„Freiraum Kunst“
Bellevue wird zur Galerie
Bevor Schloss Bellevue, der Amtssitz des Bundespräsidenten, für mehrere Jahre wegen Sanierungsarbeiten nicht zugänglich sein wird, verwandelt sich das Gebäude vom 13. bis zum 28. Juni in eine Pop-up-Galerie. In der Ausstellung „Freiraum Kunst. Akademie der Künste goes Bellevue“ werden unter anderem Werke von Katharina Grosse, Wolfgang Tillmans und Monica Bonvicini gezeigt. Um die Ausstellung „Freiraum Kunst“ zu sehen, muss man vorab ein kostenloses Zeitfensterticket buchen. Anh-Linh Ngo, Vizepräsident der Akademie der Künste und Kurator von „Freiraum Kunst“, erklärt zu diesem Projekt: „Die Ausstellung verzichtet auf ein Thema, das die Werke einer These unterordnet. Die Arbeiten behaupten ihre Eigenständigkeit und Offenheit als Grundbedingung künstlerischer Praxis. In dieser Offenheit liegt die Leistung der Kunst: Sie gestaltet Wahrnehmung, ohne sie festzulegen, und schärft die Fähigkeit, Differenz zu erkennen und auszuhalten. Als kritisches Wahrnehmungsorgan der Gesellschaft ist sie ein Labor, in dem das Individuum lernt, selbst zu sehen, zu unterscheiden und zu gewichten. In der Verschränkung von ästhetischer Bildung und politischer Urteilskraft liegt die politische Dimension von Kunst.“
Tickets und Informationen: www.freiraum-kunst.eu
Neue Gedenktafel
„Phantastiken“ – unter diesem Titel ehrte das Bauhaus-Archiv Lou Scheper-Berkenkamp 2012 erstmals mit einer Ausstellung. Präsentiert wurde
ihr Werk mit Malerei, Bilderbögen, Illustrationen, Kinderbüchern und privaten Bildbriefen, in denen sie Verspielt-Fantastisches mit handwerklichem Können, geprägt durch das Bauhaus, verband. Darüber hinaus veröffentlichte sie journalistische Fachbeiträge mit Abbildungen und realisierte als Wandgestalterin verschiedene Projekte mit namhaften Architekten. Nun hat die Kultur-Senatsverwaltung die Künstlerin mit einer Gedenktafel an ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Bogotastraße 18 in Zehlendorf gewürdigt. Lou Scheper-Berkenkamp entwarf unter anderem Foyer und Treppenräume der Philharmonie, für die Walter-Gropius-Schule mit Kindergarten Räume und Mosaikwände. Zu weiteren Aufträgen zählten das Ägyptische Museum, die Dorfkirche in Zehlendorf, der Flughafen Tegel. Während der Arbeiten an der Staatsbibliothek in West-Berlin starb sie am 11. April 1976.
Kulturverführung vom 29. Mai 2026
Ausstellung: Die Säule als Symbol staatlicher Autorität und kultureller Überlegenheit – ein architektonisches Motiv, das seit der Renaissance als Ideal westlicher Ästhetik gilt – darum geht es bis zum 19. Juli in der Ausstellung „Säulenordnung“ der Künstlerin Daphne Schüttkemper. Dabei richtet die Ausstellung den Blick auch auf scheinbar selbstverständliche Symbole wie Löwen- oder Adlerfiguren, die bis heute Fassaden und öffentliche Räume prägen. „Säulenordnung“ thematisiert, wie Ordnung nicht nur durch Institutionen entsteht, sondern auch durch Wiederholung, Gewöhnung und ästhetische Präsenz. Galerie im Turm, Frankfurter Tor 1, 10243 Berlin, der Eintritt ist frei, Informationen: www.galerie-im-turm.net
Lesung: Eine Kindheit im Hunsrück der 80er-Jahre, der Konflikt zwischen den Eltern, Feminismus, das Patriarchat und der Wunsch nach sozialem Aufstieg. Darum geht es in Daniela Dröschers Roman „Lügen über meine Mutter“. Das 2022 erschienene Buch erreichte die Shortlist des Deutschen Buchpreises und wird zudem in Kürze als Film im Kino zu sehen sein. Im Rahmen der Aktion „Berlin liest ein Buch“ präsentiert die Autorin am 5. Juli, 19 Uhr, ihren Roman.
Die Lese-Initiative wurde 2021 von Radio eins, Radio drei und dem Landesverband des Deutschen Bibliotheksverbands ins Leben gerufen. Aus insgesamt 600 Vorschlägen, die in den Berliner Bibliotheken eingingen, fiel die Wahl in diesem Jahr auf Dröschers Werk. Bezirksbibliothek Pablo Neruda, Frankfurter Allee 14A, 10247 Berlin, der Eintritt ist frei.
Konzert: Das Sommerkonzert des Chores der Humboldt-Universität zu Berlin präsentiert am 6. Juni, 19 Uhr, A-capella-Musik vom 16. bis zum 21. Jahrhundert. Auf dem Programm stehen unter anderem Werke von Johannes Brahms, Hugo Distler, Knut Nystedt, Jaakko Mäntyjärvi und Imant Raminsh. Evangelische Immanuelkirche, Immanuelkirchstraße 1a, 10405 Berlin, Informationen: www.unichor.hu-berlin.de
Theater: Wer sich in dieser Spielzeit noch „#Motherfuckinghood“ anschauen will, kann das am 11. und 12. Juni tun. „#Motherfuckinghood“ ist eine Collage über Erfahrungen des Mutterseins, ein Abend über Arbeit und Sorgearbeit, Feminismus und Söhne, über Mutterschaft und Kunst. Darum geht es: Erfahrungen des Mutterseins decken sich selten mit dem, was Kultur und Sprache darüber vermitteln. Diese ideale, selbstlos sorgende, unendlich geduldige und noch dazu glückliche Mutter – es gibt sie natürlich nicht. Mutterschaft wird stattdessen zur Sollbruchstelle einer Gesellschaft: nämlich dann, wenn man Mütter weiterhin als bedingungslos Sorgende braucht, aber als Arbeitnehmerinnen nicht schonen kann. Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, 10117 Berlin, Karten und Informationen: www.berliner-ensemble.de Martin Rolshausen