Die SV Elversberg hat sich beim Auswärtsspiel in der Veltins-Arena mit viel Ballbesitz, Engagement und Geduld präsentiert – am Ende aber unglücklich mit 0:1 geschlagen geben müssen. Trotz einer couragierten Vorstellung reichte es nicht für einen Punktgewinn.
Die Ausgangslage war vor dem Spiel durchaus vielversprechend. Nach dem 2:2 im Heimspiel gegen Hannover hatte Vincent Wagner seine Mannschaft nur leicht verändert. Maximilian Rohr kehrte nach abgesessener Gelbsperre zurück, Younes Ebnoutalib begann anstelle von Luca Schnellbacher. Das Ziel war klar formuliert: mutig auftreten, die eigene Linie beibehalten, die Balance zwischen Risiko und Kontrolle finden. „Wir werden beweisen können, dass wir auch mit vielen Zuschauern und damit unter gewissem Druck guten Fußball spielen können“, hatte Wagner im Vorfeld angekündigt. Dass es in der Veltins-Arena eine Herausforderung werden würde, war ohnehin klar – nicht nur wegen der Kulisse, sondern auch, weil Schalke unter Miron Muslic in den vergangenen Wochen eine neue defensive Stabilität gefunden hatte.
66 Prozent Ballbesitz für die SVE
Nur vier Minuten dauerte es, bis die Elversberger Defensive erstmals gefordert war – und sich sofort geschlagen geben musste. Nach einem langen Einwurf des erst 17-jährigen Mika Wallentowitz klärte die SVE zunächst, doch der zweite Ball kam über Umwege zurück in den Strafraum. Moussa Sylla verlängerte per Kopf, Hasan Kurucay lauerte frei vor dem Tor und traf aus elf Metern flach in die lange Ecke. Es war der Blitzstart, den sich die Gastgeber erhofft hatten – und für Elversberg ein Schockmoment. Vincent Wagner sah den Ursprung des Gegentreffers in einer Fehlentscheidung: Der Einwurf, so meinte er, sei regelwidrig gewesen. Wutentbrannt diskutierte er an der Seitenlinie, musste vom Linienrichter und der vierten Offiziellen beruhigt werden. Auch Amara Condé bestätigte später: „Ich sage zu den Schiedsrichter-Leistungen gegen uns nichts mehr. Sonst wären wir jede Woche nur am Erzählen.“
Trotz des frühen Rückstands suchte Elversberg danach die Kontrolle über das Spiel – und fand sie in langen Ballbesitzphasen. 66 Prozent standen am Ende auf dem Statistikbogen. Doch was nach Dominanz klang, spiegelte sich nicht in der Effektivität wider. Bis zur Pause lag der Wert der erwarteten Tore bei 0,05. „So etwas habe ich auch selten erlebt – wenn überhaupt“, sagte Vincent Wagner. „Wir hatten schon unsere Aktionen, aber die entscheidenden Pässe in der gegnerischen Hälfte waren zu unsauber. Auf der anderen Seite gehört aber auch ein Gegner dazu. Schalke hat das heute richtig gut gemacht.“
In der Tat zeigte sich, dass die Knappen im Kollektiv überragend verteidigten. Schalke ließ kaum Zwischenräume, verteidigte kompakt im Fünferverbund und zwang Elversberg immer wieder zu Rückpässen. Dennoch gab es Szenen, die zeigten, dass die Gäste das Spiel verstanden. Ebnoutalib prüfte Torhüter Loris Karius mit einem wuchtigen Kopfball, stand allerdings knapp im Abseits. Auf der anderen Seite verhinderte Rohr auf der Linie das mögliche 0:2, als Kurucay erneut gefährlich auftauchte. Die Pausenführung für Schalke war verdient, aber knapp.
Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild ähnlich. Schalke verteidigte tief, Elversberg suchte Lösungen – und fand sie nur in Ansätzen. Wenn überhaupt, dann über die Flügel, doch die letzte Präzision fehlte. Finn Porath scheiterte auf der Gegenseite per Volley an Nicolas Kristof, der die Kugel sehenswert über die Latte lenkte. Erst in der Schlussphase, als Wagner frische Kräfte brachte, bekam die Partie wieder mehr Bewegung. Younes Ebnoutalib traf nach schöner Kombination – doch der Linienrichter hob die Fahne: Abseits. Kurz darauf brachte Otto Stange den Ball über die Linie, diesmal entschied der Schiedsrichter auf Foulspiel im Vorfeld. Zwei Tore, beide aberkannt, zwei Momente, die den Verlauf des Nachmittags sinnbildlich beschrieben.
Viel Aufwand, aber kein Ertrag
„Für mich war es das bislang schwerste Spiel der Saison. In der Mitte war überhaupt kein Durchkommen gegen die Fünfer-Abwehrkette“, sagte Ebnoutalib. Es war ein ehrlicher Satz, der die Problematik auf den Punkt brachte: Elversberg fand Wege ins letzte Drittel, aber nicht durch die letzte Linie. Lukas Petkov versuchte es aus der Distanz, Malanga ebenso, beide Male fehlten einige Meter. In der Nachspielzeit hätte der Joker Malanga mit seinem Schuss aus der Drehung beinahe den Ausgleich erzielt – der Ball strich Zentimeter am Pfosten vorbei. Eine Minute später wurde Otto Stange im Strafraum klar getroffen, doch der Pfiff blieb aus. Es passte zum Spielverlauf: viel Aufwand, viel Ballbesitz, kein Ertrag.
Vincent Wagner sagte nach dem Abpfiff: „Der FC Schalke 04 hat sich den Erfolg hart erarbeitet. Am Ende ist er in meinen Augen auch verdient. Uns war vorher klar, dass 65 Prozent Ballbesitz nicht reichen werden. Wir hätten wahrscheinlich 70 Prozent gebraucht, auch wenn sich das ambitioniert anhört. Doch wenn man hier etwas holen möchte, muss man irgendwas besonders gut machen. Schalke hat es im Rahmen dessen, wie sie es in den vergangenen Monaten schon gestaltet haben, defensiv extrem gut organisiert. Nach einem frühen Rückstand war es gegen sie unheimlich schwer.“
Während Schalke mit dem Erfolg bis Sonntag an die Tabellenspitze sprang und den sechsten Zu-Null-Sieg der Saison feierte, blieb Elversberg auf Platz drei – und damit im Spitzenfeld der 2. Bundesliga. Der Trainer des Gastgebers, Miron Muslic, ordnete den Sieg entsprechend ein: „Es ist für mich der vielleicht stolzeste Moment in den vergangenen fünf Monaten. Wir sind sehr glücklich, was unsere Leistung und den Sieg heute betrifft. Wenn man bedenkt, wie viele Ausfälle wir in den vergangenen Tagen und Wochen verkraften mussten und wer uns gegen Elversberg alles nicht zur Verfügung stand, muss ich meiner Mannschaft ein riesengroßes Kompliment aussprechen.“
Auch Schalkes Kapitän Ron Schallenberg würdigte die Qualität des Gegners: „Wir haben als Kollektiv trotz vieler Ausfälle gegen einen spielstarken Gegner sehr gut gearbeitet und bis auf einen Konter nahezu keine Chance gegen die torgefährlichste Offensive der Liga zugelassen. Das ist schon ein Statement.“
Nun folgt die Länderspielpause – eine Phase, in der Regeneration, Analyse und kleine Justierungen im Mittelpunkt stehen. „Wir hätten uns heute etwas Zählbares gewünscht, aber die Jungs haben wieder alles investiert. Jetzt heißt es durchatmen, Kräfte sammeln und dann in Karlsruhe wieder angreifen“, so Wagner zum Abschluss.
Am Sonntag, 23. November, geht es weiter: beim Karlsruher SC. Eine neue Gelegenheit, zu zeigen, dass Mut und Ballbesitz die Säulen dieses Elversberger Weges bleiben – auch dann, wenn das Ergebnis mal nicht dafür spricht.