Kunstgewerbemuseum
Essgeschirr der Zukunft
Wie werden die Menschen in Zukunft leben? Und wie werden sie essen und trinken? Welche alltäglichen Rituale der Tischkultur könnten sich bis zum Jahr 2101 entwickeln? Mit diesen Fragen haben sich Studierende der Universität der Künste im Rahmen des Seminars „2101 – Future Ceramics/Tischkultur der Zukunft“ beschäftigt. Zwölf Arbeiten sind ab dem 9. Juli im Berliner Kunstgewerbemuseum zu sehen. Anhand spekulativer Szenarien haben Studierende experimentelles Geschirr entworfen, das mögliche zukünftige Formen des Zusammenlebens aufzeigt: Neben klassischen Designprozessen nutzten die Studierenden auch KI-gestützte Werkzeuge. Wegen seiner Langlebigkeit, Nachhaltigkeit und kulturellen Bedeutung diente Porzellan als zentrales Material. Häufig spielen in den Visionen der Studierenden Rituale eine Rolle: Das Zusammenkommen mit der Familie und mit Freundinnen und Freunden gewinnt an Bedeutung, ebenso das zeremonielle gemeinsame Speisen und Trinken. Im Kontext und als Reaktion auf mögliche künftige Klimakatastrophen, die soziale Entfremdung in verdichteten Megastädten oder die Vereinsamung im digitalen Zeitalter entwarfen die Studierenden Trinkgeschirr mit Klangcodes, Gefäße zur rituellen Zubereitung von Tee, ein Service, das zum Teilen einlädt, oder ein Stapelgeschirr für neuartige Nahrungsmittel wie Gelees, Algen oder Insekten.
Kunstgewerbemuseum, Johanna und Eduard Arnhold Platz/Matthäikirchplatz, 10785 Berlin, Öffnungszeiten: Mi.–Fr. 10–17 Uhr, Sa. und So. 11–18 Uhr
Über DDR-Literatur
„Als die DDR unterging, kam es fast über Nacht zur Demontage der gesamten ostdeutschen Literatur. Millionen Bücher wurden vernichtet, Verlage und Betriebe für wenige D-Mark veräußert, Bibliotheken geschlossen. Die Bewertung des schriftstellerischen Schaffens und der literarischen Werke – wie auch jener der bildenden Kunst oder des Theaters – erfolgte nicht nach ästhetischen Maßstäben, sondern nach ideologischen“, sagt der Literatur-Professor Carsten Gansel. Autorinnen und Autoren seien pauschal als „staatsnah oder -fern“ eingeteilt und aus dem kollektiven Gedächtnis verbannt worden. In seinem Buch „Ausradiert?“ (Reclam, Hardcover, 383 Seiten) zeigt er, warum der Westen im Osten bis heute als dominant und übergriffig empfunden wird. Er schaut dabei auf Schriftstellerinnen und Schriftsteller von Christa und Gerhard Wolf bis Uwe Johnson, von Werner Bräunig bis Gerti Tetzner, von Brigitte Reimann bis Fritz Rudolf Fries, von Irmtraud Morgner bis Ulrich Plenzdorf, von Volker Braun bis Jenny Erpenbeck.
Kulturverführung vom 3. Juli 2026
Konzert: Boris Rosenthal ist zwar in der Ukraine geboren, aber ein Urgestein der jüdischen Musikszene in Deutschland. Mit seiner „Benny Goodman Revival Band“ spielt er die großen Stücke aus dem Repertoire dieses stilbildenden Meisters der Swingmusik. Mit Boris Rosenthal (Gitarre) spielen am 10. Juli, ab 19.30 Uhr Christian Weichert (Piano), Tobias Schiller (Klarinette), Sven Kalis (Drums) und Bernd Gesell (Kontrabass). MS Goldberg am Wannsee, Kronprinzessinnenweg 5, 14109 Berlin, Karten: www.goldberg-kulturschiff.de
Theater: Kein Job, kein Geld, keine Aussicht auf irgendeinen Erfolg. Als eine Männer-Strip-Show in die Stadt kommt und die Frauen zu Beifallsstürmen hinreißt, wittern vier arbeitslose Freunde ihre Chance auf Erfolg und schnelles Geld. Warum nicht auch strippen, kann doch nicht so schwer sein? Allerdings stellen sie schnell fest, dass sie optisch nicht viel zu bieten haben. Was mehr oder weniger als Spaß beginnt, wird bald harte Arbeit. Nach anfänglich tollpatschigen Versuchen nehmen sie Unterricht bei einem weiblichen Revuestar und perfektionieren ihre Show. „Ladies Night“ heißt das Stück über „männschliche“ Schwächen, über Geldnot, Freundschaft, Verzweiflung und Mut, das die Schlossfestspiele Ribbeck noch bis zum 24. Juli auf die Bühne bringen. Tempelgarten, Präsidentenstraße 64, 16816 Neuruppin, Tickets: www.schlossfestspiele-ribbeck.de
Lesung: Fünf Autorinnen, eine Sommer-Lesung: Katrin Girgensohn, Grethe Herzog, Ramona Jakob, Dorothee Rabe und Kerstin Zabel-Strzyz galoppieren, wie sie ankündigen, am 16. Juli, um 19.30 Uhr, „auf Goldruten durch geliebtes Chaos, halten Gardinenpredigten und stellen sich einem Küchendrama in drei Akten“. Unter dem Namen „S.C.H.R.E.I.B.Kraut“ treffen sie sich regelmäßig im Weißenseer Brotfabrik-Kabinett zum gemeinsamen Schreiben. Als Kollektiv haben sie bereits mehrere Anthologien veröffentlicht, zuletzt „Die guten Zeiten haben Risse“. Brotfabrik – Kino, Caligariplatz 1, 13086 Berlin, Karten: www.brotfabrik-berlin.de
Kabarett: Claire Waldoff war von 1907 bis 1935 der Star auf den Brettern der großen Kabaretts und Varietés –
nicht nur in Berlin. Ihre Lieder wurden auf der Straße gesungen oder gepfiffen, von Müllkutschern und Millionären. „Hermann heeßt er!“, „Wer schmeißt denn da mit Lehm?“ oder „Sein Milieu“ kannte jedes Kind, heißt es. Claire Waldoff hat wie keine andere den Ton getroffen, der die Menschen berührte, weil sie eben „gerade vom Leben singen wollte“ – von den Sorgen und Nöten, von den Freuden und Verwicklungen, die das Leben so mit sich bringt. Sigrid Grajek erzählt am 11. Juli und 9. August mit viel Musik von dieser Frau. Theater Berliner Schnauze – Theater am Frankfurter Tor, Karl-Marx-Allee 133, 10243 Berlin, Karten:
www.theater-am-frankfurter-tor.deMartin Rolshausen