Drei Fragen
Die Welt ein bisschen besser machen
Doppeljubiläum in den Berliner Sophiensälen, einem einstigen Handwerkervereinshaus: Die renommierte Spielstätte wird 30 Jahre alt. Die 1996 ins Leben gerufenen, seit 2001 dort ansässigen Tanztage als ausgewiesene Produktionsplattform für den Tänzernachwuchs präsentieren bereits ihre 35. Ausgabe. Kurator Mateusz Szymanówka spricht über die Inhalte.
Was macht die Jubiläumsausgabe besonders?
Berlins Tanzszene hat sich internationalisiert und professionalisiert. Das spiegelt unsere Auswahl wider. Alle Teilnehmenden leben hier, kommen etwa aus Indonesien, von den Philippinen, aus dem Iran. Wie es mit unserer Gesellschaft weitergeht, ist eine zentrale Fragestellung. Verschwindet der Körper durch zunehmende Technologisierung oder bleibt er nach wie vor sichtbar? Wie kann man Volkstanz mit zeitgenössischem Bewegungsvokabular koppeln? Migrantische Perspektiven spielen bei dieser Vielfalt von Nationalitäten eine Rolle, ebenso koloniale Aspekte und soziopolitische Themen.
Wie groß ist die Nachfrage bei den jungen Choreografinnen und Choreografen?
Wie stets hatten wir auch diesmal über 200 Bewerbungen, was für die Ausstrahlung der Tanztage spricht. Zu sehen sind vom 8. bis 24. Januar zehn Performances, darunter sieben neu produzierte Arbeiten, sowie Workshops und Diskursformate.
Womit können Sie neugierig machen?
Mit einem der ältesten Berufe, der Holzkohleherstellung, beschäftigen sich „bottom up productions“ und ihre brasilianische Choreografin Isabela Fernandes Santana: Was Menschen dient, zerstört durch Abholzung die Natur und ist ihr doch tief verbunden. Pamela Moraga untersucht die prekäre Lage freischaffender Tanzkünstlerinnen und Tanzkünstler in Berlin, die sich ständig neuen Herausforderungen anpassen müssen. 2025 entwickelte sie eine Reggaeton-Praxis, um ihr Erbe und ihre Tanzleidenschaft weiterzugeben. Viele Choreografinnen und Choreografen sind von der Hochkultur und aus namhaften Kompanien dem zeitgenössischen Tanz zugewandert. Unser aller Ziel: die Welt ein bisschen besser machen. Interview: Volkmar Draeger
Infos unter: www.sophiensaele.com
Kulturverführung vom 2. Januar 2026
Theater: Eine Stadt im Ausnahmezustand. Eteokles und Polyneikes, die Söhne des Ödipus, sollten sich nach dessen Sturz die Herrschaft über Theben teilen. Doch als Eteokles die Macht behalten wollte, zog Polyneikes gegen ihn in den Krieg – ein Bruderkrieg, in dem sie sich gegenseitig töteten. Nun liegt die Stadt in Trümmern und der neue Herrscher Kreon muss das Chaos ordnen. Er erlässt ein Bestattungsverbot gegen den Bruder, der die Stadt angriff. Antigone, für die beide Brüder gleich wichtig sind, begräbt Polyneikes gegen Kreons Gesetz, den eigenen Tod in Kauf nehmend. Sowohl Kreon als auch Antigone berufen sich auf das Recht und seine Legitimierung durch eine höhere Autorität: die Götter. Doch wer oder was bestimmt, was Recht ist, wenn das Recht selbst, das Konflikte und Widersprüche lösen soll, sich widerspricht? Der Frage geht die erste Premiere des Berliner Ensembles in diesem Jahr nach: „Antigone“ von Sophokles in der Übertragung von Friedrich Hölderlin. Premiere ist am 15. Januar, Voraufführungen gibt es bereits am 12. und 14. Januar. Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, 10117 Berlin, Karten und Informationen: www.berliner-ensemble.de
Festival: Mit dem Jahresprogramm „Beziehungsweise Familie“ erkundet das Humboldt Forum den Stoff, aus dem familiäre Bande gewebt sind. Am Wochenende 24. und 25. Januar begeben sich Künstlerinnen und Künstler zur Frage „Verbergen oder erzählen?“ auf die Spur von Familiengeheimnissen – mit Lesungen, Performances, künstlerischen Interventionen und Gesprächen. In spielerischen, künstlerischen und performativen Formaten nähern sich die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler den verborgenen Bereichen von Gemeinschaft, fördern sie zutage und hinterfragen sie. Sarah Aama Duah errichtet lebendige Statuen, unter deren Latex-Oberflächen sich versteckte Biografien erahnen lassen. Humorvoll wird es beim Videoschnipselvortrag „Kassiber aus der kleinsten Zelle der Gesellschaft“ von Jürgen Kuttner mit Familiengeschichten aus Ost und West. Anne Rabe liest aus ihrer schonungslosen DDR-Familiengeschichte „Die Möglichkeit von Glück“. Sie und weitere Akteurinnen und Akteure gestalten das Programm an beiden Tagen zwischen 10.30 und 21 Uhr. Humboldt Forum im Berliner Schloss, Schlossplatz, 10178 Berlin, Informationen: www.humboldtforum.org
Konzert: „Operetten zum Kaffee“ präsentieren Alenka Genzel (Sopran) und Frank Matthias (Bariton) am 13. Januar um 15 Uhr. „Es wird gesungen, getanzt, gestritten und sich wieder versöhnt und das alles mit beliebter Musik aus Oper, Operette, Musical und Film. Besonders in ihren Duetten geht es dabei turbulent und witzig zu, stets mit einem Augenzwinkern und viel Herzblut“, versprechen die Veranstalter. Kulturhaus Spandau, Mauerstraße 6, 13597 Berlin, Karten und Informationen: www.kulturhaus-spandau.de Martin Rolshausen