Während das Erreichen großer Klimaziele oft noch in weiter Ferne liegt, lassen sich kleinere Klimaschutzprojekte im Lokalen von Ehrenamtlichen umsetzen. Das zeigte das Projekt „KlikKS“ – wir stellen die Kommune Sulzbach und den Berliner Stadtteil Neukölln vor.
Wenn von Klimaschutz in Medien die Rede ist, geht es meist um die großen Ziele wie die angestrebte Klimaneutralität bis zum Jahr 2050, den Ausstieg aus der Kohleverstromung und um das umstrittene Verbrenner-Verbot in der EU. Weniger steht dabei im Fokus, was hierzulande in den Gemeinden und Städten für eine lebenswertere, nachhaltigere Zukunft getan wird. Spätestens mit dem Projekt „Klimaschutz in kleinen Kommunen und Stadtteilen durch ehrenamtliche Klimaschutzpat:innen“, kurz KlikKS, sollte die Aufmerksamkeit dafür größer geworden sein. Denn: KlikKS spannt einen Bogen zwischen Klimaschutz und Ehrenamt, um dadurch Klimaschutzprojekte auf lokaler und Stadtteilebene umsetzbar zu machen. Gestartet ist das Ganze bereits 2022 als Verbundprojekt von acht Landesgesellschaften, Energie- und Klimaschutzagenturen in acht Bundesländern, darunter das Saarland und Berlin. Im Saarland setzt das „KlikKS“-Projekt die Arge Solar um. An der Saar haben sich in 21 Kommunen rund 50 Klimaschutzpatinnen und -paten engagiert – offenbar mit Erfolg, wie die Projektverantwortlichen schreiben. Gemeinsam setzten die ehrenamtlichen Kümmerer im Zeichen des Klimaschutzes in ihrem Wohnort mehr als 110 Projekte und Aktionen um. Offiziell ist das Projekt zwar beendet, doch im kleinsten Flächenland soll bis Ende 2025 unter dem Namen „KlikKS 2.0“ das Ziel verfolgt werden, zivilgesellschaftliches Engagement für den Klimaschutz im Saarland auf Dauer zu etablieren.
Gemeinsame Gespräche mit Schülern
Sind die Patinnen und Paten diesem Ziel nähergekommen oder sie haben es sogar schon erreicht? Was haben sie in über drei Jahren an Projekten und Aktionen umgesetzt? Und wo liegen die Knackpunkte beim ehrenamtlichen Klimaschutz? Exemplarisch für das Saarland sollen drei aktive Klimaschutzpaten der Stadt Sulzbach vorgestellt werden – die nach eigener Aussage als Team wahrgenommen werden wollen. Barbara Klein-Braun, 70 Jahre alt, ist eine von ihnen. Über das städtische Mitteilungsblatt „Sulzbacher Umschau“ erfuhr sie, dass ihre Heimatkommune Klimaschutzpaten sucht. „Da ich Mitglied im Stadtrat bin, habe ich von Vornherein von dem Projekt gewusst“, erzählt sie. Seit 2019 engagiert sie sich in der Kommunalpolitik für Bündnis 90/Die Grünen. „Das war das Jahr, in dem Landtagswahl war und die Grünen – auch hier im Saarland – regelrecht einen Hype erlebt haben“, blickt sie zurück. Damals seien die Grünen mit zehn Prozent in den Sulzbacher Stadtrat eingezogen. Ihr Antrieb, den Klimaschutz in ihrer Heimatkommune nach vorne zu bringen, war es, zu zeigen, dass viele Maßnahmen auch im Kleinen möglich sind, und um „den Menschen vor Ort zu sagen, was einfach zu tun ist“. Barbara Klein-Braun sieht sich als Vermittlerin zwischen Stadtrat, Bürgermeister und Bevölkerung, „um Dinge politisch in Gang zu setzen“.
Klimaschutzpatin Ulrike Hiebel-Hoffmann überlegte erst hin und her, ob sie sich engagieren soll. Aber schließlich bewarb sie sich, um zu sehen, was sie genau erwartet. „Von der Arge Solar wurde mir angeboten, mich im VHS-Kurs ‚Klima fit‘ schulen zu lassen“, sagt die 69-Jährige. Das Angebot habe sie damals angenommen. Im Team habe sie mit ihren zwei Mitstreitern in den vergangenen drei Jahren eine Reihe von Projekten umgesetzt. Zum Beispiel sprachen sie mit Schülerinnen und Schülern des Theodor-Heuss-Gymnasiums anlässlich der Projektwoche „Umweltschutz trifft Ehrenamt“ über Umweltschutz, Müllvermeidung und regionales Einkaufen. Zuvor wurden die „KlikKS“-Paten vom Klimaschutzmanager der Stadt Sulzbach gefragt, ob sie das übernehmen wollen. Übrigens werden die Paten bei allen Klimaschutzmaßnahmen auf städtischer Ebene stets vonseiten der Kommunalverwaltung angesprochen. „Wir können natürlich auch selbst Anregungen im Stadtrat einbringen. Zumindest ist es ganz sinnvoll, wenn man das Einverständnis des Bürgermeisters hat, weil man dann eher davon ausgehen kann, dass der Stadtrat dem folgt“, sagt Barbara Klein-Braun. Interessant war auch, von den Schülern unter anderem zu erfahren, was sie zu Hause schon alles nutzen, sagt Ulrike Hiebel-Hoffmann. Einige Schüler erzählten den Klimaschutz-Paten von Wasserhähnen mit geringerem Verbrauch, vom Austausch von LED-Leuchtmitteln und stromsparenden Elektrogeräten.
