Berlin Art Week
Bühne für zeitgenössische Kunst
Vom 10. bis 14. September präsentieren über 100 Museen, Sammlungen, Galerien, Projekträume sowie die Kunstmesse „Positions Berlin Art Fair“ im Rahmen der Berlin Art Week ein umfassendes Programm mit mehr als 300 Veranstaltungen – darunter über 100 Ausstellungseröffnungen. Fünf Tage lang wird Berlin zur Bühne für zeitgenössische Kunst. Aufstrebende Künstlerinnen und Künstler treten gleichberechtigt neben etablierten Kunstschaffenden auf. Viele entwickeln eigens für diesen Anlass neue Werke. Das Spektrum reicht von ortsspezifischen Arbeiten, partizipativen und diskursiven Formaten über Malerei, Installation und Sound bis hin zu Film und Performance – präsentiert in großen Institutionen ebenso wie in ehemaligen Hangars, Kirchen, Industriehallen, Ateliers und Projekträumen. Zahlreiche Institutionen greifen in ihren Ausstellungen gesellschaftliche Fragestellungen auf: Im Haus der Kulturen der Welt widmet sich eine Gruppenausstellung den ästhetischen, politischen und emotionalen Dynamiken des Faschismus. Petrit Halilaj präsentiert im Rahmen der Berlin Art Week im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart seine erste große institutionelle Einzelausstellung in Berlin, in deren Zentrum eine in Zusammenarbeit mit der Kosovo-Philharmonie entstandene Oper steht, die kollektives Träumen als emanzipatorische Praxis im Umgang mit Geschichte und Zugehörigkeit thematisiert. Weitere Höhepunkte sind die Einzelausstellungen von Issy Wood im Schinkel Pavillon, Charmaine Poh im Palais Populaire, Christa Joo Hyun D'Angelo in der Daadgalerie und Ruprecht von Kaufmann im Haus am Lützowplatz. Neben einer Retrospektive zu Margarethe von Trotta zeigt der Neue Berliner Kunstverein eine ortsspezifische Arbeit von Nora Turato. Performancearbeiten bilden einen klaren Schwerpunkt im diesjährigen Programm – etwa in der Neuen Nationalgalerie, wo unter dem Titel „Perform!“ Beiträge von Joan Jonas, Yoko Ono und Isaac Chong Wai gezeigt werden. Ivo Dimchev tritt im Hebbel am Ufer (HAU2) auf, während Jefta van Dinther in der St. Elisabeth-Kirche mit einer Choreografie für Körper und Stimme dem menschlichen Verlangen nachspürt, Vergangenes wiederzubeleben.
Kulturverführung vom 29. August 2025
Konzert: Normalerweise bleibt René Marik im Hintergrund und lässt die Puppen tanzen – einen Plüsch-Maulwurf zum Beispiel. Den lässt der Puppenspieler am 21. September aber zu Hause. Stattdessen bringt er seine Gitarre mit. „The Sugar Horse“ heißt das Bandprojekt des bekannten Puppenspielers René Marik. Marik konzentriert sich an diesem Abend zusammen mit Ulrike Arzet (Trompete) und Bodo Goldbeck (Kontrabass) voll und ganz auf seine zweite große Leidenschaft – die Musik. Verstärkt wird das Trio nun von Stéphane Doucerain am Schlagzeug. In 90 Minuten spannen die „Sugar Horses“ einen genreübergreifenden Bogen über 70 Jahre Musikgeschichte. Von Hank Williams über David Bowie bis zu Billie Eilish, von den Pixies bis hin zu Christina Aguilera. Kabarett-Theater Distel, Friedrichstraße 101, 10117 Berlin, Karten und Info: www.distel-berlin.de
Literatur: Texte des „kleinen dicken Berliners, der mit seiner Schreibmaschine eine Katastrophe aufhalten wollte“, gibt es am 6. September im szenisch-musikalischen Porträt „Tucholsky – Gegen einen Ozean pfeift man nicht an“. Das Zitat ist von Erich Kästner, der Tucholsky so bezeichnet hat. Jürgen Beyer (musikalische Leitung), Alina Lieske (Regie), Ildiko Bognar (Autorin), Stefanie Dietrich, Carl Martin Spengler und Jürgen Beyer bringen Tucholskys Texte auf die Bühne. Theater im Palais, Am Festungsgraben 1, 10117 Berlin-Mitte, Karten und Info: www.theater-im-palais.de
Ausstellung: Schlafen – das ist mehr als nur hinlegen und die Äuglein schließen. Die Ausstellung „Sleeping Resistance“ versammelt künstlerische Positionen, die den Schlaf als sozialen und politischen Raum erforschen – als Zustand der Verletzlichkeit, der Fürsorge und der Verbundenheit. Wer hat Zugang zu Ruhe? Wer darf schlafen – und auf welche Weise? Diese Fragen durchziehen die Ausstellung und verknüpfen sich mit dem Erkunden neuer Formen des Miteinanders mit menschlichen und – wie die Bezirksverwaltung ankündigt – „mehr-als-menschlichen Lebewesen“. Die Arbeiten von Anne Glassner, Valentina Karga, Daniela Medina Poch, A. Stoyke und Sondi befragen bestehende Machtverhältnisse und eröffnen spekulative Traumlandschaften. In einer Welt, die von digitaler Dauerpräsenz, Überwachung und durchgetaktetem Alltag geprägt ist, erscheint der Schlaf als radikale Unterbrechung. Als Moment der Untätigkeit und des Innehaltens, der neue Rhythmen zulässt und unerwartete Beziehungen möglich macht. „Sleeping Resistance“ versteht Ruhe als notwendigen Prozess der Heilung und Zuwendung zu sich selbst und zueinander. Die Ausstellung erkundet das Ausruhen als „transformative Geste des Widerstands“ und eröffnet einen Raum für geteilte Erfahrung, Kollektivität und gemeinsames Träumen. Zu sehen ist die von Lena Fließbach kuratierte Ausstellung bis zum 19. Oktober. Projektraum, Alte Feuerwache, Marchlewskistraße 6, 10243 Berlin, der Eintritt ist frei. Martin Rolshausen