Das Bundesumweltministerium lenkt die neue E-Auto-Förderung: damit privater Individualverkehr klimafreundlicher wird. Würden gebrauchte E-Autos gefördert und Laden smarter, könnten noch mehr Menschen umsteigen und auf teuren Sprit verzichten.
Der Mai steht vor der Tür, in dem das Bundesumweltministerium ein Online-Portal mit dem Potenzial zu mehr Klimaschutz im Verkehr freischaltet. Bis 2029 will die Politik über diesen digitalen Antragsweg frische Energie in den E-Auto-Markt pumpen. Mit einem Förderprogramm, das den Klimawandel um ein paar Fahrspuren abbremsen könnte. Und mit dem mehr „Privatpersonen“ die Möglichkeit bekommen sollen, auf klimaneutrale Mobilität umzusteigen. Denn Klimaschutz ist für viele auch eine Frage des Geldes.
Das weiß auch der Bundesumweltminister. Carsten Schneider betont, dass der finanzielle Anreiz ökologisch, sozial, aber auch branchenstärkend wirken soll: „Wir wollen mit diesem Förderprogramm etwas für die Umwelt tun, für unsere europäische Automobilindustrie und für die Haushalte, die sich ohne Unterstützung noch kein Elektroauto leisten konnten.“ Nachdem die Bundesregierung bereits viel getan habe, um E-Autos als Firmenwagen attraktiv zu machen, unterstütze dieses Förderprogramm gezielt Privatleute.
Gebrauchtwagen berücksichtigen
Geld kommt auch aus dem Kohlendioxid-Zuschlag. Drei Milliarden Euro sollen, Schneider zufolge, für etwa 800.000 Fahrzeuge in den nächsten drei bis vier Jahren reichen. Für erstmals im Inland zugelassene Neufahrzeuge der Fahrzeugklasse M1. Das Geld für die neue E-Auto-Förderung stammt aus dem Klima- und Transformationsfonds der Bundesregierung. Somit unter anderem aus der CO2-Bepreisung. „Das ist ein starker Anschub für die Elektromobilität in Deutschland“, sagt der Bundesumweltminister. Denn da geht noch etwas: Rund 43 Prozent mehr batterieelektrische Fahrzeuge wurden 2025 gegenüber 2024 neu zugelassen. „Stromer“ kletterten so auf 19,1 Prozent der Neuzulassungen in Deutschland. Das zeigen die Zahlen des europäischen Autoherstellerverbands ACEA. Bisher und bis auf weiteres motiviert der Staat zum E-Auto-Kauf auch damit, dass die klimafreundlicheren Fahrzeuge für mehrere Jahre von der Kfz-Steuer befreit sind.
Damit die neue Kauf-Förderung nicht für schnelles Abholen und Weiterverkaufen missbraucht wird, sollen die Fahrzeuge mindestens 36 Monate von den geförderten Haushalten gehalten werden. Was und wie gefördert wird, hat das Ministerium zunächst bis Mitte 2027 geregelt. Dann können für das restliche Geld die Vorgaben geändert beziehungsweise angepasst werden.
Auch besteht ein Plädoyer für geförderte Gebrauchte. Beispielsweise könnte das Umweltministerium nicht nur für neue Pkw Geld beim Kauf zuschießen. „Dabei darf nicht unberücksichtigt bleiben: Gebrauchtwagen können ebenfalls zur Stärkung der Elektromobilität und zum Erreichen der Klimaziele einen wichtigen Beitrag leisten“, sagt VDA-Präsidentin Hildegard Müller. „Daher sollte das Förderprogramm – im Zuge der Evaluation im Jahr 2027 – dann auch Gebrauchtwagen berücksichtigen.“
Damit steht der Verband der Deutschen Automobilindustrie nicht allein. Auch der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) kritisiert, dass gebrauchte Elektrofahrzeuge von der neuen Förderung ausgeschlossen seien. Der ZDK argumentiert, dass die Elektromobilität auch für weitere Käufergruppen geförderte Gebrauchtwagen attraktiver machen würde. „Zugleich könnte sie einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Restwerte von Elektrofahrzeugen leisten“, so der Verband.
Das Misstrauen gegenüber älteren E-Autos könnte mit einem Zuschuss für „re-used“ Stromer weiter sinken. Mit weniger verschleiß- und wartungsanfälligen Teilen punkten Elektrofahrzeuge eh schon gegenüber Verbrennern, was gut für die Umwelt ist. Kein Auspuff, kein Ölwechsel, kein Kupplungsverschleiß: Das spart Geld, Zeit, Ressourcen und problematische Abfallstoffe. Manche potenzielle Gebrauchtwagen-Käufer haben allerdings immer noch Angst vor alternden Batterien. Doch machen technische Innovationen wie bessere Zell-Chemien und effiziente Batteriemanagementsysteme Batterien mittlerweile langlebiger.