Über seine Leidenschaft fürs Rennradfahren und sein Engagement in der Sulzbacher Kommunalpolitik entschloss sich Reiner Maus, als Klimaschutz-Pate aktiv zu werden. „Ich habe seinerzeit gesehen, dass in Sulzbach Radwege gebaut werden müssten, um den Alltags- und Freizeitradverkehr zu stärken“, sagt der 71-Jährige. Fünf Jahre engagierte er sich bei den Grünen im Ortsverband Sulzbach-Altenwald, bis er das politische Ehrenamt einstellte. Als Eigenheimbesitzer im Sulzbacher Stadtteil Neuweiler installierte Reiner Maus vor einigen Jahren ein Balkonkraftwerk auf seiner Terrasse. „Wenn ein Stromausfall käme, können wir bei uns zu Hause zum Beispiel weiter fernsehen“, erzählt er. Die Batterie sei sehr kräftig, bis zu 600 Kilowatt pro Jahr leiste die Anlage, schätzt er. Damals dachte Reiner Maus, dass man die Bewohner von Neuweiler über Balkonkraftwerke mehr informieren müsste, um diese Option der klimaneutralen Stromerzeugung nach vorne zu bringen. Insofern lag es nahe, dass Reiner Maus als „KlikKS“-Pate einen Informationsabend gemeinsam mit dem Vorsitzenden der örtlichen Siedlergemeinschaft veranstaltete. „Die Resonanz war überraschend groß, es kamen 85 Leute zu unserer Veranstaltung nach Neuweiler“, erzählt er. Weil das so erfolgreich lief, organisierte der Saarländer zwei weitere Veranstaltungen, zu denen ein Vertreter der Firma Venobis Solar dazukam. „Als „KlikKS“-Pate habe ich über Balkonkraftwerke informiert und Fragen zur Anmeldung, Gesetzgebung und Installation beantwortet“, sagt Reiner Maus über seinen Part. Doch das war nicht alles, was Reiner Maus tat, um in seinem Wohnort die Energiewende voranzutreiben: Zudem organisierte er eine Aktionswoche, in der sich Interessierte eine Wärmebildkamera ausleihen konnten, die auch bei Beratungsterminen zum Einsatz kam.
Ein Teil der Umweltbewegung
Auch nach über drei Jahren, in denen sie ehrenamtlich aktiv waren, legen die Klimaschutz-Paten nicht die Hände in den Schoß. Ein neues, von ihnen erdachtes Projekt soll die Innenstadt Sulzbachs attraktiver und letztlich lebenswerter machen: die Anlegung eines Stadtgartens am Salzbrunnenhaus. Als Stadträtin stellte Barbara Klein-Braun diese Idee im Kommunalparlament vor, woraufhin Sulzbachs Bürgermeister sich offen dafür zeigte. „Bürgermeister Michael Adam hat uns ein kleines Areal zur Verfügung gestellt“, berichtet Klimapatin Klein-Braun weiter. Nicht immer stoßen die drei Klima-Kümmerer eigene Projekte an, es sei auch vorgekommen, dass sie etwa bei den Umwelttagen der Stadt Sulzbach über das „KlikKS“-Projekt und ihre Arbeit die interessierte Öffentlichkeit informiert haben. „Wir sind ein Teil der Sulzbacher Umweltbewegung“, sagt Barbara Klein-Braun.
