon seit ein paar Jahren“, berichtet Sebastian Jacob und ergänzt: „Er hat mir von den Überlegungen der Verantwortlichen erzählt, jemanden hauptamtlich einzustellen, um den Verein voranzubringen. Da ich immer offen für alles bin, habe ich gesagt: Klar, lass’ mal quatschen.“ Da Sebastian Jacob nicht nur hervorragend in der Sportwelt vernetzt ist, sondern als studierter Sportmanager (Bachelor) mit angehendem Master-Abschluss in Kommunikationsmanagement auch eine passende wirtschaftliche Ausbildung besitzt, kam eines zum anderen. „Auch, wenn es nicht meine über Jahre hinweg ausgeübte Sportart ist, passt das sehr gut zusammen“, findet Jacob und erklärt: „Ich bin sogar der Meinung, dass ein Blick von außen sehr hilfreich sein und neue Impulse bringen kann.“ Der Meinung waren nach gemeinsamen Gesprächen auch Hurricanes-Präsident Boris Röder und Aufsichtsratsmitglied Hans Hennrich.
Sebastian Jacob spielte bereits in seiner Jugend beim FCS, wechselte 2014 zum 1. FC Kaiserslautern, für den er 24-mal in der 2. Bundesliga auflief und kehrte 2018 zu den Blau-Schwarzen zurück. Er wurde zweimal Meister der Regionalliga Süd, war maßgeblich am Aufstieg in die 3. Liga (2020) beteiligt und avancierte zum Publikumsliebling. Umso größer war der Druck, der nach der letzten Knieverletzung auf ihm lastete: Als Identifikationsfigur der Fans und als ehrgeiziger Kicker, der um einen neuen Vertrag spielt. „Daher hatte ich mir Scheuklappen aufgesetzt und gesagt: Komm, gib jetzt in jedem Training Vollgas, dann wird das schon wieder funktionieren“, erinnert sich der gebürtige Saarbrücker und ergänzt: „Normalerweise bin ich schon einer, der immer positiv denkt. Aber man muss seinem Körper irgendwann eingestehen, dass es nicht mehr funktioniert.“ Das Karriereende hat er „super“ verdaut, wie er sagt: „Mir fehlt nichts. In der Reha hatte ich mich schon extrem gequält, und da ist der Spaß auf der Strecke geblieben. Am Ende war es eine Erleichterung“, blickt er auf seine Entscheidung zurück, die ihn „natürlich Überwindung“ gekostet hatte: „Dahin zu kommen war ein monatelanger Prozess. Aber ich habe mir klargemacht, dass ich niemandem Rechenschaft ablegen musste. Seitdem geht es mir wieder richtig gut. Ich bin vor acht Monaten Vater geworden und weiß nun andere Dinge zu schätzen.“ Auch mit dem FCS hatte Jacob Gespräche über ein mögliches berufliches Engagement nach dem Karriereende geführt. Weil ihm die Entscheidungsfindung seitens des Vereins zu lange gedauert hatte, sagte Jacob allerdings ab.
Langfristige Planung
Ein zentrales Thema für den neuen Geschäftsführer wird die Ausgliederung der Profimannschaft in eine GmbH, die er zusammen mit der Sportjuristin und Ex-Fußballerin Barbara Haupenthal angehen wird. Noch vor seinem Amtsantritt am 1. August will Sebastian Jacob den Verein, das Umfeld und die Abläufe kennenlernen. „Dann werde ich zunächst einen schulbuchmäßigen Prozess anstoßen und analysieren, was gut und was schlecht läuft, um basierend darauf Ziele zu formulieren“, berichtet er. Allein schon, dass er als Hauptamtlicher quasi rund um die Uhr erreichbar sein wird, „wird schon vieles vereinfachen“, weiß er: „Trotzdem werden wir Kommunikationswege und -muster etablieren, um auch intern eine bessere Kommunikation hinzukriegen.“ Auch die Sponsoren-Akquise und -Betreuung wird zu seinen Hauptaufgabenfeldern gehören. „Wir wollen für Sponsoren interessanter werden und auch einen konkreten Mehrwert daraus ziehen“, kündigt Jacob an und kann sich gezielte Sponsoren-Events und eine entsprechende Betreuung an Spieltagen, die eine Vernetzung untereinander fördert, gut vorstellen. „Wenn man sieht, wie die Konkurrenz aufgestellt ist – auch, wenn die teilweise einen anderen Etat haben, ist dieser Schritt eigentlich nur folgerichtig“, findet der kommende Geschäftsführer zur Professionalisierung bei den Saarland Hurricanes, die durch seine Verpflichtung eingeleitet wurde.
Den sportlichen Bereich überlässt er dem Cheftrainer Jake Lawrence. Inwiefern in den Bereichen Rekrutierung oder Scouting Veränderungen vorgenommen werden, kann Jacob jetzt noch nicht sagen. Aber: „Das gesamte Thema Nachwuchsarbeit ist sehr wichtig für uns und wird eine tragende Säule sein“, sagt er und bringt den Aufbau einer Akademie ins Spiel: „So könnte man den Kindern diesen schönen Sport näherbringen. Beispielsweise über Präsenz in Schulen, Tage der offenen Tür und anderes.“ Für Jacob ist die Tatsache, dass prinzipiell jeder mitmachen kann, „einer der spannenden Aspekte des Footballs. Egal, ob man dünn, dick, groß oder klein ist – für jeden gibt es eine Position. Das finde ich supercool und hoffe, dass man darüber viele Kids begeistern kann.“
Gemessen an den Live-Übertragungen im Fernsehen und via Online-Streams steigt das Interesse am American Football in Deutschland. Um die Kinder und Jugendlichen in den Verein zu locken, bedarf es allerdings mehr. Unter anderem auch Investitionen in die Heimstätte der Canes am Saarbrücker Matzenberg. „Als mir die Anlage das erste Mal gezeigt wurde, dachte ich: ‚Wow, da muss sich auf jeden Fall etwas tun.‘“, verrät Jacob und kündigt an: „Hier werde ich mit der Politik ins Gespräch gehen, mit der Stadt, dem Land und hoffen, mit den richtigen Argumenten punkten zu können, gemeinsam etwas aufbauen zu können.“
Die Zeit bekommt er von seinem neuen Arbeitgeber. Dass er gleich ein unbefristetes Arbeitspapier erhalten hat, ist in der sonst schnelllebigen Sportwelt durchaus unüblich und hat ihn selbst überrascht. „Andererseits ist auch klar, dass man als Geschäftsführer nicht innerhalb von zwei Jahren die Welt neu erfinden kann. Um gemeinsam Erfolge erzielen zu können, braucht es schon auch etwas Zeit“, weiß er. Das ihm entgegengebrachte Vertrauen möchte Jacob mit Engagement und Ergebnissen zurückgeben: „Die Wertschätzung, die mir in den Gesprächen entgegengebracht wurde und einfach das Gefühl, mich unbedingt haben zu wollen, hat mir schon in den Gesprächen sehr imponiert“, sagt Jacob dankbar und verspricht: „Ich werde Stück für Stück mein Wissen als Sportler und auch das theoretische Wissen aus meiner Ausbildung einbringen und hoffentlich viele Dinge anstoßen können, um die Canes nach vorne zu bringen.“