Die bildgewaltige Historien-Serie „King and Conqueror“ erzählt von der normannischen Eroberung Englands 1066. Mit einem entfesselten Nikolaj Coster-Waldau und mehr Fiktion als Fakten. Aber allemal ein mitreißendes Seherlebnis.
Die Serie beginnt mit einem wuchtigen Schlachten-Tableau. Im Südosten Englands schlagen schwer bewaffnete Krieger mit Schwertern aufeinander ein, durchbohren die Schilde mit spitzen Lanzen und zerschmettern behelmte Köpfe mit schweren Streitäxten. Wir befinden uns inmitten der Schlacht von Hastings im Jahr 1066. Dort treffen William (Nikolaj Coster-Waldau), der Herzog der Normandie, und Harold Godwinson (James Norton), der letzte angelsächsische König, aufeinander. Nur einer der beiden wird das Schlachtfeld lebend verlassen.
Jahre zuvor in der Normandie: Eine hochschwangere Frau fährt in einer Kutsche an einem Gewässer voller Leichen vorbei. Es ist Mathilda (Clémence Poésy), Williams Ehefrau. Sie hat gerade erfahren, dass Williams Vater ermordet wurde, um so zu verhindern, dass William Ansprüche auf den englischen Thron stellen könnte. Trotz erheblicher Vorbehalte macht sich William auf, um der von langer Hand vorbereiteten Krönung seines Cousins Edward (Eddie Marsan) beizuwohnen. Nachdem William in England an Land gegangen ist, wird er von marodierenden Banditen angegriffen. Zu seiner Rettung erscheint plötzlich Harold und rettet William vor dem sicheren Tod. Harold ist, wie sich herausstellt, auch auf dem Weg zu Edwards Krönung. William und Harold setzen gemeinsam ihren Weg fort, und es entsteht sogar so etwas wie Freundschaft zwischen ihnen.
Harold ist der Sohn von Godwin (Geoff Bell), Graf von Wessex, einem der mächtigsten Verbündeten von Edward. Godwin verfolgt nur ein Ziel: Nach Edwards Tod soll Harold der neue König von England werden. Und genau das geschieht auch: Edward, der kinderlos stirbt, setzt kurz vor seinem Ableben Harold als Thronfolger ein. Sehr zum Ärger von William, der sich – obwohl er als Bastard geboren wurde – große Hoffnungen gemacht hatte, doch noch der nächste König von England zu werden. Aus den einstigen Weggefährten werden nun erbitterte Feinde, die sich bis aufs Blut zerstreiten.
Den inneren Ritter wiederentdecken
Viele Intrigen, Machtspiele, Korruptionsversuche und blutige Scharmützel später organisiert William endlich seinen alles entscheidenden Feldzug gegen Harold, um König von England zu werden. Er lässt eine große Transportflotte bauen und rekrutiert aus der Bretagne, Flandern und der Picardie zahlreiche Kämpfer. Auch mehrere französische Adlige schließen sich William an, in der Hoffnung auf den Erwerb eigener englischer Ländereien. Schließlich kommt es 1066 zur großen Schlacht bei Hastings – bei der über 2.000 Männer zu Tode kamen. Danach eroberte William ganz England und ließ sich zum König krönen.
Wer nicht ständig einen Blick in die Encyclopædia Britannica werfen will, um die vertrackten Beziehungen der Hauptakteure von „King and Conqueror“ zu begreifen, kann sich einfach ganz ohne Schuldgefühle vom erzählerischen Sog dieser mythisch überhöhten Legende mitreißen lassen. Oder er reist in die Normandie nach Bayeux. Dort befindet sich nämlich der 68 Meter lange Wandteppich, der die ruhmreiche Schlacht in farbiger Pracht darstellt. Angeblich hat Williams Halbbruder Odo von Bayeux vor 950 Jahren den Auftrag zu dieser kunstvollen Stickarbeit gegeben. In 58 Einzelszenen wird darauf die Schlacht von Hastings – mit 623 Personen, 202 Pferden und 41 Schiffen – dargestellt. Und das, so heißt es, durchaus mit historischer Genauigkeit. Was man von der Serie „King and Conqueror“ ehrlicherweise nicht behaupten kann. So monierte unter anderem das „BBC History Magazine“ bereits etliche historische Ungenauigkeiten. Dennoch ist „King and Conqueror“ kein langatmiger Dokumentarfilm, sondern ein faszinierendes Historienspektakel mit – durch die Bank –
beeindruckenden Schauspielern. Allen voran Nikolaj Coster-Waldau, der – wie schon bei „Game of Thrones“ als Jaime Lannister – hier wieder in Hochform ist. Und in James Norton („House of Guinness“) einen ebenbürtigen Rivalen hat. Wem Serien wie „Vikings“, „Britannia“, „The Last Kingdom“ oder „Barbarians“ gefallen haben, der wird bei „King and Conqueror“ auch wieder seinen „inneren Ritter“ entdecken.