Seit Frühjahr dieses Jahres gibt es einmal monatlich ein Nachhaltigkeitstreffen in der VHS Sulzbach. „Das richtet sich nicht nur an ‚KlikKS‘-Paten, sondern ist offen für alle, die kommen wollen. Bisher sind wir noch im kleinen Kreis“, erzählt Barbara Klein-Braun. Dieser Kreis koordiniere Termine und entwickle Ideen, wie zum Beispiel zuletzt die zur Anlegung eines Stadtgartens und einer Streuobstwiese. „Es soll sichtbar werden, dass Nachhaltigkeit etwas Einfaches, Schönes und auch Verbindendes ist“, sagt die Grünen-Kommunalpolitikerin. Trotz dem bisher Erreichten sieht Barbara Klein-Braun aber „in Sulzbach noch einiges zu tun“. Wo also sind immer noch Baustellen in Sachen Klimaschutz? Vor allem wünschen sich die Sulzbacher Klimaschutz-Paten eine engere Vernetzung im Stadtteil. „Wir wollen mehr die Leute ansprechen und durch Aktionen mitnehmen“, betont Barbara Klein-Braun. Ein riesiger Bereich, in dem noch viel mehr getan werden müsse, sei der des Konsums – angefangen bei der Verpackung über die Wegwerfmentalität bis hin zur Vermüllung des Ortes. Auch wünscht sich das Team der „KlikKS“-Paten eine fußgängerfreundliche Gestaltung der Stadt Sulzbach und den Bau eines Radweges, der sämtliche Stadtteile miteinander verbindet. „Letzteres wollen wir schon seit 2019. Es gibt auch sehr gute Konzepte, doch die Umsetzung lässt auf sich warten“, erzählt die Klimaschutz-Patin Klein-Braun.
200 Stunden Ehrenamt pro Monat
Und während im Saarland der ehrenamtliche Einsatz der Klimapaten verstetigt werden soll und „KlikKS“ bis Jahresende verlängert wird, ist in der Hauptstadt das Projekt beendet – zumindest offiziell. In Berlin unterstützte die Berliner Energieagentur (BEA) über 40 Freiwillige bei ihren Klimaschutzprojekten, bilanziert die BEA auf ihrer Webseite. Zusammen mit 25 Partnern, darunter die Bezirksämter Reinickendorf, Pankow und Neukölln sowie Vereine wie Alba Berlin, die Papageiensiedlung und die Kita Komşu, wurden mehr als 160 Maßnahmen, darunter Pflanzaktionen, Informationsveranstaltungen und die Planung eines Nahwärmenetzes im Stadtteil Zehlendorf, umgesetzt. Wie wurden zum Beispiel die Klimaschutzmaßnahmen im Bezirk Neukölln realisiert? Dazu muss weiter ausgeholt werden. Der Berliner Sebastian Herges wurde von einem Mitarbeiter des Grünflächenamts des Stadtteils zu „NeuköllnsKlimaSchutzPate 2024“ ernannt – und im Grunde ist der 46-Jährige das bis heute geblieben. Aufgewachsen ist er in der Hufeisensiedlung in Neukölln, dort, wo alles begann. Es war im Jahr 2016, als er an einer Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung im Rathaus Neukölln teilnahm. „Irgendwann war die Rede von ‚Grünflächenamt‘ und ‚Personalmangel‘. Es hieß, man würde sich in Neukölln über jeden Anwohner – egal in welchem Kiez – freuen, der mithilft, Bäume zu gießen“, erzählt Sebastian Herges. Das war für ihn der initiale Moment, der zu seinem Engagement für die hitzegeplagten Stadtbäume führte. In der ersten Zeit übernahm er als Einzelkämpfer das Bäumegießen, dokumentierte die Gießaktionen und veröffentlichte sie auf Facebook. „Seitdem suche ich ausschließlich Mitstreiter über die öffentliche Facebook-Gruppe NeuköllnsKlimaSchutzPate – egal, woher sie kommen, sie können aus ganz Berlin kommen“, erzählt er. Täglich rief er in allen öffentlichen Facebook-Gruppen zum Bäumegießen auf. Denn allein die Bäume in der Hufeisensiedlung zu bewässern, reichte ihm nicht. „Sonst hätte man meinen können, den übrigen Bäumen in ganz Berlin gehe es gut, aber das Gegenteil ist der Fall“, sagt er.
Warum geht es den Kiez-Bäumen so schlecht? Nicht nur durch den zunehmenden Straßenverkehr verschlechtere sich die Luft, auch die Stadt Berlin heize sich immer mehr auf infolge der extremen Hitze, sagt Sebastian Herges. Daher braucht es in einer Millionenmetrople wie Berlin aus seiner Sicht unbedingt Bäume zum Herunterkühlen. „Eichen, die seit 60 Jahren stehen, sind komplette Selbstversorger. Es geht darum, die jungen Bäume wie Robinie und Kastanie zu gießen, denn die recht jungen Wurzeln müssen erst einmal anschlagen“, erzählt Sebastian Herges. Wenn der Klimaschutzpate der ersten Stunde in Aktion tritt, nimmt er immer einen kleinen Ziehwagen und mehrere Gießkannen mit, um die Bäume im Kiez mit Wasser zu versorgen. Bei jeder seiner Gießaktionen macht Sebastian Herges Fotos, die er später auf Facebook und Instagram hochlädt. Dazu denkt er sich jedes Mal einen kurzen Text aus. Hochgerechnet investiere er so 200 Stunden pro Monat in das Ehrenamt – ohne Aufwandsentschädigung, wohlbemerkt.