Lebensdauer spricht dafür
Die auf E-Mobilität spezialisierte Unternehmensberatung P3 wertete Daten von 7.000 E-Autos aus und kommt zu dem Ergebnis: Auch nach hoher Fahrleistung verlieren die Batterien nur langsam an Kapazität. Selbst bei mehr als 200.000 Kilometern behalten sie meist über 80 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung und bleiben lange zuverlässig. Die Batterieleistung von Elektroautos hat sich deutlich verbessert, vor allem durch die gestiegene Energiedichte von Lithium-Ionen-Batterien. Ein zunehmendes Vertrauen in die Haltbarkeit und Reichweite der Batterien fördert die Akzeptanz von E-Autos. Erfahrungen aus der Praxis und ADAC-Daten bestätigen diese positiven Entwicklungen und widersprechen pessimistischen Prognosen.
Elektroautos könnten für noch mehr Menschen besser bezahlbar werden, wenn sie aus zweiter Hand billiger zu haben wären und zusätzlich der Staat aus den CO2-Bepreisungs-Erträgen auch bei Gebrauchten noch etwas für die umweltfreundlicheren Fortbewegungsmittel dazugäbe. Mehr Elektroautos hätten eine längere Lebensdauer auf der Straße und langfristig würden weniger Autos in der Schrottpresse und Batterien später im Spezial-Recycling landen: Das alles freut die Umwelt.
Warum auch Autos gefördert werden, die nicht komplett elektrisch fahren, aber keine rein elektrischen Gebrauchten, erschließt sich nicht. Immerhin argumentiert das Bundesumweltministerium stark ökologisch bei der Frage, warum Fahrzeuge mit batterieelektrischem Antrieb gefördert werden. „Elektroautos fahren lokal emissionsfrei und sind über den gesamten Lebenszyklus bereits heute deutlich klima- und umweltfreundlicher als Verbrenner“, heißt es auf der Website zur Förderung. Mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien am Strommix vergrößere sich dieser Vorteil weiter. Die Luftqualität verbessere sich „spürbar“, da Elektroautos „kein Stickoxid und kaum Feinstaub“ ausstießen.
Doch das Förderprogramm schließt auch Autos ein, die nur teilweise elektrisch fahren. Mit weniger Zuschuss. Für neu zugelassene Plug-in-Hybride und Range-Extender gibt es die Hälfte der Basisförderung: 1.500 statt 3.000 Euro. Vorausgesetzt, sie stoßen nicht mehr als 60 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus. Oder sie kommen mindestens 80 Kilometer mit elektrischem Antrieb bis zum Nachladen weit. Was im Alltag oft schon reicht. Bei batteriebetriebenen Fahrzeugen mit Range-Extender treibt ein kleinerer Verbrennungsmotor einen Generator an, der die Batterie während des Fahrbetriebs ohne Ladestopp aufladen kann.
Mehr Geld bei weniger Einkommen? Wer Chancen haben möchte, Geld für ein neues oder geleastes E-Auto oder für Hybrid oder Range-Extender zu bekommen, braucht ein Datum der Neuzulassung ab dem 1. Januar 2026. Das verwirrt ein wenig, da die Förder-Anträge im Online-Portal voraussichtlich erst im Mai 2026 gestellt werden können: Dann aber auch rückwirkend, allerdings innerhalb eines Jahres nach der ersten Zulassung.
