Ungarische Kunst
Körper und Erinnerungen
Das Collegium Hungaricum zeigt in seinen Räumen in der Dorotheenstraße 12 bis zum 20. Februar die Ausstellung „Körper und Erinnerungen. Werke aus der Antal-Lusztig-Sammlung“ mit figurativen Arbeiten von renommierten ungarischen Künstlerinnen und Künstlern aus der Zeit nach 1945. Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Beziehung zwischen dem Sammler Péter Antal und der Künstlerin Lili Ország (1926–1978). Als junger Sammler besuchte Antal als einer der Ersten das Atelier von Ország und kaufte Ende der 60er- Jahre sein erstes Kunstobjekt von ihr. Er entschied sich dabei nicht nur für ein Gemälde, sondern auch für seine eigene Betrachtungsweise. Es besteht bis heute eine sehr persönliche Bindung an das Objekt durch den sich erinnernden Körper. Dieser Gestus bestimmt die Bedeutung der figurativen Kunst in der Sammlung. Im Fokus der aktuellen Ausstellung stehen die Begriffe Gestalt, Rolle, Erinnerung und Mythos, durch die der Kurator Krisztián Gábor Török die Darstellungen des humanen Körpers und die Abdrücke menschlicher Erfahrungen miteinander verbindet. „Figurative Kunst bedeutet nicht nur die Darstellung des Körpers, sondern auch den Abdruck der menschlichen Erfahrung“, erklärt der Kurator. Die Ausstellung sei kein historischer Überblick, „sondern eine Neuinterpretation aus heutiger Perspektive, die Entdeckung einer anthropozentrischen, sensiblen Sammlungsidee“.
Info: www.culture.hu/de/berlin
Neuanfang in der Galerie Nord
Der Verein „Parallelgesellschaft“ übernimmt ab 2026 den Ausstellungsbetrieb der kommunalen Galerie Nord im Brüder-Grimm-Haus in der Turmstraße. Der Verein wurde unter 28 Bewerbern ausgewählt. Die Jury ist überzeugt vom Konzept. Ab 2026 wird demnach „ein prozessuales, vielstimmiges Ausstellungsprogramm umgesetzt, das den Dialog mit der Nachbarschaft entlang der Turmstraße stärkt und neue Perspektiven auf zeitgenössische Kunst eröffnet“. Geplant sind drei kuratierte Ausstellungsphasen, Kooperationen mit lokalen Initiativen, Workshops, Lesungen und eine Zusammenarbeit mit der JVA Moabit. Mit der Vergabe sind sowohl die entgeltfreie Nutzung der bezirkseigenen Ausstellungsflächen als auch eine Projektförderung in Höhe von 60.500 Euro für 2026 verbunden. Mit der Entscheidung geht ein Kapitel der Galerie zu Ende. Mehr als zwei Jahrzehnte hat der Kunstverein Tiergarten die Galerie mit viel Engagement, verlässlicher Zusammenarbeit und innovativen künstlerischen Positionen geprägt.
Kulturverführung vom 21. November 2025
Konzert: Wenn David Bowie auf Tour ging, reiste er mit seiner mobilen Bibliothek. Bis zu 1500 Bücher fanden in einem speziellen Koffer Platz. Die Literatur war für den Popstar eine nie versiegende Inspirationsquelle. Alexander Scheer geht mit seiner Band auf literarisch-musikalische Spurensuche – in diesem Jahr noch am 27. und 30. Dezember, dann am 2. Januar wieder. Das Berliner Ensemble ist der passende Ort für diese Bowie-Hommage, denn: David Bowie lebte zwischen 1976 und 1978 nicht nur in Schöneberg – er war auch Zuschauer im BE. „Heroes“ ist Lesung und Konzert, eine Verneigung vor der von Umbrüchen geprägten Stadt Berlin, ihrem Nachhall in der Weltliteratur und den großartigen Songs, die David Bowie der ganzen Welt schenkte. Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, 10117 Berlin, Karten und Informationen: www.berliner-ensemble.de
Theater: Ein Mann, ein Mikrofon, eine Leinwand – mehr nicht. Und doch ist sie jedes Mal neu. Kein Abend gleicht dem anderen, jeder steht für sich allein. Am 2. Dezember gibt es die 180. Ausgabe der Show „Von Mainz bis an die Memel“ von Jürgen Kuttner. Die Volksbühne erklärt ihr Erfolgsprogramm so: „Man kann ganz nüchtern anmerken, dass der promovierte Kulturwissenschaftler Jürgen Kuttner in seinen Videoschnipselvorträgen unter Zuhilfenahme einiger gut abgehangener Fernsehausschnitte brandaktuelle gesellschaftliche Zustandsbeschreibungen abliefert. Was jetzt wiederum etwas betulich klingt und unterschlägt, dass diese Abende bei den meisten Zuschauerinnen und Zuschauern nicht nur die politisch-moralischen Grundfesten, sondern auch das Zwerchfell schwerstens erschüttern.“ Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Linienstraße 227, 10178 Berlin, Informationen und Karten: www.volksbuehne.berlin
Ausstellung: Diane Arbus gilt als eine der visionärsten und einflussreichsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, die mit ihren ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotografien ästhetische Konventionen radikal infrage gestellt hat. Mit „Diane Arbus: Konstellationen“ präsentiert der Gropius Bau die bislang umfassendste Ausstellung ihres Werks. Viele der 454 Fotografien werden in der Überblicksschau zum ersten Mal gezeigt und bieten neue Perspektiven auf die ikonischen Porträts und das vielfältige Schaffen der Künstlerin. Einen Großteil ihrer Karriere, die von den späten 50er-Jahren bis 1971 andauerte, arbeitete Diane Arbus in New York. Mit den Mitteln der Fotografie schuf sie ein vielfältiges und fesselndes Porträt des Lebens in den Vereinigten Staaten der Nachkriegszeit. Zu ihren Motiven zählen Paare, Kinder, Drag-Performerinnen und -Performer, Nudistinnen und Nudisten, Menschen auf New Yorks Straßen, Vorstadtfamilien, aber auch Persönlichkeiten wie Susan Sontag, Mae West und James Brown. Gropius Bau, Stresemannstraße 110, 10963 Berlin, Informationen: www.berlinerfestspiele.de Martin Rolshausen