Nur mit dem Kaufvertrag in der Hand, bevor der geförderte Pkw erstmals zugelassen ist, kann allerdings noch kein Zuschuss vom Staat beantragt werden. Auch eine Förderzusicherung kann nur mit dem Kauf noch nicht abgeholt werden. Mit dem digitalen Antrag in einem einzigen Schritt, nach Kauf und Erstzulassung, soll neben CO2 auch Bürokratie eingespart werden. Was ein neues E-Auto kostet, spielt bei der Förderung von Privatkäufen übrigens keine Rolle. Bei der Summe der Förderung kommt es vor allem darauf an, dass das zu versteuernde Haushaltseinkommen nicht mehr als 80.000 Euro beträgt. Als Nachweis dienen die Steuerbescheide der Vorjahre. Für bis zu zwei Kinder dürfen noch jeweils 5.000 Euro mehr verdient werden, bevor man aus der Förder-Chance fallen würde. Rentnerinnen und Rentner ohne Einkommenssteuererklärung sollen eine Rentenbezugsbescheinigung sowie eine Selbsterklärung über weitere Einkünfte vorlegen können. Wer weniger verdient oder eine kleinere Rente hat, bekommt mehr: Für Familien oder Alleinlebende mit maximal 60.000 Euro zu versteuerndem Haushaltsjahreseinkommen gibt es einen Aufschlag auf die Basisförderung von 1.000 Euro. Für Haushalte mit maximal 45.000 Euro zu versteuerndem Haushaltsjahreseinkommen noch mal 1.000 Euro. Kauf oder Leasing eines reinen Elektroautos kann also mit bis zu 6.000 Euro vom Staat bezuschusst werden.
Sparen kann man bei Wartung und Energiekosten. Ein Teil der Anschaffungskosten lässt sich wieder hereinholen, während man sein Elektro-Fahrzeug nutzt. E-Auto-Besitzer sind vergleichsweise sparsam unterwegs. Denn Elektro-Pkw können mit derselben Energiemenge deutlich weitere Strecken fahren als Verbrenner. Ihre Energiekosten pro 100 Kilometer fallen, besonders in Zeiten hoher Spritpreise, um einiges niedriger aus: Besonders wenn sie günstig laden, zumal zu Hause. Die Initiative Klimaneutrales Deutschland (KND) macht darauf aufmerksam, dass bereits heute Elektroautos in Deutschland im Betrieb deutlich günstiger seien als Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor. Das kann höhere Anschaffungskosten unter Umständen sogar ausgleichen, wenn man sein E-Auto viele Jahre fährt.
Neue Chancen auf Belebung
Ein Spareffekt, der durch digitalere Stromnetze noch verstärkt werden kann. Eine Analyse von KND und der britischen Energy & Climate Intelligence Unit (ECIU) kommt zum Schluss, dass über alle untersuchten E-Auto-Modelle hinweg Fahrerinnen und Fahrer im Durchschnitt in beiden Ländern rund 1.100 Euro pro Jahr einsparen könnten. Britische E-Auto-Besitzerinnen und -Besitzer könnten im Schnitt sogar weitere 600 Euro pro Jahr einsparen. Vor allem, weil der flächendeckende Einsatz von Smart Metern dort flexible Stromtarife und günstiges Laden in Zeiten niedriger Nachfrage und hoher Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ermöglicht.
Sozialverträglicherer Individualverkehr mit E-Autos kann in diesem Jahr klimabewegt neue Fahrt aufnehmen. „Um die Führungsrolle der deutschen Automobilindustrie in Zukunft zu behaupten, braucht es einen starken Heimatmarkt für Elektromobilität“, heißt es auf der Website des Bundesumweltministeriums unter „Fragen und Antworten zur E-Auto-Förderung“ und speziell zur Frage: „Warum werden Fahrzeuge mit batterieelektrischem Antrieb gefördert?“ Die Förderung setze einen wichtigen Impuls für den Hochlauf der E-Mobilität und sei ein Anschub für die deutsche und europäische Automobilwirtschaft. Und: „Die Elektromobilität ist die zentrale Zukunftstechnologie auf dem Weg zur Klimaneutralität“. Dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) zufolge zeige der Einfluss der aktuell stark gestiegenen Kraftstoffpreise eine erhöhte Nachfrage nach alternativen Antrieben. Denn zurzeit lägen die Energiekosten pro 100 Kilometer bei batterieelektrischen Fahrzeugen deutlich unter denen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.
Die Zahl der Neuzulassungen vollelektrischer Fahrzeuge (BEV) lag im März bei 70.663 Einheiten und damit um 66,2 Prozent über dem Vorjahresmonat. Der BEV-Anteil am Pkw-Gesamtmarkt stieg laut KBA im März auf 24 Prozent – in einem insgesamt stark expansiven Pkw-Markt mit 16 Prozent mehr Neuzulassungen als im Vorjahr. „Sollten die Energiepreise auf erhöhtem Niveau verharren und die Förderkriterien sowie das Antragsverfahren für die Kaufprämie klar, transparent und verlässlich definiert werden, bestehen gute Chancen auf eine spürbare Belebung der privaten Nachfrage nach Elektrofahrzeugen in den kommenden Quartalen“, so ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. Aus seiner Sicht ist es entscheidend, rasch Planungssicherheit hinsichtlich der Förderrichtlinie zu schaffen.